Milliardengeschäft mit Folgen:Wie illegale Fischerei Meere und Fischer bedroht
von Christoph Warneck
Fisch ist weltweit beliebt und ein lukratives Geschäft. Aber wo viel Geld im Spiel ist, werden auch Regeln gebrochen. Illegal gefangener Fisch könnte auf unseren Tellern landen.
Dosenfisch: beliebtes Lifestyle-Produkt und Proteinbombe. Aber welche Folgen hat unser Konsum? Bei ihrer Recherche stößt Reporterin Victoria Reichelt auf überfischte Meere und soziale Probleme.
04.10.2026 | 43:47 minFür Milliarden Menschen weltweit ist Fisch eine der wichtigsten Quellen für tierisches Protein. Rund 80 Millionen Tonnen Fisch und Meerestiere werden jedes Jahr aus den Ozeanen gefangen. Allein jeder Deutsche hat 2023 im Schnitt rund 12,5 Kilogramm Fisch gegessen.
Wie Fischerei reguliert wird
Fangquoten legen fest, wie viel Fisch pro Jahr und Art aus einem bestimmten Fanggebiet entnommen werden darf. Sie sollen Überfischung verhindern und Fischbestände langfristig erhalten. Fangquoten werden auf Grundlage wissenschaftlicher Bestandsbewertungen festgelegt.
Für internationale Vorkommen werden Quoten in sogenannten Regional Fisheries Management Organizations (RFMOs) vereinbart. Das sind internationale Zusammenschlüsse von Staaten, die gemeinsam einen bestimmten Meeresraum bewirtschaften.
Die IUU-Verordnung der EU ist seit dem 01. Januar 2010 in Kraft. Ihr Ziel: illegale Fischerei verhindern, aufdecken und bekämpfen. Fisch darf grundsätzlich nur dann in die EU eingeführt werden, wenn eine digitale Fangbescheinigung nachweist, dass er legal gefangen wurde.
Länder, die illegale Fischerei nicht ausreichend bekämpfen, können von der EU verwarnt werden. Im Extremfall kann die EU den Import von Fischereierzeugnissen aus solchen Ländern verbieten. Zudem führt die EU eine Liste mit Schiffen, die nachweislich illegal fischen, und verhängt weitreichende Sanktionen.
Offizielle Fangquoten sollen die Bestände weltweit schützen und nachhaltige Fischerei gewährleisten. Aber die tatsächliche Anzahl der gefangenen Fische könnte deutlich höher liegen als die offiziellen Quoten, davor warnt die Welternährungsorganisation FAO. Laut ihrer Schätzung könnten jährlich bis zu 26 Millionen Tonnen entgegen geltender Regeln gefangen werden.
Dämme, Verschmutzung und Überfischung machen wandernden Süßwasser-Fischarten weltweit immer mehr zu schaffen. Laut UN haben die Populationen seit 1970 um mehr als 80 Prozent abgenommen.
24.03.2026 | 0:50 minWie funktioniert illegale Fischerei?
Die sogenannte IUU-Fischerei - also illegale, ungemeldete und unregulierte Fischerei - umfasst Fangaktivitäten, die gegen geltende internationale Regelungen verstoßen oder außerhalb bestehender Kontrollsysteme stattfinden. Dazu zählt das Überschreiten von Fangquoten, das Fischen innerhalb geschützter Meereszonen, das Umladen von Fisch auf See, um Hafenkontrollen zu umgehen, oder das Fälschen von Dokumenten.
Verschleiert werden diese Aktivitäten häufig, indem die Fischerei-Schiffe das Signal ihres automatischen Identifikationssystems (AIS) an Bord ausschalten.
Jeder fünfte Fisch wird zu Fischmehl als Tierfutter verarbeitet. Beispielsweise für Zucht-Lachs aus Aquakultur. Doch diese Praxis hat dramatische Folgen für Mensch und Umwelt.
09.08.2026 | 43:35 minStudie: Deaktivierte Identifikationssysteme könnten Fischerei verschleiern
Eine Studie von Forschenden der University of California Santa Cruz und der Organisation Global Fishing Watch hat gezeigt, dass solche dunklen Phasen systematisch in Regionen auftreten, in denen IUU-Fischerei ein bekanntes Problem darstellt.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass durch das Deaktivieren der AIS-Transponder bis zu sechs Prozent der untersuchten Fischereiaktivitäten verschleiert wurden.
Aquakultur soll die Meere entlasten. Aber wie nachhaltig ist Zuchtlachs wirklich, wenn für sein Futter große Mengen wild gefangener Fische zu Fischmehl verarbeitet werden?
15.08.2026 | 1:06 minFischereiprodukte nur schwer zurückverfolgbar
Die Rückverfolgbarkeit illegal gefangener Meerestiere ist schwer. Denn zwischen Fang und Verkauf können Tausende Kilometer liegen und zahlreiche Stationen einer globalen Lieferkette.
Selbstverpflichtungen der Lebensmittelhändler, aber auch gesetzliche Regelungen wie die IUU-Verordnung der Europäischen Union sollen verhindern, dass Fischereierzeugnisse aus IUU-Fischerei auf den EU-Markt gelangen.
Fischschwärme sind nicht nur Lebensmittel, sondern auch Naturschauspiel. Im Unterwasserpark Punat auf der Insel Krk können Besucher Fische beobachten, streicheln und füttern.
12.08.2026 | 0:23 minFür Callum Roberts, Meeresbiologe an der Universität Exeter, Cornwall, bieten solche Kontrollsysteme aber keine vollständige Sicherheit: "Es wird Fisch an Land gebracht, der die Quoten übersteigt, aber dann in den Statistiken - beispielsweise durch korrupte Beamte - als legal ausgewiesen wird."
Dieser Fisch gelange irgendwann auch auf Märkte in Europa. Hier werde er dann als legal gefangen weiterverkauft. Für die Verbraucher sei das, so Roberts, nicht zu erkennen.
IUU-Fischerei: Artenvielfalt in Gefahr
Die Auswirkungen sind dramatisch. Nach Einschätzung der Welternährungsorganisation der UN ist die IUU-Fischerei eine der großen globalen Bedrohungen für die biologische Vielfalt der Meere. Denn werden mehr Tiere gefischt als in den Fangquoten festgelegt, kann das die Bestände langfristig gefährden.
Delfine gelten als schlaue und soziale Meeressäuger. Dennoch werden sie immer wieder gejagt. Auch in Ghana stellen ihnen Fischer nach. Die Jagd dort ist illegal, aber lukrativ.
11.05.2025 | 28:51 minIllegale Fischerei gefährdet Lebensgrundlagen legaler Fischer
Durch illegale Fischerei wird den Meeren jedes Jahr geschätzt Fisch im Wert von bis zu 23 Milliarden US-Dollar entnommen. Das entspricht etwa einem Fünftel des Werts aller legal verkauften Fische.
Die Leidtragenden sind legal agierende Fischer, sie fangen weniger und erleiden dadurch Verluste. Das betrifft insbesondere Kleinfischer in lokalen Küstengemeinschaften, deren Lebensgrundlage in Gefahr gerät.
Fischmehl: Futterbasis für Aquakulturen:Warum in einem Lachs mehr als ein Fisch steckt
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