Trockenheit droht den Rhein zu teilen:Bilger warnt vor Verschärfung der Lage
von Johannes Lieber und Dominik Rzepka
Der Rhein führt so wenig Wasser wie lange nicht. Für die Binnenschifffahrt könnte der Fluss damit zweigeteilt werden. Das wäre eine Verschärfung, warnt der Verkehrsminister.
Der Güterverkehr auf dem Rhein ist durch die Trockenheit bedroht. Der Verband der Deutschen Binnenschifffahrt warnt vor einer Zweiteilung des Rheins.
10.08.2026 | 0:23 minBundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat angesichts des aktuellen Niedrigwassers und einer möglichen Teilung des Rheins vor einer Verschärfung der Lage gewarnt. Die Folgen des Niedrigwassers von Rhein, aber auch Elbe und Donau seien "schon jetzt spürbar".
Angesprochen auf eine mögliche Rheinteilung sagt Bilger ZDFheute:
Das wäre natürlich nochmal eine weitere Verschärfung.
Steffen Bilger, CDU
"Es gab jetzt wenige Niederschläge, die sich hoffentlich positiv auswirken, aber diese Möglichkeit zeigt einmal mehr, wie wichtig es war, dass wir schnell gehandelt haben", so Bilger weiter.
ZDF-Korrespondent Christopher Heinze berichtet aus Kaub am Rhein, wo der Wasserpegel auf dramatische 19 Zentimeter abgesunken ist. Welche Folgen hat dies für die Wirtschaft und das Leben vor Ort?
10.08.2026 | 1:35 minRhein könnte bald zweigeteilt sein
Nach einem Treffen in Bonn vergangene Woche sei unter anderem die Verlagerung des Transports auf Straße und Schiene besprochen worden. Teilweise wurde auch das Sonntagsfahrverbot für Lkw gelockert. "Das hilft uns jetzt auch in dieser schwierigen Situation, hoffentlich gut durchzukommen", so Bilger weiter.
Hintergrund ist eine Warnung des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). Demnach könnte der Wasserpegel des Rheins wegen des derzeitigen Niedrigwassers und ausbleibender Niederschläge weiter sinken und der Fluss bald nicht mehr durchgängig befahrbar und damit zweigeteilt sein.
Frachtschiffe brauchen oft Meter an Tiefgang. Wie Kapitäne aus dem aktuellen Pegelstand und Normalwerten die reale Wassertiefe ermitteln, zeigt dieser 3D-Erklär-Beitrag.
10.08.2026 | 0:38 min"Wegen ausbleibender Niederschläge wird im Laufe der Woche an dem für Schifffahrt und Wirtschaft wichtigen Pegel Kaub erstmals ein nur noch einstelliger Wert prognostiziert", sagte BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen der "Rheinischen Post".
Im Prinzip ist der Rhein damit nicht mehr durchgängig befahrbar und damit zweigeteilt.
Jens Schwanen, BDB-Geschäftsführer
Rhein, Elbe und andere Gewässer verzeichnen historisch niedrige Pegelstände, gleichzeitig herrscht durch die Trockenheit Waldbrandgefahr. Wie gut kommt Deutschland mit diesem Extremwetter klar?
08.08.2026 | 6:42 minBDB: Erwartete Pegelstände verhindern gewerbliche Schifffahrt
Der Pegelstand von Kaub zwischen Koblenz und Mainz gilt als Referenzwert für die Rheinschifffahrt. Weil die Fahrrinne in diesem Abschnitt ohnehin relativ flach ist, sieht der BDB die dort erwarteten Pegelwerte mit besonderer Sorge.
"Die gewerbliche Schifffahrt wird bei derart niedrigen Wasserständen in der Region keinen Gütertransport mehr durchführen können", warnte Schwanen. Gleiches gelte für die Ausflugs- und Kreuzfahrtschifffahrt.
Niedrigwasser bremst die Schifffahrt auf dem Mittelrhein, Schiffe laden nur noch halb. Auch Stauseen wie der Edersee sind stark betroffen – mit Folgen für Tourismus und Wirtschaft.
10.08.2026 | 1:56 minTrockenheit könnte für getrennte Schifffahrtsgebiete sorgen
Konkret entstünden dadurch zwei voneinander getrennte Schifffahrtsgebiete: "Es gibt nach wie vor Schifffahrt zwischen den ARA-Häfen (Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen) und Nordrhein-Westfalen bis etwa Köln, und zwar über den Rhein und das westdeutsche Kanalgebiet", führte er aus.
"Und es gibt weiter südlich Schiffsverkehr an den Nebenflüssen Neckar, Mosel, Main, Main-Donau-Kanal." Der Main-Donau-Kanal gilt als international bedeutendes Verbindungsstück der Route von und nach Südosteuropa und dem Schwarzen Meer.
Historische Tiefstände am Rhein
Die großen deutschen Flüsse haben wegen der anhaltenden Trockenheit an vielen Orten Niedrigwasser. Am Rhein wurden am Wochenende in Nordrhein-Westfalen historische Tiefstände gemessen.
Die niedrigen Pegelstände stellen die Binnenschifffahrt vor große Probleme, da die Schiffe deutlich weniger Ladung transportieren können. Das erhöht die Transportkosten und belastet vor allem Industriebranchen, die auf Massenguttransporte angewiesen sind.
Mehrere Bundesländer haben das Sonntagsfahrverbot für LKW aufgehoben, so auch Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Grund dafür ist das extreme Niedrigwasser, das die Binnenschifffahrt einschränkt.
09.08.2026 | 0:22 minSonntagsfahrverbot für Lkw teilweise aufgehoben
Bilger hatte am Donnerstag eine Aussetzung des Sonntags- und Feiertagsfahrverbots für Lkw ins Spiel gebracht, um während des Niedrigwassers wichtige Güter zeitweilig vermehrt über die Straße transportieren zu können. Erste Bundesländer wie das Saarland und Rheinland-Pfalz setzten dies bereits um.
Darüber hinaus kündigt Bilger weitere Gespräche an: "Ich werde am Mittwoch mit den Landesverkehrsminister noch einmal digital zusammenkommen, um über weitere Maßnahmen zu sprechen - also, was kann man beispielsweise machen, wenn es um bestimmte Güter geht, die nicht länger an den Häfen gelagert werden dürfen, da kann man Regelungen flexibilisieren", so Bilger.
BDB prüft geplante Bauarbeiten
Der BDB-Geschäftsführer begrüßte weitere geplante Krisensitzungen mit dem Bundesverkehrsministerium. Optionen für den verstärkten Einsatz von Straße und Schiene würden bereits an diesem Montag erörtert, sagte Schwanen.
Er befürworte darüber hinaus eine Aufschiebung von Baumaßnahmen, um zumindest derartige Einschränkungen zu vermeiden. "Direkt am folgenden Mittwoch werden die anstehenden Bauarbeiten bei Straße, Schiene und Wasserstraße auf den Prüfstand gestellt."
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