Boom eines Protein-Boosters:Warum die Sojabohne deutsche Äcker erobert
von Mark Hugo
Vor 20 Jahren war das fast unvorstellbar: Soja wird immer öfter auf deutschen Äckern angebaut. Ein Grund für den Boom: Die Bohne hilft bei der Anpassung an den Klimawandel.
Deutschlands Sojaernte hat sich seit 2016 mehr als verdreifacht, trotzdem werden weiterhin mehrere Tonnen importiert. Welche Rolle der Klimawandel bei Zukunftsplanung und Anbau spielt.
10.09.2026 | 3:56 minSojabohnen als Kulturpflanze? Für die deutsche Landwirtschaft war das lange keine Option: Es war schlicht zu kühl für die aus Ostasien stammende Pflanze.
Das hat sich geändert - durch steigende Temperaturen und neue Sorten. Zwischen 2016 und 2025 hat sich laut Statistischem Bundesamt die Erntemenge mehr als verdreifacht - auf 130.800 Tonnen. Soja boomt.
Biobauer Simon Franz aus dem unterfränkischen Leinach ist einer der Landwirte, die auf Soja setzen. Über das Projekt für Wissensaustausch LeguNet ist er mit Kolleginnen und Kollegen vernetzt und bleibt auf dem neuesten Stand bei Anbaumethoden und neuen Sorten. Das ist wichtig. Denn jeder Boden und jeder Standort ist anders. Heißt: Für den optimalen Ertrag müsse er sich immer wieder anpassen, so Franz.
In deutschen Supermärkten fehlt es im Sommer an Tofu - Grund war die sehr hohe Nachfrage.
03.06.2026 | 0:32 minNachfrage nach Tofu, Tempeh und Co. wächst
Inzwischen baut Franz die Bohne als Teil der Fruchtfolge, also beim Wechsel verschiedener Anbaupflanzen auf dem Feld, auf etwa 30 Hektar an. "Die Hälfte ungefähr ist für die Speiseindustrie", erklärt er.
Produkte wie Tofu, Tempeh oder Fleischersatzprodukte sind gefragt. Aus zwölf Prozent der heimischen Ernte von 2024 wurde nach einer Schätzung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung direkt Nahrung hergestellt - bei steigender Tendenz.
Julia Jeschek aus Chemnitz hat Tofu für sich entdeckt und will mit ihrer eigenen Manufaktur den Tofu in der Region bekannter machen.
25.08.2026 | 9:43 minBesonders interessant ist Soja wegen seines hohen Proteingehaltes. Der macht laut Bundeszentrum für Landwirtschaft etwa 40 Prozent aus und liegt damit höher als etwa bei anderen Bohnen oder Erbsen.
Der größte Teil der heimischen Ernte wird an Vieh verfüttert - ein weiterer Teil weiterverarbeitet. Denn auch abseits von Tofu und Co. steckt Soja in vielen Lebensmitteln: Als Sojaöl oder auch als Sojalecithin. Das ist ein Emulgator, der unter anderem dabei hilft, ölige und flüssige Stoffe zu verbinden. Sojalecithin wird etwa in Backwaren oder Schokolade, aber auch in Kosmetika und Medikamenten verwendet.
Burger aus Erbsen, Aufschnitt aus Soja - Fleischersatzprodukte erobern die Regale. Sie sind vegetarisch und klimafreundlich. Aber wie gesund sind sie wirklich? Und wie lecker?
24.10.2021 | 28:32 minSojapflanze verbessert den Boden
Franz verkauft einen großen Teil seiner Ernte daneben an andere Landwirte weiter - als Saatgut für den Anbau. Dass die robuste Pflanze immer beliebter wird, liegt nicht nur am Absatz. In der Fruchtfolge ist sie flexibel einsetzbar und dient als Bodenverbesserer.
"Sie bringt vor allem Stickstoff ins System", sagt Frank Ewert vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). Die Pflanze holt den wichtigen Nährstoff praktisch aus der Luft und bindet ihn. Der Landwirt braucht so deutlich weniger Dünger. Gerade für Bio- und Ökobauern eine wichtige Strategie.
Riesiges Potenzial für Sojaanbau in Deutschland
Trotz des Soja-Booms: Noch steckt der Anbau im Vergleich zu anderen Pflanzen in der Nische. Der Anteil an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche im Land lag 2025 bei nur 0,3 Prozent. Dass die Nachfrage - vor allem nach Viehfutter - riesig ist, zeigt der Blick auf den Import: 3,4 Millionen Tonnen Sojabohnen wurden nach Deutschland eingeführt, so das Statistische Bundesamt.
Der Großteil kommt aus den USA und aus Südamerika, wo der Anbau teils auf Kosten der Natur und des Klimas gehe, so Agrarforscher Ewert. Das Potenzial für den Anbau in Deutschland sei groß.
Wir müssen zusehen, dass wir diesen Anbau weiter steigern und unseren Bedarf dann mehr über einheimische Sojaproduktion decken können.
Frank Ewert, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF)
Hitze und Trockenheit haben Frankreichs Landwirtschaft schwer getroffen. Die Ernten fallen geringer aus, Lebensmittel werden teurer und die Folgen der Teuerung treffen immer mehr Verbraucher.
23.09.2026 | 2:04 minHitzesommer setzte auch Sojabohnen zu
Allerdings: In diesem Sommer stieß auch die Sojabohne in Unterfranken und in vielen anderen Regionen an ihre Grenzen. Sie mag zwar Wärme, lange Hitze- und vor allem Trockenheitsphasen waren ihr dann aber doch zu viel. Bei Landwirt Simon Franz war statt sonst vier oft nur ein Korn in den Bohnenhülsen. Insgesamt war der Ertrag diesmal um rund die Hälfte niedriger.
Weil der Klimawandel mit seinen Folgen unberechenbar ist, setzt Franz aber schon länger auf Vielfalt auf dem Acker. Dazu gehört die Kichererbse, aus der etwa Hummus oder Falafel hergestellt werden. In diesem Jahr hat sich die Strategie als richtig erwiesen.
Wegen den heißen und trockenen Temperaturen haben Landwirte mit weniger Ertrag und Futterknappheit zu kämpfen. Alte Pflanzenarten können helfen.
04.08.2026 | 1:32 minKichererbse als Versicherung gegen Trockenheit
"Das ist für uns mehr oder weniger die Trockenheitsversicherung für die Sojabohne, denn genau in dem Zeitraum, in dem die Sojabohne richtig viel Wasser braucht, also Ende Juni bis Anfang August, da verträgt die Kichererbse eigentlich gar keinen Regen", so Franz. Die Kichererbsen-Ernte war dadurch deutlich besser als sonst.
Und Biobauer Franz experimentiert immer wieder auch mit anderen Hülsenfrüchten - wie etwa der Trockenbohne. Ob das klappt, wird sich erst noch zeigen.
Das probieren wir einfach aus.
Simon Franz, Landwirt
Denn darauf warten, bis neue Kulturen oder neue Strategien erst erprobt und erforscht sind, will Simon Franz nicht.
Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.
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