Alternative wegen Niedrigwasser benötigt:Was können Straße und Schiene statt Schiffen leisten?
von Klaus Weber
Wenn die Pegelstände von Rhein und Co. sinken, ist das eine Hiobsbotschaft für den Güterverkehr. Was taugen Straße und Schiene als alternative Transportwege für die Wirtschaft?
Durch Hitze und Dürre führen auch große Flüsse sehr wenig Wasser. ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller erläutert, wie sich der weiter sinkende Wasserstand auf die Binnenschifffahrt auswirkt.
10.08.2026 | 1:05 minDer Rhein als wichtigste Wasserstraße in Deutschland ist vermutlich bald nicht mehr durchgängig befahrbar. Über ihn werden wichtige Güter transportiert. Dieser Verkehr muss verlagert werden - Maßnahmen wie zum Beispiel die Sonntagsfahrerlaubnis für Lkw sollen pragmatische Lösungen schaffen.
Welche Vorteile bietet die Straße?
Der größte Vorteil der Verlagerung auf die Straße ist sicherlich die maximale Flexibilität, die unser gut ausgebautes Autobahn- und Straßennetz bietet - trotz infrastruktureller Probleme wie beispielsweise sanierungsbedürftiger Brücken. Mit Lkw und Transportern sind fast alle Industrie- und Produktionsbetriebe sowie deren Kunden gut erreichbar.
Durch temporäre Lockerungen etwa des Sonntagsfahrverbots, wie jetzt in verschiedenen Bundesländern geschehen, erreicht man eine höhere Flexibilität für bestimmte, vom Niedrigwasser betroffene Gütertransporte und kann zeitnah agieren.
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Sind Lkw für die Güter der Schifffahrt geeignet?
"Das Binnenschiff kommt dann zum Einsatz, wenn große Massen zwischen zwei Punkten transportiert werden müssen", erklärt Thomas Puls, Experte für Verkehr und Infrastruktur vom Institut der deutschen Wirtschaft.
Und genau hier wird es schwierig. Die Binnenschifffahrt transportiert neben Containern und Schrott in erster Linie flüssige und feste Massengüter. Also Benzin, Chemikalien oder Sand, Kies und Kohle.
Versucht man diese Güter auf den Straßenverkehr zu verlagern, benötigt man also entsprechende Fahrzeuge (Tank- und Kipplaster). Genau diese sind aber bei den gewerblichen Transporteuren eher selten.
Thomas Puls, Experte für Verkehr und Infrastruktur vom Institut der deutschen Wirtschaft
Da etwa 100 Lkw benötigt werden, um ein typisches, rund 110 Meter langes Binnenschiff mit etwa 2.500 Tonnen Ladung zu ersetzen, wäre das wahrscheinlich mit erheblichen Mehrkosten verbunden und somit eher ein wenig realistisches Szenario.
Landwirtschaft und Schifffahrt leiden unter der anhaltenden Trockenheit in Deutschland. Im Rhein dürfen Frachtschiffe nicht mehr voll beladen fahren. Auch Ernteausfälle drohen.
30.07.2026 | 2:56 minWer soll die Lkw steuern?
Selbst wenn man es schaffen würde, entsprechende Fahrzeuge zu besorgen, gibt es ein grundsätzliches Problem bei einer etwaigen Verlagerung auf die Straße. Der Branche fehlen laut Einschätzung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) bereits jetzt etwa 120.000 Berufskraftfahrer.
Die Lockerung des Lkw-Fahrverbots an Sonn- und Feiertagen ist deshalb auch nur eine Seite der Medaille. Besonders wichtige Transporte könnten zwar zeitlich flexibler geplant werden, erklärt Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e. V. "Sie schafft jedoch keine zusätzlichen Fahrerkapazitäten. Auch bei einer Aufhebung des Fahrverbots müssen die gesetzlichen Lenk-, Pausen- und Ruhezeiten vollständig eingehalten werden."
Amira Sami ist 20 Jahre alt und hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: Sie ist Lkw-Fahrerin. Doch in einem so männerdominierten Job, hat man es als junge Frau nicht immer leicht.
06.05.2026 | 3:12 minKönnte die Bahn eine Alternative sein?
Die Schiene kann Güter der Binnenschifffahrt zwar effizienter transportieren als Lkw. Aber auch bei der Bahn gibt es gravierende Einschränkungen. "Auch sie ist durch Baustellen, Engpässe und Mangel an Personal und Güterwagen stark ausgelastet", sagt DIHK-Bereichsleiter Dirk Binding.
Dabei spielt auch die räumliche Konzentration der Transporte eine Rolle, denn etwa 80 Prozent der Binnenschifffahrtstransporte finden auf dem Rhein statt. "Das entspricht ganz grob geschätzt etwa fünf Prozent aller Gütertransporte in Deutschland. Die Schiene leistet etwa 20 Prozent aller Transporte", so Thomas Puls.
Sollte die Bahn die Transporte auf dem Rhein übernehmen, müsse sie also ein Viertel mehr transportieren - auf einer Strecke, die bereits jenseits ihrer Kapazitätsgrenze belastet sei, führt Puls weiter aus.
Für die Schienennutzung gibt es eine Art Maut, den Trassenpreis. Diesen zahlen Firmen für Gütertransporte und Fahrgäste im Fernverkehr. Der Preis ist dieses Jahr nochmal um 16 Prozent gestiegen.
08.12.2025 | 5:29 minKönnen Bahn und Lkw punktuell helfen?
Schiene und Straße können eine kurzfristige Hilfe in manchen Bereichen darstellen. Allerdings sind beide auf die speziellen Herausforderungen des Transports nicht vorbereitet und würden womöglich schnell an ihre Grenzen stoßen. Auch wenn die Binnenschifffahrt im Vergleich zu Lkw und Bahn nur einen geringen Teil des Gütertransports ausmacht.
Kurzfristig hilft nur Regen. Langfristig hilft nur Infrastruktur.
Dirk Binding, DIHK-Bereichsleiter
"Wenn wir jetzt nicht handeln, wird jede Niedrigwasserphase zu einem Risiko für Produktion, Preise und Versorgung", sagt deshalb Dirk Binding.
Klaus Weber ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
Durch die historischen Tiefstände deutscher Flüsse sind einige Transportrouten für Schiffe nicht mehr befahrbar. Als Gegenmaßnahme lockern Länder das Lastwagen-Fahrverbot am Wochenende.
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