Speiseeis: Hohe Preise bremsen den Eisboom nicht

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Deutschland ist Eis-Europameister:Kein Sommer ohne Eis: Heiß geliebt trotz hohem Preis

von Karen Grass

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Die Zeiten, als Eis noch vom kleinen Taschengeld bezahlt werden konnte, sind vorbei. Stattdessen: eine Kugel für mehrere Euro, Eis am Stiel für 2,90 Euro. Warum ist Eis so teuer?

Im Vordergrund wird ein orangefarbenes Eis am Stiel in der Hand gehalten, unscharf im Hintergrund eines, das mit Schokolade überzogen ist.

Das Geschäft ist saisonal und die Herstellung aufwändig. Trotzdem produziert Deutschland EU-weit das meiste Speiseeis.

03.08.2026 | 0:59 min

Der Preis scheint zumindest den Konsum nicht zu dämpfen, denn: Ist der Sommer heiß, boomt Eis. Und in diesem Jahr besonders: Laut Statistischem Bundesamt stieg der Speiseeis-Absatz in Supermärkten in der letzten Juniwoche, zur Zeit der großen Hitzewelle, um 90 Prozent gegenüber einer durchschnittlichen Sommerwoche.

Deutschland ist Europas größter Eisproduzent

Laut Eurostat produzierte Deutschland mit zuletzt rund 607 Millionen Litern sogar mehr Speiseeis als jedes andere EU-Land. Ist der Speiseeisverkauf also ein gutes Geschäft? Tatsächlich lässt sich das pauschal nicht beantworten, denn die Branche ist sehr heterogen und damit auch unterschiedlich lukrativ.

Grafik: Eine Eiswaffel mit drei Kugeln Eis, mit den Angaben wie viel Eis in Litern in Deutschland, Frankreich und Italien produziert wird
Quelle: ZDF

Alle Eishersteller kämpfen mit gestiegenen Kosten

Agrarökonom Sebastian Hess von der Universität Hohenheim nennt Gründe für die Preisgestaltung beim Speiseeis:

Die Preise der industriellen Eisproduzenten sind stark von den Rohstoff-, Lohn- und Energiekosten getrieben.

Prof. Sebastian Hess, Agrarökonom, Universität Hohenheim

Eine Frau isst in ein Eis in der Stuttgarter Innenstadt.

Im europäischen Vergleich ist eine Kugel Eis in Deutschland noch erschwinglich: Sie kostet im Schnitt zwischen 1,80 und 2,50 Euro. In Italien oder Spanien zahle man dagegen regelmäßig drei Euro.

23.03.2026 | 0:38 min

Diese Faktoren spürten Eisdielen natürlich auch, erzählt Davide Nestola, der in vierter Generation in einer familiengeführten Eisdiele in Mainz arbeitet: "Besonders bei Pistazien, Kirschen und Erdbeeren merken wir den Preisanstieg." Die Beeren kaufen sie bewusst vom regionalen Landwirt.

Insgesamt seien ihre Kosten für die Eisdiele in den vergangenen Jahren um etwa ein Drittel gestiegen, schätzt Nestola - so koste zum Beispiel die Miete für das kleine Ladenlokal heute 1.000 Euro monatlich.

kugel vanilleeis wird auf eine waffel portioniert

Tichy: Diese Eisdiele in Wien sticht heraus. Das Familienunternehmen wurde 1952 gegründet und ist berühmt für seine Eismarillenknödel. Xenia Tichy ist die erste Frau an der Spitze.

20.05.2025 | 2:11 min

Impulskäufe können Eisdielen helfen

Anders als bei der industriellen Produktion sei bei Eisdielen jedoch ein weiterer Faktor besonders wichtig für den Gewinn, so Ökonom Hess: nämlich, wie sich Mietkosten und Lagevorteil die Waage halten. Für selbstgemachtes Eis in guter Lage seien Menschen schließlich teils bereit, mehr zu zahlen, zumal bei großer Hitze: "Da greift das Prinzip: Ich will jetzt sofort ein Eis und diesen kleinen Luxus will ich mir gönnen", sagt Hess.

Auch damit ließen sich heute in Metropolen Preise von teils mehreren Euro pro Kugel erklären. Nestolas Eispavillon liegt dagegen nicht in der Innenstadt - seine Kugel kostet 1,60 Euro.

Eine Person füllt grünes Slush‑Eis in einen Becher.

