Lage bei Saporischschja:Russlands Süd-Offensive bleibt aus: Das sind die Gründe
von Christian Mölling und András Rácz
Die Ukraine hat eine russische Frühjahrsoffensive im Süden offenbar vereitelt. Vier Faktoren schwächen Moskaus Armee bei Saporischschja entscheidend.
Russland hat gegen die sogenannte "Periode der Wegelosigkeit" in der Ukraine kaum Mittel (Archivbild).
Quelle: imagoDie hartnäckige Verteidigung der Ukraine und lokale Gegenangriffe haben offenbar die geplante russische Frühjahrsoffensive an der Südfront vereitelt.
Im letzten Quartal 2025 und zu Beginn des Jahres 2026 gelang es Russland, eine sehr günstige Position an der Front bei Saporischschja zu erlangen. Russische Truppen überquerten den Fluss Hajtschul und besetzten den größten Teil von Huljajpole, der einzigen größeren Ortschaft in der Gegend.
Gute geografische Bedingungen für Offensive
Westlich von Huljajpole gibt es auf Dutzenden von Kilometern keine nennenswerten natürlichen Hindernisse oder eine gut ausgebaute, zusammenhängende Verteidigungslinie. Daher hätte Russland eine ideale Ausgangsposition für eine erneute Offensive während der kalten Monate Januar und Februar gehabt, als das Gelände gefroren und mit Schnee bedeckt war.
Der Golf-Krieg mindere Aufmerksamkeit und Abwehrraketen für Ukraine, befürchtet Selenskyj. Gleichzeitig fordere er Geld, Technologie und Russland-Sanktionen, so ZDF-Reporter Dominik Lessmeister in Kiew.
16.03.2026 | 2:47 minEs gab Anzeichen dafür, dass Russland ab Februar einen Großangriff plante. Aufgrund mehrerer Faktoren konnte dieser Plan jedoch nie umgesetzt werden.
... ist Senior Advisor beim European Policy Centre. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Erstens: Personalmangel
Es mangelt Russland zunehmend an ausgebildeten neuen Soldaten. Der Januar war der erste Monat, in dem die Kampfverluste die Rekrutierungen überstiegen. Und obwohl sich diese im Februar weitgehend ausglichen, fehlt Russland nach wie vor die Personalstärke, um zwei große Offensiven gleichzeitig zu starten und aufrechtzuerhalten - und die Priorität lag eindeutig auf dem Donbass, nicht auf Saporischschja.
Mobilfunkmasten werden mit Generatoren betrieben und von Technikern gewartet. So bleibt das Handynetz der Ukraine stabil. Für die Menschen wichtig, um in schweren Zeiten Kontakt zu halten.
11.03.2026 | 2:39 minZweitens: Ausfall der Kommunikation
Der Verlust des Zugangs zum Starlink-System seit Anfang Februar hat verheerende Auswirkungen auf die Führungs- und Kontrollsysteme der russischen Armee.
Da Russland keine im Inland produzierte Alternative hat, dürfte das Problem bestehen bleiben. Die technologischen Einschränkungen, die der Kreml aus Gründen der Regimesicherheit gegen Telegram verhängt hat, haben die Probleme bei der Operationsführung erheblich verschärft.
ZDF-Korrespondent Sebastian Ehm relativiert: Der russische Angriffskrieg bestehe aus mehreren Faktoren. Die Artillerieangriffe, Sturmtrupps und die Drohnenangriffe würden auch ohne Starlink weitergehen.
19.02.2026 | 11:52 minDrittens: Ukrainische Gegenangriffe
Die Ukraine hat seit Ende Januar eine Reihe gut geplanter, kleinerer Gegenangriffe im Frontabschnitt Saporischschja gestartet, sowohl am ehemaligen Stausee von Nowa Kachowka als auch westlich und nördlich von Huljajpole.
Aus Richtung Huljajpole kommend, hat die Ukraine bis Mitte März 2026 die russischen Streitkräfte fast vollständig aus der Region Dnipropetrowsk verdrängt, während sie in Richtung Huljajpole bis auf etwa zwei bis drei Kilometer an die wichtigste Versorgungsroute Russlands in der Region herankam und diese damit effektiv unterbrechen konnte.
Ukrainische Kinder sollen von russischen Soldaten aus ihren Häusern verschleppt worden sein. Sie seien in einem Wohnheim untergebracht worden, streng überwacht und bedroht, erzählt ein Betroffener.
11.03.2026 | 2:30 minDie Angriffe der Ukraine werden durch eine wachsende Zahl geschickt eingesetzter, weitreichender Glasfaserdrohnen unterstützt, die gezielt nach Logistikfahrzeugen im russischen Hinterland suchen. Infolgedessen ist es Russland immer noch nicht gelungen, seine Positionen westlich und nördlich von Huljajpole zu stabilisieren. Noch macht die Ukraine ein wenig Gelände gut.
Viertens: Erdboden taut auf
Die "Bezdorizhzhia"- bzw. "Rasputitsa"-Periode (deutsch: Wegelosigkeit) stellt ein weiteres Problem für jede möglicherweise bevorstehende russische Offensive dar: Nach dem Winter beginnt der gefrorene Boden zu tauen, und unbefestigte Straßen verwandeln sich für etwa einen Monat in tiefe Schlammmassen.
Diese Jahreszeit hat in der Ukraine bereits begonnen und behindert jegliche mechanisierte Fortbewegung abseits der befestigten Hauptstraßen erheblich.
Mindestens elf Menschen kamen in einer Bombennacht Anfang März ums Leben. Besonders massiv waren da die Angriffe auf die Stadt Charkiw.
07.03.2026 | 1:41 minFazit: Zweite parallele Offensive unwahrscheinlich
Alles in allem ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Moskau über die personellen und materiellen Ressourcen verfügen würde, um eine größere, parallele Offensive im Süden durchzuführen, während die Kämpfe in den noch nicht besetzten zentralen Teilen des Donbass weiterhin mit voller Intensität toben. Dagegen sprechen unter anderem die strukturellen Schwächen und die wachsenden Verluste der russischen Armee. Dazu kommen die anhaltenden Gegenangriffe der Ukraine sowie die Priorisierung der rusischen Angriffe in Richtung Kostjantyniwka-Kramatorsk anstelle des Südens.
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