Bilanz der Bauern:So wirkt sich die Hitze auf die aktuelle Ernte aus
Das trockene Wetter mit hohen Temperaturen hat Folgen für die diesjährige Ernte: Vor allem beim Weizen fahren Landwirte kleinere Ernten ein. Aber auch Kartoffeln sind betroffen.
Landwirte spüren die Folgen von Hitze und Trockenheit: Ernten teilweise nur halb so groß, wie üblich. Besonders betroffen ist der Süden. Ökonomen rechnen mit steigenden Kosten.
18.08.2026 | 2:37 minWas bedeuten Trockenheit und Hitze dieses Jahr für die Ernte in Deutschland? Dazu hat der Bauernverband am Dienstag eine Bilanz vorgelegt. Sie zeigt: Vor allem die Getreideernte fällt in diesem Jahr geringer aus. Doch auch auf den Ertrag von Äpfeln und Kartoffeln wirkt sich das Extremwetter dieses Jahres aus. Ein Überblick.
Wie steht es um die Getreideernte?
Die Getreideernte in Deutschland fällt in diesem Jahr voraussichtlich sieben Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Der Deutsche Bauernverband (DBV) schätzte die eingefahrene Menge am Dienstag auf 41,9 Millionen Tonnen und sprach von einer "unterdurchschnittlichen" Ernte. Gründe dafür sind nicht nur die Hitze, sondern auch starker Schädlingsbefall.
Bei der wichtigsten Kultur, dem Winterweizen, ging der Ertrag pro Hektar um neun Prozent und die gesamte Ernte um sieben Prozent auf 20,9 Millionen Tonnen zurück. Bei Winterraps gab es einen Einbruch des Ertrags pro Hektar um 20 Prozent. Lediglich die Wintergerste konnte das Vorjahresniveau halten, da sie bereits vor der großen Hitze weitgehend ausgereift war.
"Ohne belastbare Daten können wir schlecht Hilfe leisten", sagt Landwirtschaftsminister Alois Rainer zur Erntebilanz. Bei Brot und Fleisch erwartet er zumindest keinen sofortigen Preisanstieg.
18.08.2026 | 4:51 min"Prägend waren ein zu trockenes Frühjahr und eine Hitzewelle in der zweiten Junihälfte während der Kornfüllungsphase, die vielerorts zu Notreife führte", erklärte der Verband. Der Ertrag pro Hektar ging über alle Getreidesorten gesehen demnach um neun Prozent auf 68,9 Dezitonnen pro Hektar zurück.
Insbesondere in Süd- und Westdeutschland haben fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt.
Joachim Rukwied, Bauernpräsident
Was ist mit Obst und Gemüse?
Mit rund 934.000 Tonnen werden Obstbaubetriebe nach eigener Einschätzung voraussichtlich fast 53.000 Tonnen weniger Äpfel ernten als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Das teilte das Statistische Bundesamt auf Basis einer ersten Schätzung aus dem Juli mit.
Optimistischer fällt die Ernteschätzung für Pflaumen und Zwetschgen aus. Die Ernte wird mit gut 49.300 Tonnen voraussichtlich 11,5 Prozent höher ausfallen als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (44.200 Tonnen), aber 3,9 Prozent geringer als im besonders ertragreichen Vorjahr.
Bei Kartoffeln zeichne sich ein mittleres bis unterdurchschnittliches Ernte-Ergebnis ab, erläuterte der Bauernverband.
Thüringens größter Kartoffelbauer Jakob Then rechnet etwa nur mit der Hälfte seiner sonst üblichen Ernte von 50 Tonnen. Die Trockenheit und die Hitze setzten den Knollen zu. Viele seien, so Then gegenüber ZDFheute, schlicht zu klein für den Verkauf.
Meine Prognose ist, in fünf Jahren wird es in Thüringen keine Speisekartoffel mehr geben, die nicht unter Beregnung steht.
Jakob Then, Geschäftsführer Agrar GmbH Gamstädt
Then will daher nicht nur neue Sorten testen. Für einen Anbau etwa mit Beregnung will er künftig Wasser - auch Starkregen - besser speichern können.
Zu kleine Äpfel am Bodensee, Unzufriedenheit mit der Weizenernte in Brandenburg: Dürre und Hitze lassen die Erträge der Bauern sinken. Die Landwirte klagen über zu hohe Kosten und sinkende Einnahmen.
18.08.2026 | 2:28 minWas bedeutet die Dürre für die Tierhaltung?
Auch die Tierhalter machen sich Sorgen über die Folgen der Dürre: Auf vielen Wiesen wuchs nach den ersten Schnitten kein Gras mehr nach, zudem gibt es beim Silomais erhebliche Ausfälle. Dem Bauernverband zufolge könnte der Mangel an Winterfutter Landwirte dazu zwingen, ihre Tierbestände zu verkleinern.
