Künstliche Intelligenz:Landwirtschaft: Wie KI die Milchproduktion steigern kann
von Christopher Heinze
Das landwirtschaftliche KI-Tool SmartCut will ein Prognosemodell für den idealen Mähzeitpunkt der Grünlandschaft schaffen. Mehr Gras bedeutet mehr Futter - Kühe geben mehr Milch.
Landwirt Tobias Zarth nutzt zukünftig KI-App "SmartCut", um den optimalen Erntezeitpunkt für Gras zu bestimmen. Sieben Milchviehbetriebe sammeln Daten, die EU fördert das Projekt.
03.06.2026 | 1:50 minFür Landwirt Tobias Zarth vom pfälzischen Wahlerhof sind die Tage, an denen das Gras gemäht wird, besondere Tage. Schließlich holt er das Futter für die rund 200 Milchkühe des Betriebs damit ein. Mehrfach pro Jahr mäht die Wahlerhof-Crew die gut 90 Hektar Grünlandflächen, momentan ist es der zweite Schnitt in 2026.
Credo: Je mehr und hochwertiger das Gras, desto besser. Eine entscheidende Rolle für die Qualität spielt schon immer der Erntezeitpunkt. Den bestmöglich zu bestimmen, ist bislang mit einigem Aufwand verbunden:
"Im Moment fahren wir mit dem Auto durch die Gegend und gucken uns die Flächen an, gucken uns die Gräser an. Und gucken dann auf den Wetterbericht, wie es aussieht, wann wir oder der Lohnunternehmer Zeit haben, telefonieren dann und entscheiden", erklärt Zarth.
Düngemittel sind durch den Iran-Konflikt teurer. Ein EU-Aktionsplan soll Europas Landwirten helfen: Die Standardzölle auf Stickstoffdüngemittel-Importe werden für ein Jahr ausgesetzt.
26.05.2026 | 1:32 minZukünftig soll Künstliche Intelligenz helfen, bestenfalls all diese Schritte einzusparen. Mit dem Prognose-Tool SmartCut. Damit verbindet der Landwirt große Hoffnungen:
Besseres Futter gezielt mähen zu können, weniger Zeit investieren in Flächenkontrolle und einfach das Beste aus dem Grünland holen, was wir können.
Landwirt Tobias Zarth
Datensammlung nach jedem Grünschnitt
Sieben Milchviehbetriebe sind an SmartCut beteiligt. Auch die EU unterstützt das Projekt mit Fördergeldern im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit, kurz EIP-Agri.
Johannes Steinforth, Leiter Digitalisierung und Außenbetrieb der Lehr- und Versuchsanstalt Hofgut Neumühle, ist für die Datensammlung zuständig. Mit Hilfe der beteiligten Betriebe nimmt er an jedem Erntetag Proben des gemähten Grases. Die werden anschließend analysiert auf Inhaltsstoffe wie Protein, Zucker, Stärke und Rohfaser:
Wir haben speziell festgelegte Versuchsflächen auf den einzelnen Betrieben. Von diesen Flächen werden die Daten gewonnen.
Johannes Steinforth, Leiter Digitalisierung und Außenbetrieb der Lehr- und Versuchsanstalt Hofgut Neumühle
Es würden Proben gezogen und gleichzeitig seien diese Flächen noch mit Wetterstationen versorgt, "so dass wir auch die lokalen Wetterdaten haben - und alles das fließt am Ende eben in unser Prognosemodell ein", erklärt Steinforth.
In anderen Branchen hat sich KI längst etabliert, nur im Handwerk ist sie bisher selten im Einsatz. Ein Holzbaubetrieb in Bad Lippspringe plant nun eine KI-App, um alle Beschäftigten sprachlich zu vernetzen.
05.05.2026 | 1:30 minZusammenarbeit von Landwirten und DFKI-Experten
Die Wissenschaftler des Deutschen Forschungsinstituts für Künstliche Intelligenz (DFKI) entwickeln das Prognosemodell. Die Grundlage bilden einerseits die von den Landwirten gesammelten Daten, andererseits Satellitenbilder.
Die Landwirtschaft sei ein guter Einsatzort für Künstliche Intelligenz, sagt der Direktor des DFKI, Prof. Andreas Dengel: "Weil wir Komplexität haben, wir haben also viele Aspekte. Wenn sie normale Feldfrüchte nehmen, haben Sie noch Wachstum-Indizes, dann Bodenqualitätskarten, die sehr breit sind. Diese Daten geben vielfältige Anhaltspunkte, die man verwenden kann, um dann Modelle zu trainieren, die von oben aus der Vogelperspektive die Graswurzelperspektive quasi beobachten und damit sehr gute Vorhersagen schaffen können."
Wie funktioniert Künstliche Intelligenz eigentlich genau? Philip Häusser hat dazu schlüssige Erklärungen parat.
14.02.2018 | 7:26 minNachhaltigkeit in der Produktion
Die Molkerei-Genossenschaft Hochwald-Foods, die Milch von den Projektpartnern verarbeitet, sieht SmartCut als eine Weiterführung der Anstrengungen, die sie und viele in der Branche seit Längerem unternehmen. Ökologie und Ökonomie ergänzten sich, meint Nachhaltigkeitsmanagerin Noura Rhemouga:
Wir wollen datenbasierte Entscheidungen vorantreiben, aber immer mit Blick, die Landwirte so weit wie möglich zu entlasten.
Noura Rhemouga, Nachhaltigkeitsmanagerin
Genau dafür könnte bald auch SmartCut sorgen mit dem Ziel verbesserte Ressourcennutzung und Bewirtschaftung. Und so letztlich für eine bessere Milchproduktion mit Hilfe von KI. Vom Landwirt bis zur Kuh - alle könnten davon profitieren. Die Projektzeit ist für drei Jahre geplant, dann soll SmartCut einsatzbereit sein. Individuell nutzbar, als App auf dem Handy, als Programm auf dem Computer. Für all die Landwirte, die das dann wollen.
Christopher Heinze berichtet für das ZDF aus Rheinland-Pfalz
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