NRW-Minister Krischer: "Die Klimakrise trifft uns volle Pulle"

Interview

NRW-Verkehrsminister Krischer im ZDF:Wassernot am Rhein: "Die Klimakrise trifft uns volle Pulle"

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Die Pegelstände am Rhein sinken immer weiter, die Binnenschifffahrt droht eingestellt zu werden. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer fordert mehr Geld vom Bund.

NRW-Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer

Das Sonntagsfahrverbot für Lkw aufzuheben, sei derzeit zu verantworten, so NRW-Umwelt- und Verkehrsminister Krischer. Um die Wirtschaft am Laufen zu halten, fordert er Unterstützung vom Bund.

10.08.2026 | 13:29 min

Die Pegelstände am Rhein sinken in Folge der Trockenheit immer weiter. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) hält gar eine Zweiteilung des Rheins in wenigen Tagen für möglich:

Angesichts der Tatsache, dass kein neuer Niederschlag kommt, also kein Wasser nachkommt, müssen wir natürlich damit rechnen, dass die Pegel weiter sinken und dieses Szenario eintritt.

Oliver Krischer, NRW-Verkehrsminister

Für die Industrie, die auf die Lieferungen der Binnenschifffahrt angewiesen ist, bedeutet das eine akute Notlage. Kein Durchkommen mehr auf Deutschlands wichtigster Wasserstraße. Auch Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hält dieses Szenario für möglich.

ZDF-Korrespondet Christopher Heinze steht vor dem Rhein bei Kaub.

Bei Kaub liegt der Rheinpegel noch bei 15 Zentimetern. Wenn die Prognose stimmt "und der Pegel einstellig wird, könnte es sein, dass bald kein Schiff mehr fährt", so ZDF-Korrespondent Heinze.

10.08.2026 | 1:08 min

Rhein-Fahrrinne bei Kaub nur noch 1,3 Meter tief

Wichtige Binnenhäfen in Duisburg, Neuss oder Köln könnten dann zwar mit reduzierter Lademenge weiter erreicht werden, aber: "Die Verbindung nach Süden, die wird natürlich gekappt - und es ist überhaupt keine Frage, das schränkt erheblich die Transportkapazitäten ein", sagt Krischer in der Sendung ZDFheute live.

An der flachsten Stelle, bei Kaub in Rheinland-Pfalz, ist die Fahrrinne schon jetzt nur noch 1,3 Meter tief. Das reicht, dass Frachtschiffe gerade noch mit reduzierter Ladung fahren können. Doch im Laufe der Woche dürfte der Pegel weiter sinken.

Wir sehen jetzt, dass solche Szenarien, über die in der Vergangenheit nur gelacht wurde, dass das inzwischen droht, Realität zu werden. Die Klimakrise trifft uns volle Pulle.

Oliver Krischer, NRW-Verkehrsminister

Fahrrinnentiefe erklärt in 3D

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10.08.2026 | 0:38 min

Welche Maßnahmen wurden getroffen?

Krischer verweist vor allem auf das aufgehobene Fahrverbot für Lkw an Sonn- und Feiertagen, dass Kapazitäten jenseits des Rheins schaffen soll. "Wir werden damit nicht den kompletten Wegfall des Binnenschiffsverkehrs kompensieren können", sagt Krischer, aber man versuche die Wirtschaft am Laufen zu halten.

Kritik, dass mehr Lkw-Verkehr auf der Straße den Klimawandel weiter verstärke, weist Krischer zurück - es handle sich um eine befristete Notmaßnahme. Man versuche auch zusätzliche Frachtkapazitäten auf die Schiene zu verlagern. Ohne die 24/7-Belieferung mit Lkw müssten aber etwa Chemie-Standorte in NRW den Betrieb einstellen, so Krischer.

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Verkehrsminister beraten am Mittwoch

Am Mittwoch ist eine Videoschalte der Verkehrsminister von Bund und Ländern geplant. Dort erwartet Krischer vom Bund auch umfangreiche Finanzierungszusagen für Gegenmaßnahmen.

"Bei dem letzten schlimmen Niedrigwasser im Jahr 2018 sind eine Menge Versprechungen gemacht worden vom damaligen Verkehrsminister Andi Scheuer", sagt Krischer bei ZDFheute live. "Manches ist umgesetzt worden, aber gerade diese Infrastrukturmaßnahmen, die wichtig wären, die sind leider noch nicht umgesetzt."

Dabei geht es etwa um Anpassungen der Fahrrinne. Kritik von Umweltverbänden an solchen Maßnahmen wies Krischer zurück. "Es geht nicht um ein generelles Ausbaggern des Rheins." Die in NRW geplanten Maßnahmen seien mit der Natur vereinbar.

Außerdem sei eine Anpassung der Schiffe selbst an häufigere Niedrigwasserereignisse nötig. "Dazu braucht es ein gut ausgestattetes Förderprogramm, dazu braucht es Kreditunterstützung für die Reedereien." Geld dafür sollte laut Krischer vom Bund bereitgestellt werden.

Kaub: Die Burg Pfalzgrafenstein im Rhein ist nur noch von wenig Wasser umgeben.

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10.08.2026 | 37:48 min

NRW-Minister Krischer kritisiert Bundesregierung

In der Bundesregierung sieht der Grünen-Politiker aktuell zu wenig Eintreten für das Klima, teils sogar "das Gegenteil von Klimaschutz". Vor allem Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) sieht er in der Verantwortung. "Ich hoffe, dass die Signale, die der Rhein jetzt aussendet, bei der Bundesregierung ankommen."

"Wer da nicht konsequent für mehr Klimaschutz eintritt, dem kann ich an der Stelle auch nicht mehr helfen", so Krischer.

Trockenheit droht den Rhein zu teilen
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