Landwirtschaft in Hitzewelle: "Brauchen Unterstützung vom Bund"

Interview

Landwirtschaft leidet unter Hitze:Bauernpräsident: "Brauchen jetzt Unterstützung vom Bund"

|

Die Landwirtschaft leidet besonders unter der aktuellen Hitzewelle. Dabei sei Ernährungssicherung genauso wichtig wie Verteidigungssicherheit, sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied.

Eine Frau an einem Bauernhof neben einer Kuh

Die derzeitige Hitzewelle mit Trockenheit stellt Wirtschaft und Landwirtschaft in Deutschland vor erhebliche Herausforderungen.

11.08.2026 | 1:43 min

Viel wurde in den letzten Tagen über die geringen Pegelstände in den deutschen Flüssen berichtet. Doch auch die Landwirte stehen vor teils existentiellen Problemen. Von der Bundesregierung komme in der aktuellen Hitzewelle zu wenig Unterstützung, so der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, im Interview mit ZDFheute. Die nehme den Betrieben aktuell eher "die Luft zum Atmen".

ZDFheute: Die aktuelle Hitze, vor allem im Süden und Südwesten, was bedeutet die für die Landwirtschaft?

Joachim Rukwied: Das ist eine riesige Herausforderung für die Landwirtschaft.

Wir leiden seit Monaten unter Trockenheit. Der letzte ergiebige Niederschlagsmonat war der Februar.

Seit zwei Monaten hat es praktisch so gut wie gar nicht geregnet. Es waren immer nur kurze Schauer.

ZDFheute: Was braucht es jetzt?

Rukwied: Dort, wo die Trockenheit herrscht, da kämpfen die Betriebe ums Überleben. Auf der einen Seite Ertragsausfälle, auf der anderen Seite extrem hohe Kosten. Energie, Diesel ist sehr, sehr teuer und das in Kombination mit niedrigen Erzeugerpreisen. Das hat zur Folge, dass die Liquidität in den Betrieben oftmals nicht mehr gegeben ist.

Vertrocknete Sonnenblumen auf einem Acker.

Mit der Hitze kam auch die Trockenheit und die macht der Landwirtschaft gerade Probleme. Erwartet werden teils spürbare Ernteeinbußen. Aber auch an Lösungen wird geforscht.

05.08.2026 | 3:38 min

Deshalb brauchen wir Liquiditätsprogramme wie zinsverbilligte Darlehen und die Bundesregierung muss Mittel zur Verfügung stellen, damit die Betriebe die nächste Ernte vorfinanzieren können. Wichtig ist auch, dass die Düngemittelhilfe der EU, das sind 60 Millionen Euro für Deutschland, auf 180 Millionen Euro aufgestockt wird.

Eine dritte Möglichkeit, das fordern wir auch ein, ist die vorzeitige Auszahlung der Direktzahlungen, beispielsweise 80 Prozent im Oktober. Dabei muss aber sichergestellt sein, dass die restlichen 20 Prozent dann auch im Dezember auf den Betrieben ankommen.

Berlin: Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, nimmt an einer Fragestunde vor der Internationalen Grünen Woche teil.
Quelle: Fabian Sommer/dpa

ist seit dem Jahr 2012 der Präsident des Deutschen Bauernverbands. Auch er selbst ist Landwirt - in achter Generation. Auf seinen rund 300 Hektar werden unter anderem Zuckerrübe, Gemüse und Wein angebaut.


ZDFheute: Für die Landwirtschaft sind bei solchen Wetterextremen aktuell noch die Länder zuständig. Solche Trockenzeiten werden in Zukunft wohl zunehmen. Müsste die Bundesregierung hier etwas ändern, damit auch der Bund einspringen kann?

Rukwied: Ich möchte es nochmal betonen, die Situation in den betroffenen Regionen, das sind größere Teile Deutschlands, die ist extrem. Die Betriebe brauchen jetzt Unterstützung auch vom Bund. Das ist eine ganz klare Forderung des Deutschen Bauernverbandes.

Ernährungssicherung ist wichtig und gerade in diesen fragilen Zeiten so wichtig wie Verteidigungsfähigkeit.

