Neuer UN-Klimareport:"Harte Realität": 1,5-Grad-Limit außer Reichweite
von Mark Hugo
Das 1,5-Grad-Limit für das Klima ist nicht zu halten: Davon geht ein neuer UN-Report aus. Noch aber sei es möglich, die Erderwärmung später wieder unter die Marke zu drücken.
Ein neuer UN-Bericht geht davon aus, dass das 1,5-Grad-Limit nicht haltbar ist. Weniger Emissionen und die Entnahme von CO2 könnten eine spätere Rückkehr ermöglichen.
21.10.2026 | 1:36 minNoch zweieinhalb Wochen bis zum Start der Weltklimakonferenz COP31 und auch in diesem Jahr legt das Umweltprogramm UNEP der Vereinten Nationen (UN) eine nüchterne Bilanz vor: Bleibt die aktuelle Klimapolitik weltweit auf dem gleichen Niveau, dann würde die Erderwärmung noch in diesem Jahrhundert auf 2,8 Grad steigen.
Das geht aus dem "Emissions Gap Report" hervor, der die Lücke zwischen den tatsächlichen Klimaambitionen und dem, was zum Erreichen der Klimaziele von Paris nötig wäre, ausrechnet. Auch wenn alle Staaten die vorliegenden Klimaschutzpläne tatsächlich umsetzen würden, läge die Erwärmung noch bei 2,6 Grad.
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Das hätte katastrophale Folgen. Je länger die notwendigen Maßnahmen herausgezögert werden, "desto größer sind die Risiken, denen wir in den kommenden Jahrzehnten gegenüberstehen", warnt Dr. Louise Jeffery vom NewClimate Institute, die am Report mitgearbeitet hat.
Wir stehen heute vor vielen globalen Herausforderungen, doch die Klimakrise bleibt so relevant und dringlich wie eh und je.
Dr. Louise Jeffery, NewClimate Institute
2025 war UNEP noch von 2,3 bis 2,5 Grad ausgegangen, sollten alle Pläne umgesetzt werden. Die Verschlechterung habe mit dem Austritt der USA aus dem Pariser Vertrag zu tun, aber auch mit aktualisierten Schätzungen zu den historischen Treibhausgasemissionen, räumt das UNEP ein.
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Auffallend beim diesjährigen Bericht: Anders als bisher gehen die UN-Expertinnen und Experten nicht mehr davon aus, dass die im Klimavertrag von Paris festgelegte Obergrenze von möglichst 1,5 Grad Erderwärmung noch eingehalten werden kann. "Der Bericht räumt eine harte Realität ein", sagt Louise Jeffery. "Hätten wir früher gehandelt, hätten wir eine solche Überschreitung vermeiden können."
Der Report rechnet dafür jetzt mit einem so genannten "Overshoot-Szenario", bei dem die 1,5-Grad-Marke zeitweise überschritten wird, was aber bis zum Ende des Jahrhunderts wieder korrigiert werden könnte.
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Dazu seien vor allem zwei Dinge nötig. Das erste: Der Ausstoß von Treibhausgasen müsste deutlicher und schneller sinken als bisher - nach den Berechnungen gegenüber 2025 weltweit bis 2030 um 18 Prozent, bis 2035 um 45 Prozent. Würden nur alle nationalen Klimaziele, die gerade auf dem Tisch liegen, konsequent umgesetzt werden, würde sich der Ausstoß bis 2030 um fünf bis acht Prozent, bis 2035 um elf bis 15 Prozent verringern.
Nach Daten des EU-Klimadienstes Copernicus lagen die Temperaturen im September weltweit um 1,63 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Es war 2026 damit bereits der zweite Monat in Folge, der über der 1,5-Grad-Marke lag. Die im Pariser Klimavertrag genannte Obergrenze gilt allerdings erst über einen Zeitraum von mehreren Jahren im Schnitt als überschritten.
In diesem Jahr erlebte Westeuropa laut Copernicus mit einer Durchschnittstemperatur von 21,7 Grad den wärmsten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen. Damit lag die Temperatur um 2,5 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. Allein in Deutschland gab es im Sommer nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts etwa 16.000 hitzebedingte Sterbefälle.
Auch Deutschland mache zwar insgesamt Fortschritte, so Louise Jeffery. Allerdings längst nicht mit der Geschwindigkeit, die nötig wäre. Und: "Die jüngsten politischen Entscheidungen haben den Fortschritt eher verlangsamt als beschleunigt." Sie nennt die Pläne für neue Gaskraftwerke als Beispiel. Daneben müsse Deutschland andere Länder mehr unterstützen.
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06.11.2025 | 2:14 minAusbau der Erneuerbaren als Erfolgsgeschichte
Völlig unmöglich wäre ein weltweit höheres Ambitionsniveau nicht, sagt UNEP-Chefin Inger Andersen.
Es gibt eine Fülle von Erfolgsgeschichten, die zeigen, dass Emissionen rasch gesenkt werden können.
Inger Andersen, UNEP
Der UNEP-Bericht nennt den Ausbau erneuerbarer Energie. Deren Kapazität sei seit der Annahme der Pariser Verträge 2015 dreimal schneller gewachsen als damals erwartet.
Das Problem sei auch nicht der Mangel an Lösungen, so Louise Jeffery. "Was fehlt, ist das nötige Engagement, um fossile Brennstoffe zu ersetzen und die Emissionen im nötigen Tempo zu senken."
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12.06.2026 | 9:16 minCO2 aus der Atmosphäre holen
Der zweite Punkt ist: Im Laufe des Jahrhunderts müssten laut UNEP 320 Gigatonnen CO2 aus der Atmosphäre geholt und sicher gespeichert werden. Das entspricht etwa dem Achtfachen des weltweiten Ausstoßes von 2024. Ob das klappe, sei unsicher, so der Bericht. Die wirtschaftlichen und technischen Herausforderungen seien groß.
Die 31. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen (COP31) findet in diesem Jahr ab dem 9. November in der Türkei (Antalya) statt. Die Türkei ist Gastgeber, Australien leitet die Verhandlungen. Auf diesen Kompromiss hatten sich die beiden Länder zuvor geeinigt. Erwartet werden zu dem zweiwöchigen Treffen zehntausende Delegierte sowie Staats- und Regierungschefs. Im Fokus werden unter anderem die Klimafinanzierung und der Übergang weg von fossilen Energien stehen.
Der UNEP-Bericht ist eine klare Botschaft vor dem Weltklimagipfel in der Türkei im November. Die Regierungen müssten die "Welt auf Kurs bringen", so Inger Andersen. "Jeder Bruchteil eines Grades und jedes weitere Jahr der Erwärmung über 1,5 Grad hinaus verstärken die Auswirkungen und Risiken des Klimawandels."
Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.
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