Österreich: Extreme Hitze und Dürre bedrohen die Landwirtschaft

Mickrige Ernte, weniger Wein:Rekorddürre trifft Österreichs Landwirte

von Leonie Vißler, Wien

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Österreichs Bauern und Winzer blicken mit Sorge in die Zukunft, denn das Land erlebt die trockensten zwölf Monate seit 1850. Wo Hitze und Trockenheit Spuren hinterlassen.

Besonders Trauben sind von der Trockenheit betroffen

Österreichische Bauern leiden unter Trockenheit. Besonders stark ist die Weinlese betroffen. Die Trauben sind kleiner als normal, wodurch die Ernte trotz guter Qualität deutlich geringer ausfällt

10.09.2026 | 2:15 min

Die Weinlese vor den Toren Wiens hat begonnen. So früh wie nie zuvor. Viel Sonne und wenig Regen sprechen für einen guten Jahrgang. Doch die Qualität hat ihren Preis. Die Trockenheit ließ die Beeren kleiner wachsen. Winzer Fritz Wieninger rechnet je nach Rebsorte mit 20 bis 50 Prozent weniger Ertrag als im Durchschnitt.

Austriebe und Blüte kamen früh im Juni, als die Temperaturen auf knapp 40 Grad stiegen. Im Juli fiel noch etwas Regen, doch der August blieb staubtrocken.

Zum Teil gibt es Trockenschäden oder Sonnenbrand durch die enorme Kraft der Sonne.

Fritz Wieninger, Winzer

Kühe stehen auf einer trockenen Weide am 06.08.2018 in Ballendorf (Sachsen)

Es fehlt den Rindern nicht nur an Trinkwasser. Das Gras auf ihren Weiden leidet unter der Dürre, die Tiere werden nicht satt. Landwirte müssen Winter-Futter geben oder die Kühe schlachten lassen.

05.08.2026 | 1:57 min

Landwirte bangen um ihre Existenz

Beim Grünen Veltliner könnte die Erntemenge nur etwa halb so groß ausfallen wie üblich. Chardonnay und Pinot Noir liegen fast im Normalbereich. Läuft die Lese weiter wie bisher, könnte Wieningers Weingut sie so früh beenden wie noch nie. "Die Qualität ist zwar toll, aber wir haben nicht viel davon", sagt Wieninger.

Wieningers Lage ist kein Einzelfall. Die vergangenen zwölf Monate waren in Österreich die trockensten seit Messbeginn 1850. Die Schäden in der Landwirtschaft werden von der Österreichischen Hagelversicherung auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt.

 Ein Landwirt zeigt auf seinem Feld einen Maiskolben, der aufgrund des trockenen Sommers und dem Wassermangel nicht weiter gewachsen ist.

Die Folgen des heißen und trockenen Sommers zeigen sich im Erntebericht 2026. Besonders beim Mais gibt es deutliche Einbußen. Landwirtschaftsminister Rainer sieht eine Krise nationaler Tragweite.

02.09.2026 | 1:34 min

Ausfälle "Quer durch den Gemüsegarten"

Auch die Landwirtschaftskammer spricht von außergewöhnlichen Ausfällen. Die Getreideernte liege rund 20 Prozent unter dem Durchschnitt, sagt Generalsekretär Ferdinand Lembacher. Beim Körnermais rechnet die Kammer mit rund 35 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch Zuckerrüben, Kartoffeln und Sojabohnen seien betroffen.

Quer durch den Gemüsegarten sind die Erträge betroffen. Auch Obst und Wein.

Ferdinand Lembacher, Landwirtschaftskammer

Insgesamt sinkt die österreichische Getreide- und Maisproduktion nach Angaben der Landwirtschaftskammer von rund 5,6 auf etwa 4,2 Millionen Tonnen. Die Folgen reichen bis in die Ställe. Einige Betriebe greifen bereits auf Futterreserven zurück, die eigentlich für den Winter vorgesehen waren.

Umweltsoziologin Christine Altenbuchner von der Wiener Universität für Bodenkultur untersucht, wie stark der Klimawandel landwirtschaftliche Betriebe belastet.

Etwa 40 Prozent der Bauern haben Angst ihre Lebensgrundlage zu verlieren.

Christine Altenbuchner, Umweltsoziologin

Frankreich erwartet schwache Weinlese nach Hitzesommer

Hitze und Dürre setzen Frankreichs Winzern zu: Die Weinernte fällt in diesem Jahr deutlich geringer aus. Dabei hatten die Winzer im Frühjahr noch auf einen guten Ertrag gehofft.

08.09.2026 | 0:19 min

Dürre trifft weite Teile Europas

Auch in anderen Teilen Europas sind die Ernteausfälle groß. Besonders stark betroffen seien Österreich, Ungarn, Slowenien, Spanien und die Slowakei, sagt Bruno Menne vom europäischen Bauern- und Genossenschaftsverband Copa-Cogeca.

Vor allem beim Mais seien die Verluste hoch: In Ungarn liege die Produktion rund 50 Prozent unter dem Vorjahr, in Frankreich 40 Prozent und in Slowenien 32 Prozent. "EU-weit liegt die Maisproduktion rund 17 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Bei der Getreideernte insgesamt beträgt das Minus etwa 7,5 Prozent", sagt Menne, Direktor des Rohstoffteams von Copa-Cogeca.

In Dänemark, Finnland und Estland gebe es bei Getreide und Ölsaaten bislang kaum größere Schäden durch Dürre. Für Altenbuchner ist das Teil einer langfristigen Entwicklung:

Europa erwärmt sich stärker als andere Weltregionen. Die Landwirtschaft trifft das als ersten Sektor.

Christine Altenbuchner, Umweltsoziologin

Eine Wasserwand kühlt ein Gewächshaus

Während draußen die Sonne brennt, ist es innen bis zu 14 Grad kühler. Dafür wird die von außen kommende Frischluft über eine Wasserwand runtergekühlt. Den Strom liefern Solarpaneele.

04.09.2026 | 0:24 min

Anpassungen der Landwirtschaft

Die österreichische Regierung hat auf die Schäden mit einem Hilfspaket über 240 Millionen Euro reagiert. Laut Landwirtschaftskammer sei das eine große Unterstützung, könne den Schaden aber nicht vollständig ausgleichen. Altenbuchner fordert deshalb mehr Vorsorge.

Viele Betriebe investierten bereits selbst in Anpassung, wie Humusaufbau, Agroforst und vor allem: Wassermanagement. Wieninger setzt bereits auf gezielte Bewässerung. Für ihn ist klar: Nicht nur die Erträge werden sich verändern, sondern auch der Wein selbst.

Manche leichten Weine, wie den Grünen Veltliner, könnte es in Zukunft nicht mehr geben.

Fritz Wieninger, Winzer

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Über dieses Thema berichtete die Sendung heute in Europa am 10.09.2026 in dem Beitrag Österreich: Dürre schadet der Landwirtschaft ab 16 Uhr.

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