Grüner Etikettenschwindel?:Wie beim Matcha getrickst wird
von Laura Hohmann
Matcha-Produkte boomen, doch Teebauer kommen kaum hinterher. Die Folge: Minderwertige Ware und Fake-Produkte. Was Qualitäts-Matcha ausmacht und worauf Verbraucher achten können.
Grün, grüner, Matcha. Das Trendgetränk aus Japan wird auf Social Media gehypt. Doch die hohe Nachfrage sorgt für steigende Preise, Lieferengpässe und Fake-Produkte.
13.09.2026 | 43:43 minDie Matcha-Herstellung ist für Jintaro Yamamoto extrem aufwendig. Der Teebauer aus dem japanischen Uji produziert das knallgrüne Teepulver in der sechsten Generation.
Traditioneller Matcha-Anbau: Höchste Qualität durch Handarbeit
Bevor die Teeblätter geerntet werden, lässt Yamamoto sie beschatten: Er setzt dabei nicht wie viele andere auf Synthetik-Netze, sondern auf natürliche Materialien wie Stroh - eine Methode, die in Uji bereits seit 400 Jahren besteht. Einmal im Jahr werden die hochwertigsten Teeblätter dann per Hand gepflückt.
Bei uns dauert das Pflücken etwa zwei Wochen, während man mit einer Maschine die gleiche Menge an einem Tag ernten kann.
Jintaro Yamamoto, Teebauer aus Japan
Anschließend lässt Jintaro Yamamoto die Blätter in einem Ofen trocknen und in einer Steinmühle vermahlen. Er ist überzeugt: Nur mit diesen traditionellen Methoden kann er Matcha in höchster Qualität erzeugen.
In Deutschland wachsen erstmals Matcha-Pflanzen: Antje Kühnle baut in Zossen Tee für das Hype-Getränk an. Ihr Ziel: hochwertiger Matcha aus Deutschland - trotz Klima- und Anbauherausforderungen.
27.10.2025 | 4:08 minMatcha ist in Deutschland kein geschützter Begriff
Aber wie viel von solch traditionell hergestelltem Matcha steckt eigentlich in den Pulvern, die man im deutschen Handel erwerben kann? Vor allem bei Drogerie- und Supermarkt-Produkten rät Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern zur Vorsicht, denn Matcha sei in Deutschland kein lebensmittelrechtlich geschützter Begriff.
Wenn es ganz dumm läuft, kaufe ich günstigen Grüntee, der pulverisiert worden ist und nicht diesen aufwendigen Prozess durchlaufen hat.
Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern
Nic Shanker zeigt Rezepte mit dem trendigen japanischen Grüntee-Pulver.
19.05.2025 | 7:34 minGrüntee statt Matcha: Produkt-Fälschungen kommen auch aus China
Gerade bei billigeren Produkten könnten minderwertigere Teeblattqualitäten in den Pulverdosen stecken, sagt Krehl. Doch selbst ein hoher Preis heiße nicht immer gleich hohe Qualität.
Das bestätigt auch Masatsugu Nonomura. Er ist für die Exporte des traditionsreichen japanischen Matcha-Herstellers Marukyu Koyamaen verantwortlich. Immer häufiger erhält er Hinweise, dass gefälschtes Matcha-Pulver seiner Marke im Umlauf ist.
Die Verpackungen würden eins zu eins kopiert und auf Online-Plattformen teuer verkauft, sagt Nonomura. Doch statt des hochwertigen Matcha erhielten die Käufer nur billiges Grünteepulver, das häufig aus China stamme.
Matcha: Der Markt für das Trend-Getränk
Herkömmlicher Grüntee wächst in der Regel unbeschattet und wird weniger aufwendig verarbeitet als Matcha. Beim grünen Tee bleiben die ganzen Blätter erhalten und es wird nur der Aufguss getrunken.
Weil Blätter für Grüntee deutlich günstiger sind, werden auch sie zu Pulver vermahlen und teilweise als Matcha verkauft.
