Lkw-Fahrverbot an Sonntagen: Auch Baden-Württemberg lockert

Rhein-Niedrigwasser bedroht Schifffahrt:Nächstes Bundesland hebt Lkw-Fahrverbot an Sonntagen auf

|

Mit Baden-Württemberg lockert das nächste Bundesland das Lkw-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen. Ein grundsätzliches Problem bleibe weiter ungelöst, betont ein Logistikverband.

Stuttgart: Verkehrsstau auf der Autobahn A8

Auch in Baden-Württemberg wird das Lkw-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen vorübergehend gelockert.

Quelle: imago images

Wegen des anhaltenden Niedrigwassers am Rhein und anderen Flüssen will nun auch Baden-Württemberg das Fahrverbot für Lkw an Sonn- und Feiertagen aussetzen. Geplant sei dies ab dem kommenden Wochenende und zunächst bis Ende August, sagte ein Sprecher des baden-württembergischen Verkehrsministeriums. Die genauen Regelungen würden noch erstellt.

Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und das Saarland hatten das Fahrverbot bereits ab dem vergangenen Wochenende vorübergehend gelockert. Sachsen lehnt unter Verweis auf mögliche Ausnahmegenehmigungen eine generelle Lockerung ab.

Eine lange Reihe von LKW fährt auf einer Autobahn.

Mehrere Bundesländer hatten das Sonntagsfahrverbot für Lkw bereits aufgehoben, so auch Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Grund dafür ist das extreme Niedrigwasser, das die Binnenschifffahrt einschränkt.

09.08.2026 | 0:22 min

NRW-Minister: Befristete und "kurzfristige Notmaßnahme"

Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) betonte am Montag bei ZDFheute live, man wolle mehr Flexibilität für die Speditionsbranche und den Gütertransport schaffen. Deshalb habe NRW das Sonntagsfahrverbot für Lkw aufgehoben. Man wolle eine Antwort auf eine "schwierige Situation, die sich hier immer weiterentwickelt" geben.

Angesprochen auf Auswirkungen der Lockerung auf das Klima und Belastungen für Anwohner betonte Krischer, es handele sich "bei der Aufhebung des Sonn- und Feiertagsfahrverbots für Lkw um eine kurzfristige Notmaßnahme, die auch nur befristet gilt."

Ich glaube, das ist in der Situation, in der wir stecken, verantwortbar.

Oliver Krischer (Grüne), Verkehrsminister Nordrhein-Westfalen

Unternehmen in NRW hätten ihm "klipp und klar" gesagt, dass sie nicht mehr per Binnenschiff aus Rotterdam in den Niederlanden beliefert werden könnten. Ohne einen "24-7-Betrieb mit dem Lkw" müssten diese die Produktion einstellen. Der zusätzliche Verkehr sei eine "zusätzliche Belastung", so Krischer. Er glaube aber, es sei "gut und richtig", das jetzt zu tun.

NRW-Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer

Das Sonntagsfahrverbot für Lkw aufzuheben, sei derzeit zu verantworten, so NRW-Umwelt- und Verkehrsminister Krischer. Um die Wirtschaft am Laufen zu halten, fordert er Unterstützung vom Bund.

10.08.2026 | 13:29 min

Logistikverband: Problem fehlender Fahrer bleibt

Die Lockerung des Lkw-Fahrverbots an Sonn- und Feiertagen schafft nach Einschätzung des Logistikverbands BGL keine zusätzlichen Transport-Kapazitäten zur Entlastung der Wasserstraßen. Besonders wichtige Transporte könnten zeitlich flexibler geplant werden, erklärte der Präsident des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung, Dirk Engelhardt. Ein Problem löse die Lockerung aber nicht:

Sie schafft jedoch keine zusätzlichen Fahrerkapazitäten.

BGL-Präsident Dirk Engelhardt

Auch bei einer Aufhebung des Fahrverbots müssten die gesetzlichen Lenk-, Pausen- und Ruhezeiten vollständig eingehalten werden, sagte Engelhardt. Bereits seit Jahren fehlten mehr als 100.000 Fahrer in Deutschland. Die Lockerungen könnten das grundsätzliche Kapazitätsproblem im Straßengüterverkehr daher nicht lösen.