Friedrich der Große setzte früh auf die Kartoffel. Bereits 1756 ordnete er ihren Anbau an. Doch bis die Knolle sich durchsetze, sollte es noch eine ganze Weile dauern.
21.04.2026 | 1:45 minUnd wie war es in den vergangenen Jahren?
2025 war die Getreideernte mit rund 45 Millionen Tonnen gut ausgefallen. Ein mildes Frühjahr hatte im vergangenen Jahr zudem positive Auswirkungen auf heimische Äpfel - knapp eine Million Tonnen wurden 2025 geerntet. Auch für Kirschen und Kartoffeln war das vergangene Jahr günstig.
Die Witterung hat die Bauern in diesem Jahr vor enorme Herausforderungen gestellt und die Mähdrescher zum Teil wochenlang ausgebremst. Jetzt lässt sich eine erste Erntebilanz 2025 ziehen.
19.08.2025 | 2:24 min2024 herrschte hingegen ähnlich trübe Stimmung: Damals hatte die Getreideernte sogar bei nur 39 Millionen Tonnen gelegen.
Wirkt sich das auf die Preise für Lebensmittel aus?
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) geht nicht davon aus, dass sich die Trockenheit in Deutschland sofort auf die Verbraucherpreise auswirkt. "Ich gehe nicht davon aus, dass es sofort teurer wird, weil die Lebensmittelpreise hängen auch noch von vielen anderen Faktoren ab - von der Lieferkette, vom Transport, von der Erzeugung."
Auch laut Deutschem Raiffeisenverband (DRV) besteht trotz der unterdurchschnittlichen Ernte aktuell kein Anlass zur Sorge hinsichtlich der Versorgung mit Getreide. "Der jährliche Getreideverbrauch in Deutschland liegt bei rund 40 Millionen Tonnen und wird damit rechnerisch durch die diesjährige Ernte gedeckt", erklärt Getreidemarktexperte Guido Seedler. Der Raiffeisenverband erwartet daher keine steigenden Verbraucherpreise für Brot, Brötchen und andere Backwaren.
Die Landwirtschaft leidet unter der anhaltenden Dürre. In Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist der Wasserpegel so niedrig wie es statistisch nur alle seit 50 Jahre vorkommt.
13.08.2026 | 1:36 minInsgesamt verzeichnete das Statistische Bundesamt im Juli 2026 eine leichte Teuerung bei Lebensmitteln - auch infolge höherer Preise für Energie: Die Preise für Nahrungsmittel lagen im Vormonat um 0,4 Prozent höher als im Juli 2025. Bereits im Mai und Juni 2026 hatte die Teuerung von Nahrungsmitteln demnach jeweils 0,4 Prozent betragen.
Teurer waren im Juli 2026 laut Statistischem Bundesamt unter anderem Fleisch, Zucker, Marmelade, Honig und andere Süßwaren. Günstiger gegenüber Juli 2025 wurden hingegen Butter sowie Milchprodukte.
Was fordert der Bauernverband?
Auch wegen der diesmal unterdurchschnittlichen Ernte fordern Bauern mehr finanzielle Hilfen von der Bundesregierung. Der Bauernpräsident verlangte unter anderem eine sofortige Steuersenkung auf Agrardiesel, eine vorgezogene Auszahlung von EU-Direktzahlungen sowie eine Aufstockung der Düngemittelhilfen auf 180 Millionen Euro.
Die Düngepreise sind gestiegen, nachdem auch der Rohölpreis in die Höhe ging - auch eine Folge der gesperrten Straße von Hormus. Diese zusätzlichen Kosten setzten die Landwirte unter Druck, so Agrarökonom Oliver Mußhoff im ZDF.
Die geringen Erträge, die geringen Produktpreise kombiniert mit hohen Kosten für die landwirtschaftlichen Betriebe - das ist das Problem.
Oliver Mußhoff, Agrarökonom, Humboldt-Universität zu Berlin
Von der Politik brauche es einen "langfristigen Fahrplan", so Mußhoff, wohin sich die Agrarwirtschaft entwickeln solle - etwa in Fragen zum Klimaschutz, Umweltschutz oder Tierwohl. Die landwirtschaftlichen Betriebe sollten anpassungsfähig sein, "so wie in der Vergangenheit auch und neue Technologien, inklusive künstlicher Intelligenz, inklusive Digitalisierung ausprobieren und prüfen, ob es sich rechnet."
Gibt es Kritik an mehr Agrarsubventionen?
Die Verbraucherorganisation Foodwatch hingegen mahnte, dass es falsch wäre, Landwirten nur einfach mehr Geld für Kunstdünger und Diesel zu geben, sowie immer mehr Subventionen "in das zerstörerische Agrarsystem" zu stecken. Die steigenden Temperaturen drohten die Preise für Lebensmittel klettern zu lassen, wie aus der Klimaforschung schon seit langem gewarnt werden. Stattdessen sei ein klimasicherer Umbau nötig, durch weniger Nutztierhaltung und weniger Kunstdünger.
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