Das heißt, da ist auch ein gesamtgesellschaftliches Interesse da, die Landwirtschaft zu stützen, damit sie ihrer Aufgabe, nämlich die Menschen zu ernähren, auch zukünftig nachkommen kann.

Vertrocknete Sonnenblumen auf einem Acker.

Mit der Hitze kam auch die Trockenheit und die macht der Landwirtschaft gerade Probleme. Erwartet werden teils spürbare Ernteeinbußen. Aber auch an Lösungen wird geforscht.

05.08.2026 | 3:38 min

ZDFheute: Was könnten denn die Bauern tun? Gibt es denn Möglichkeiten, sich auf diese Wetterextreme einzustellen?

Rukwied: Wir Landwirte sehen schon länger, dass das Klima sich verändert, dass es wärmer wird und dass die Extremwetterperioden zunehmen. Deshalb stellen wir uns schon seit 15 bis 20 Jahren auf diese Veränderung ein.

Wir machen da schon vieles, wasserschonende Anbauverfahren. Wir setzen auf resilientere, also widerstandsfähigere Sorten, was Hitze, was Trockenheit anbelangt.

Aber wenn es halt so extrem ist wie in diesem Jahr, dann sind wir ein Stück weit hilflos.

Kühe fressen Heu in einem Stall (Archivfoto)

Das landwirtschaftliche KI-Tool SmartCut will ein Prognosemodell für den idealen Mähzeitpunkt der Grünlandschaft schaffen. Mehr Gras bedeutet mehr Futter - Kühe geben mehr Milch.

03.06.2026 | 1:50 min

ZDFheute: Ist der Landwirtschaftsminister ihrer Meinung nach präsent? Tut er genug?

Rukwied: Bei der Bundesregierung in Summe ist die schwierige Situation, in der wir uns in der Landwirtschaft befinden, noch nicht wirklich angekommen, denn sonst würde sie jetzt entsprechend reagieren und beispielsweise die vorzeitige Auszahlung von Direktzahlungen auf den Weg bringen.

Was wir feststellen, ist, dass man uns ein Stück weit die Luft zum Atmen, also die Zukunftsperspektive nimmt.

Thema Mindestlohn. Wir brauchen eine Ausnahme. Es gibt ein juristisches Gutachten, das die Ausnahmemöglichkeit bestätigt und auch sagt, es ist notwendig, um Gemüsekulturen, Obstkulturen in Deutschland zu erhalten.

Da ist bis jetzt auch nichts gekommen. Die Minijobber sollen wegfallen. Die brauchen wir dringend bei Arbeitsspitzen wie in der Ernte. Ich verstehe das langsam nicht mehr wirklich. Ich kann der Bundesregierung nur empfehlen, mehr mit den Menschen zu reden, die unser Land am Laufen halten.

Das Interview führten Andreas Huppert und Lilli Schaule aus dem ZDF-Hauptstadtstudio.

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.


Über das Thema berichtete heute in deutschland in dem Beitrag "Hitze belastet Wirtschaft" am 11.08.2026 ab 14 Uhr.

Mehr zum Thema Hitzewelle

  1. Sonnenuntergang zwischen Häusern und einer Brücke unter der Menschen drunter durch laufen.
    Grafiken

    Aktuelle Daten im Überblick:RKI meldet 12.500 Hitzetote in diesem Sommer

    von Luisa Billmayer
    mit Video1:29

  2. Frauen laufen an einem Sprinkler vor dem Reichstagsgebäude in Berlin an einem Sommermorgen vorbei, aufgenommen am 11.08.2026

  3. Carsten Schneider

    Hitzewellen und Niedrigwasser:Umweltminister will Klimaanpassung ins Grundgesetz aufnehmen

    mit Video0:23

  4. Der Rheinturm in Düsseldorf spiegelt sich bei niedrigem Wasserstand auf dem Rhein in einer Lache.
    FAQ

    Alternative wegen Niedrigwasser benötigt:Was können Straße und Schiene statt Schiffen leisten?

    von Klaus Weber
    mit Video1:05