Matcha wird seit Jahrhunderten in Japan hergestellt. In den letzten Jahren ist die weltweite Nachfrage nach dem Grüntee-Pulver explodiert. Laut dem Japan Tea Export Promotion Council kamen allein aus Japan im Jahr 2025 rund 618 Tonnen des grünen Pulvers nach Deutschland - ein Plus von über 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Doch die Anbau- und Produktionsmöglichkeiten von Matcha sind in Japan begrenzt: Die Aufbauzeit neuer Felder dauert mehrere Jahre, die Teebauern werden weniger und Hitzewellen drücken die Ernten. Andere Länder entdecken diese Marktlücke für sich - allen voran China.
Wie transparent ist die Matcha-Industrie?
Wie häufig Matcha falsch gekennzeichnet, gestreckt oder gefälscht wird, lässt sich mangels belastbarer Marktdaten nicht beziffern. Deswegen verkauft Marcel Karcher in seinem Münchner Laden ausschließlich Matcha, den er direkt von japanischen Herstellern bezieht. Denn es gebe keine strikten Siegel, auf die er sich verlassen könne.
Deswegen geht Karcher davon aus, dass sowohl international, aber auch innerhalb von Japan getrickst werden könnte: "Dass gewisse Dinge mit reingemischt werden oder gewisse Regionen verkauft werden, aus denen sie vielleicht gar nicht sind, weil der Markt es einfach gerade hergibt."
Mit der Dubai-Schokolade wurden auch Pistazien zum echten Hype. Ihr massenhafter Anbau verursacht allerdings Probleme: Wassermangel und versalzte Böden.
19.10.2025 | 43:31 minZeremonieller Matcha: Qualitätszeichen oder Marketingbegriff?
Viele Hersteller bewerben ihr Matcha-Pulver mit dem Label "Ceremonial Grade", denn zeremonieller Matcha wird für die traditionelle japanische Teezeremonie verwendet und gilt als höchste Qualitätsstufe. Doch auch dieser Begriff ist nicht geschützt - und kann im Prinzip auch für minderwertiges Matcha-Pulver verwendet werden.
Marcel Karcher rät dazu, beim Kauf darauf zu achten, dass der Matcha steinvermahlen wurde und die Herkunft möglichst genau angegeben ist. Qualitativ hochwertiger Matcha hat laut Karcher eine cremige, nicht sandige Textur und eine leuchtend grüne Farbe mit feinem Glanz. Vor allem aber sollte der Tee nicht bitter schmecken.
Verbraucherschützerin: Wahrscheinlich kein echter Matcha in verarbeiteten Lebensmitteln
Aber wie steht es um Matcha-Schokolade, Fertiggetränke und Co.? Schließlich sind mittlerweile neben dem klassischen Pulver zahlreiche Matcha-Lebensmittel im Handel erhältlich.
"Vor allem in der verarbeiteten Industrie rechne ich nicht damit, dass hier hochwertiges Matcha-Pulver verwendet worden ist, sondern ganz klassisches Grüntee-Pulver," sagt Verbraucherschützerin Daniela Krehl.
Lupinen-"Kaffee" ist eine Alternative für alle, die kein Koffein vertragen oder Wert auf Nachhaltigkeit legen. Er enthält deutlich weniger Säure als Bohnenkaffee und schmeckt leicht nussig.
02.01.2026 | 7:44 minZumal in den meisten dieser Lifestyle-Produkte sowieso nur ganz wenig Matcha-Pulver enthalten sei. Denn ein Blick in die Zutatenliste verrät: Der Matcha-Anteil liegt bei vielen dieser Artikel gerade mal um die ein Prozent. Lebensmittelrechtlich sei das laut Krehl zwar nicht anzukreiden, aber:
Ich befürchte schon, dass die Hersteller den Begriff Matcha gerne dazu verwenden, um ihre Produkte deutlich teurer zu verkaufen, als sie eigentlich wert wären.
Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern
Für Verbraucher ist insgesamt kaum nachvollziehbar, was tatsächlich in Matcha-Pulver und Matcha-Produkten steckt. Wer Wert auf hochwertige Ware legt, sollte auf möglichst transparente Angaben zu Anbauregion und Mahlverfahren achten. Verlassen kann man sich aber selbst darauf nicht.
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