Ein Segelschiff im ausgetrocknetem Edersee in hessen

Niedrigwasser bremst die Schifffahrt auf dem Mittelrhein, Schiffe laden nur noch halb. Auch Stauseen wie der Edersee sind stark betroffen – mit Folgen für Tourismus und Wirtschaft.

10.08.2026 | 1:56 min

Sorgen vor möglichem Schifffahrts-Stop auf Rhein

Unterdessen rechnet der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) damit, dass bei weiter sinkenden Wasserständen am Pegel keine durchgehende Schifffahrt mehr auf dem Rhein stattfindet. "Dann macht gewerbliche Schifffahrt einfach keinen Sinn", sagte BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen der dpa.

"Es ist nicht so, dass das jemand sperrt, aber es wird für meine Branche zunehmend risikoreich, in so einem seichten Gewässer überhaupt noch zu fahren." Es bestehe die Gefahr, den Grund zu berühren. "Im Prinzip ist der Rhein damit nicht mehr durchgängig befahrbar und damit zweigeteilt", sagte Schwanen der "Rheinischen Post".

ZDF-Korrespondet Christopher Heinze steht vor dem Rhein bei Kaub.

Bei Kaub liegt der Rheinpegel noch bei 15 Zentimetern. Wenn die Prognose stimmt "und der Pegel einstellig wird, könnte es sein, dass bald kein Schiff mehr fährt", so ZDF-Korrespondent Heinze.

10.08.2026 | 1:08 min

Zwischen den Häfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen sowie Nordrhein-Westfalen bis etwa Köln könne der Schiffsverkehr über den Rhein und das westdeutsche Kanalgebiet weiterhin stattfinden. Weiter südlich gebe es Schiffsverkehr an den Nebenflüssen Neckar, Mosel und Main sowie auf dem Main-Donau-Kanal.

Gütertransport: So wichtig sind die einzelnen Verkehrsträger

ZDFheute Infografik

Ein Klick für den Datenschutz

Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.

Rhein: Wichtige Wasserstraße - vor allem für Rohstoffe

Das historische Niedrigwasser gerade am Rhein belastet die deutsche Wirtschaft schon seit Wochen. Schiffe können bei niedrigen Pegelständen weniger Ladung aufnehmen, wodurch Transportkosten steigen und Lieferketten unter Druck geraten.

ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller

Durch Hitze und Dürre führen auch große Flüsse sehr Wasser. ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller erläutert, wie sich der weiter sinkende Wasserstand auf die Binnenschifffahrt auswirkt.

10.08.2026 | 1:05 min

Der Rhein ist Europas wichtigste Wasserstraße und verbindet wichtige Industriezentren von der Schweiz über Deutschland mit großen Häfen an der Nordsee wie Rotterdam. Zwar werden in Deutschland weniger als zehn Prozent der Fracht auf Binnengewässern transportiert, doch wichtige Rohstoffe wie Erze, Öl, Chemieprodukte und Kohle werden über Flüsse befördert.

Wichtiger Hinweis in eigener Sache

Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.

Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.

→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen


Quelle: dpa
Über die Lockerung des Sonntagsfahrverbots für Lkw berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, unter anderem ZDFheute live am 10.08.2026 ab 16 Uhr, ZDFheute Xpress am 09.08.2026 um 08:31 Uhr und das heute journal am 08.08.2026 um 23:15 Uhr.

Mehr zum Rhein-Niedrigwasser

  1. Ein Containerschiff passiert bei extremem Niedrigwasser das Thyssenkrupp-Steel-Stahlwerk in Duisburg-Marxloh am 16.07.2026.
    Interview

    Expertin über niedrige Pegelstände:"Rhein ist zentrale Lebensader für deutsche Industrie"

    mit Video12:58

  2. Niedrigwasser am Rhein

  3. Niedrigwasser am Rhein in Düsseldorf: Containerschiff mit wenig Ladung

    Niedrigwasser-Gipfel in Bonn:Wie der neue Verkehrsminister die Schifffahrt retten will

    von Johannes Lieber
    mit Video11:31

  4. NRW: Der Rhein auf der Höhe der Düsseldorfer Altstadt führt extremes Niedrigwasser

    Folgen der Trockenheit:Wie das Niedrigwasser die Spritpreise nach oben treibt

    mit Video6:59