COP17 in Eriwan: Wo der weltweite Naturschutz wirklich steht

COP17: Halbzeitbilanz zur Biodiversität:Wo der weltweite Naturschutz wirklich steht

von Eva Schmidt

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Wer bestäubt unsere Pflanzen, wenn Bienen aussterben? Zur Weltbiodiversitätskonferenz in Eriwan offenbart ein Zwischenbericht große Lücken beim Schutz der Vielfalt der Natur.

Voll bepackt mit Pollen und Blütenstaub ist eine Biene im Anflug zu einer blühenden Sonnenblume in einem Feld bei Frankfurt an der Oder

In Deutschland solle es mehr Schutzgebiete für bedrohte Tiere und Pflanzen geben, so die Leopoldina. Der Klimawandel habe den Zustand bestehender Schutzgebiete bereits verschlechtert.

13.10.2026 | 1:38 min

Die Weltbiodiversitätskonferenz (COP17), die kommende Woche in der armenischen Hauptstadt Eriwan beginnt, wird zum Testfall, ob die Staatengemeinschaft ihre Versprechen zum Schutz der Biodiversität tatsächlich ernst nimmt. Im Zentrum der Konferenz steht das sogenannte Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework (GBF), das bei der COP15 vor vier Jahren beschlossen wurde.

Eriwan und die internationale Gemeinschaft: Was fehlt zum Ziel 2030?

Dieses Abkommen definiert konkrete Ziele, zunächst bis 2030 und in einem weiteren Schritt auch bis zum Jahr 2050. Die COP17 in Eriwan ist daher eine Halbzeitbilanz auf dem Weg bis 2030. "Es ist überhaupt als Erfolg zu werten, dass Länder ihre nationalen Ziele mit internationalen abgleichen und sich anstrengen, konsequent mitzuhalten", bewertet Kirsten Thonicke, Sprecherin des Leibniz-Forschungsnetzwerks Biodiversität, den Halbzeitbericht.

Das Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework (GBF) ist benannt nach den beiden COP15‑Austragungsorten Kunming in China und Montreal in Kanada. Das Rahmenabkommen soll das globale Artensterben stoppen und umkehren - eine Art Pariser Klimaabkommen für die Natur. In diesem Abkommen werden 23 konkrete Ziele für das Jahr 2030 definiert. Das bekannteste dieser Ziele ist das 30x30-Ziel: bis 2030 mindestens 30 Prozent der globalen Landes- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Bei der Weltbiodiversitätskonferenz in Eriwan steht die erste Bestandsaufnahme zur Umsetzung des GBF an.


Inger Andersen, Exekutivdirektorin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), spricht darin allerdings im Vorwort von "ernüchternder Wahrheit". Die Vertragspartner seien "weiterhin weit davon entfernt", gemeinsame Ziele zu erreichen.

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FAQ

Biodiversität: Wer den Wandel vorantreibt

Für keines der 23 im Abkommen gesetzten Ziele zeichnet der Bericht ein durchweg positives Bild. Zudem sei das Tempo der Fortschritte unzureichend, kritisiert er. Ohne rasche Beschleunigung würden die Ziele und die Mission für 2030 nicht erreicht.

Aber immerhin: Neben den nationalen Regierungen brächten sich inzwischen viele weitere Akteure zum Schutz der Biodiversität ein, etwa Städte, Forschungseinrichtungen, Unternehmen, der Finanzsektor sowie Vertreter indigener Völker.

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Gerade letztere spielen beim Schutz der Biodiversität eine große Rolle, weil viele von ihnen in Gebieten leben, in denen die Natur noch relativ intakt ist.

Es ist eine globale größere gesellschaftliche Bewegung zum Schutz der Biodiversität entstanden. Das ist neu und positiv.

Kirsten Thonicke, Sprecherin des Leibniz-Forschungsnetzwerks Biodiversität

Anerkennend erwähnt der Bericht auch Fortschritte bei öffentlichen Finanzmitteln, dagegen seien die privaten Finanzmittel nicht ausreichend. "Wirtschaft und Finanzsektor", so Thonicke, die auch Geoökologin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist, "haben zwar die Zeichen der Zeit verstanden, aber den Worten müssen Taten folgen".

Die Vertragsparteien der Biodiversitätskonferenz COP17 in Armenien sind die Staaten und regionalen Organisationen, die die UN-Konvention über die biologische Vielfalt, Convention on Biological Diversity (CBD), ratifiziert haben. Es sind 196 Parteien, dazu gehören fast alle Staaten der Welt sowie die Europäische Union als eigene Vertragspartei. Die USA zum Beispiel gehören nicht dazu.


Schutz der Vielfalt: Was uns gesund hält und was uns schadet

Und wie steht es um die Biodiversität in Deutschland? "Wir erleben einen Rollback", sagt Aletta Bonn, Departmentleiterin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen. Dabei sei Biodiversität nicht weniger als die "Sicherheitsarchitektur unserer Menschheit".

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Alleine 70 Prozent der Medikamente in der Krebstherapie hätten Komponenten aus der Natur, erklärt Bonn gegenüber ZDFheute. "Bei der Infrastruktur hat der Ausbau von zum Beispiel Straßen und Gebäuden ein hohes und einseitiges öffentliches Interesse", kritisiert die Biologin. Sie wünsche sich aber mehr Aufmerksamkeit für die sogenannte natürliche Infrastruktur wie kühlende Wälder, gesunde Flüsse, Auen oder Moore.

Biodiversität muss in unsere nationalen und internationalen Sicherheitsstrategien eingebunden werden.

Aletta Bonn, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Geht es nach Kirsten Thonicke, gehören viele naturschädliche Subventionen auf die Streichliste. Dazu zählen beispielsweise Begünstigungen bei fossilen Treibstoffen wie Diesel und Benzin. "Solange wir die nicht endlich umlenken in die Wiederherstellung der Natur, kommen wir aus dem Dilemma nicht raus."

Eva Schmidt arbeitet für die Redaktion Umwelt.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute im Beitrag "Artenvielfalt: Warum sie für Menschen zählt" am 14.10.2026 um 06:46 Uhr.

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