Bauerntag in Freiburg:Womit Landwirte in Deutschland kämpfen
von Dorothea Dörner
"Landwirtschaft stärken, Versorgung sichern" - so das Motto des Bauerntags. Die Aussichten für Landwirte sind schwierig. Was sie fordern - ein Blick nach Baden-Württemberg.
Energiekrise, steigende Kosten, Bürokratie – Landwirte kämpfen mit verschiedenen Herausforderungen. Beim Deutschen Bauerntag beraten sie über die Lage der Branche.
25.06.2026 | 2:34 minFür Martin Brengartner kam die Energiekrise durch den Iran-Krieg zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt: Im Frühjahr sind viele Arbeiten auf den Feldern zu erledigen.
Da brauchen wir 50 Prozent von unserem Jahreskraftstoffbedarf. Daher hat es uns doch sehr stark getroffen.
Martin Brengartner, Landwirt
Der 32-jährige Bio-Landwirt aus Süddeutschland ist mit seinem Betrieb breit aufgestellt: 40 Bullen, rund 450 Hühner, zusätzlich hat er Weinreben und baut Soja an. Dass sein landwirtschaftlicher Betrieb auf mehreren Säulen basiert, ist ein Problem - zumindest mit Blick auf die Bürokratie.
Für jeden Bereich gibt es regelmäßig neue Auflagen, das ist vor allem für kleine Betriebe eine Herausforderung. Die mit Mehrarbeit und Kosten verbundenen Auflagen gelten unabhängig davon, ob 40 oder 400 Bullen im Stall stehen. Brengartner wünscht sich von der Politik gerade für kleine Höfe eine andere Regelung.
Kriegsbedingte Lieferengpässe verteuern Dünger massiv. Die EU-Kommission legt einen Aktionsplan vor, um die Verfügbarkeit von Düngemitteln für Europas Bauern zu sichern.
26.05.2026 | 2:48 minSteigende Kosten - auch im Weinbau
Auch der Weinbau leidet. Dass in Deutschland immer weniger Wein getrunken wird, der dann auch häufig aus dem Ausland kommt, merken die deutschen Winzer. Immer mehr Reben werden nicht mehr bewirtschaftet - es lohnt sich nicht mehr.
Magdalena Kiss ist Winzerin am Kaiserstuhl, einem Weinbaugebiet in Süddeutschland. Für die 23-Jährige ist Winzerin noch immer der Traumberuf, doch der hat seinen Preis: Zu den hohen Energiekosten kommen zusätzlich die gestiegenen Kosten durch den gesetzlichen Mindestlohn. 18 Helfer stehen zur Zeit in den Reben und binden die Blätter hoch, denn Weinbau ist auch viel Handarbeit.
Milchviehhalter entwickeln ein KI System zur Optimierung der Milchproduktion. "Smart Cut" soll Dünge- und Schnittzeitpunkte präzise bestimmen und so eine effizientere Bewirtschaftung ermöglichen.
09.06.2026 | 1:49 minZwar gibt es 6,5 Milliarden Euro Subventionen pro Jahr für die deutsche Landwirtschaft. Die kommen auch bei den Landwirten an, sind aber eher ein Tropfen auf dem heißen Stein, wie Magdalena Kiss es ausdrückt.
Heutzutage ist es wichtiger denn je, wieder kreativ zu sein, dass man sich überlegt, was man verändern kann, optimieren kann.
Magdalena Kiss, Winzerin
Bauerntag mit Forderungen an Brüssel
Auch die Politik muss aus Sicht der Landwirte optimieren, zum Beispiel bei der Bürokratie. Ständig neue Auflagen aus Brüssel - das zermürbt statt zu stärken. Mehr Freiheit wünscht sich auch Bio-Bauer Martin Brengartner. "Also kein so ganz enges Korsett, würde ich es jetzt mal nennen", sagt er.
Beim Deutschen Bauerntag in Freiburg kommt all dies zur Sprache. Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbands, hat eine klare Ansage Richtung Brüssel:
Die EU ist gut beraten, ihren Kurs neu zu justieren bei der Landwirtschaftspolitik. Wir müssen wieder mehr auf Wettbewerbsfähigkeit schauen.
Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands
Um wettbewerbsfähig zu sein, braucht es nach Ansicht Rukwieds auch mehr Geld vom Staat.
Bauernpräsident: "Wir spielen mit dem Feuer"
"Wir haben nicht mal ein Prozent der öffentlichen Ausgaben für die Landwirte", erklärt er.
Die Bedeutung der Landwirtschaft ist in der Politik noch nicht angekommen. Wir spielen im Moment mit dem Feuer, wenn wir so weitermachen, werden wir in eine zunehmende Krise kommen.
Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands
Bio-Bauer Martin Brengartner hat sich auf Direktvermarktung spezialisiert, für ihn ist sie eine wichtige Einnahmequelle. Da kann er die Preise festlegen und hat direkten Kontakt zu den Kunden. Sowohl Brengartner als auch die Winzerin Kiss wünschen sich, dass Verbraucher in Deutschland wieder mehr zu schätzen wissen, was Landwirte leisten.
Das Drama "Mercosur" will kein Ende finden. Das Europäische Parlament will das Abkommen vom Europäischen Gerichtshof überprüfen lassen. Damit ist die Ratifizierung aufgeschoben.
21.01.2026 | 2:15 minDorothea Dörner berichtet aus dem ZDF Studio in Stuttgart.
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