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So entwickeln sich Eispreise und Kaufkraft

Auch wenn die Preise für Eis am Stiel ebenfalls stark gestiegen sind: Das Gefühl, dass der Eisgenuss hier früher ebenfalls nicht so zu Buche schlug, ist genau das: ein Gefühl. Ökonom Christoph Schröder vom Institut der Deutschen Wirtschaft hat die Preisentwicklung beim Speiseeis analysiert und die Preise für Kiosk-Eis mit der Lohnentwicklung in Relation gesetzt.

Grafik zeigt, wie viele Minuten man für die Eissorten "Magnum", "Cornetto", "Domino" und "Capri" mit einem Durchschnittslohn arbeiten muss
Quelle: ZDF

Quintessenz: Die Kaufkraft für Eis ist seit dem Jahr 2000 zwar gesunken, aber nicht dramatisch. Dieses Jahr wächst sie sogar wieder leicht, da die Löhne steigen und große Preissprünge ausgeblieben sind: Ein Magnum etwa kostet 2,90 Euro (UVP) - so viel wie 2025. "Womöglich aus verkaufspsychologischen Gründen, um die Drei vor dem Komma nicht zu reißen", vermutet Schröder.

"Aber auch die meisten anderen Eissorten bleiben 2026 im Preis stabil", sagt Schröder. Mengenmäßig machte Eis für den Verzehr zu Hause mit gut 75 Prozent den Löwenanteil aus, so der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie. Und da gilt:

Bei Familienpackungen im Einzelhandel ist die Kundschaft weniger bereit, große Preissteigerungen mitzugehen.

Christoph Schröder, Ökonom, Institut der Deutschen Wirtschaft, Köln

Deshalb habe man da auch weniger Teuerung gesehen als etwa bei Kiosk-Eis oder in der Eisdiele, so Schröder weiter.

Sebastian Lege, wie er sich zwei Langnese Eiscreme-Verpackungen als Hörner an die Stirn hält.

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24.03.2026 | 44:00 min

Warum die Eisproduktion Risiken birgt

Hinzu kommt: Industriell hergestelltes Speiseeis ist ein kompliziertes Produkt. So urteilte auch Eis-Entwickler Andrew Sztehlo.

Im Grunde ist die Herstellung einer Eistüte das kulinarische Äquivalent zur Herstellung eines Autos.

Andrew Sztehlo, Lebensmittelwissenschaftler

Es gebe Dinge, die im komischen Winkel zueinander stehen, Dinge, die Wasser mögen, Dinge, die Wasser nicht mögen. Und all das müsse zusammenkommen, um ein Eishörnchen zu produzieren, erklärte Sztehlo.

Die teils empfindlichen Zutaten mit unterschiedlichen Schmelzpunkten müssen bei industriell gefertigtem Eis zusammengebracht und von der Herstellung über Transport bis zur Verkaufstheke stetig gekühlt werden. Das verursacht hohe Energie- und Logistikkosten.

Das sagen die Hersteller
:Warum die Eiskugel teurer geworden ist

Früher 50 Pfennig, heute in manchen Städten zwei bis drei Euro: Jeden Frühling wird der Eis-Preis zum Thema. Warum die Kugel teurer wird - und überall etwas anderes kostet.
von Kathrin Wolff
Mitarbeiterin eines Eiscafés übergibt Frau Eis in einer Waffel.
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Umsatz von Speiseeis von Wetter abhängig

Rohstoffe wie Kakao, Zucker und Vanille unterliegen wiederum schwankenden Weltmarktpreisen: "Da können auch große Produzenten nur bedingt Einfluss auf die Einkaufspreise nehmen, und so birgt die Herstellung für sie durchaus unplanbare Risiken", sagt Agrarökonom Hess.

Gleichzeitig hängt der Absatz von Eis stark vom Wetter ab. Und zu guter Letzt geraten etablierte Markenhersteller auch durch die Konkurrenz der Handelseigenmarken unter Druck.

Womöglich, meint Hess, sei die Eisproduktion deshalb aus Sicht der Industrie weniger lukrativ als andere Sparten. Das britische Unternehmen Unilever beispielsweise, das neben Nahrungsmitteln unter anderem auch Hygiene- und Kosmetikartikel produziert, hat Ende 2025 seine Eissparte mit Marken wie Magnum, Langnese und Ben & Jerry's unter anderem mit Verweis auf die hohen Kosten abgespalten.

Karen Grass ist Redakteurin der ZDF-Sendung WISO.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Trotz hoher Produktionskosten: Eis wirft Gewinn ab" am 03.08.2026 um 06:25 Uhr.

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