Desertifikation: Wüsten gewinnen Boden:Wie fruchtbare Böden für immer verloren gehen
von Corinna Wirth
Fruchtbare Böden gehören zu den wichtigsten Ressourcen der Erde. Doch weltweit gehen Flächen durch Übernutzung und Wasserknappheit verloren.
Auf 500 Hektar schützen Bäume und Sträucher den Boden vor Wind und Abtragung. Ein Modell, das zur UN-Klimakonferenz gegen Wüstenbildung besondere Aufmerksamkeit erhält.
17.08.2026 | 2:34 minFruchtbare Böden bilden die Lebensgrundlage der Menschheit und sorgen für Nahrung, Wohlstand und Sicherheit. Doch Jahr für Jahr gehen Acker- und Weidelandflächen verloren. Den Vereinten Nationen (UN) zufolge sind weltweit bereits 40 Prozent der Böden geschädigt und verödet.
Desertifikation und Bodendegradierung
Desertifikation beschreibt den schleichenden Prozess der Verödung und Verwüstung von Landflächen in Trockengebieten der Welt. Dabei geht die Bodenproduktivität langsam verloren und die obere fruchtbare Schicht des Bodens wird stark reduziert.
In erster Linie wird Desertifikation durch den Menschen in Form von Überweidung, Entwaldung und mangelhafte Bewässerungsmethoden verursacht. Klimatische Einflüsse verschärfen diesen Prozess durch Trockenheit, Hitzewellen und Überflutungen. Degradierung ist die Vorstufe davon.
Schon in den 1970er-Jahren erkannten die Vereinten Nationen die Tragweite und warnten vor der Zerstörung von fruchtbaren Böden durch Degradierung und Desertifikation.
Deshalb verabschiedeten die Staaten 1994 die Konvention der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD), kurz Bodenkonvention genannt. Sie ist 1996 in Kraft getreten. Unterzeichnet haben 197 Vertragsparteien, darunter auch Deutschland.
Regelmäßig treffen sich die Mitglieder, um, wie in Ulan Bator in der Mongolei im August 2026, Lösungen zu erarbeiten und damit Wüstenbildung und Landdegradierung einzudämmen.
Deswegen haben sich in diesem August fast 200 Länder im Rahmen der UN-Konferenz UNCCD mit mehr als 400 Organisationen und Vertretungen aus betroffenen Gemeinden getroffen. Sie haben nach Lösungen gesucht, um die Probleme der Wüstenbildung und Landdegradierung zu reduzieren.
In der Praxis bleibt die Umsetzung oft hinter den ambitionierten Zielen zurück und die Zerstörung der Böden schreitet weiter fort.
Wüstenstaub aus der Sahara erreicht häufiger Europa. Grund sind starke Winde und wachsende Wüsten. Das belastet die Gesundheit und mindert die Leistung von Solaranlagen.
20.07.2026 | 0:22 minWarum sich die Bodenqualität weltweit verschlechtert
Gründe für den Verlust fruchtbarer Böden sind der wachsende Druck auf die Böden durch eine steigende Weltbevölkerung und den damit zunehmenden Nahrungsmittelbedarf sowie die daraus resultierende Übernutzung von Flächen.
Zusätzlich beschleunigen auch wirtschaftliche Zwänge und der Klimawandel, beispielsweise mit längeren Trockenperioden, die Degradationsprozesse.
Dabei verliert der Boden wertvolle Nährstoffe und kann immer weniger Wasser speichern. Dies geschieht unter anderem durch unangepasste Bewässerungsmethoden, Starkregen und Winde.
Klimawandel und intensive Nutzung lassen weltweit Böden veröden. Bis 2050 könnten laut UN drei von vier Menschen von Dürre betroffen sein. Die Hintergründe erklärt mit Grafiken.
17.08.2026 | 1:27 minWas gegen die voranschreitende Desertifikation hilft
Die Bekämpfung der Bodendegradierung erfordert langfristige Strategien, wie die Verbesserung bereits geschädigter Flächen und nachhaltigere Landwirtschaft. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten wie zum Beispiel die Aufforstung von Wäldern, das Anlegen von Hecken als Windschutzstreifen und wassersparende Bewässerungssysteme.
Deshalb sollte frühzeitig reagiert werden, so Andreas Marx, Leiter des Deutschen Dürremonitors am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) gegenüber ZDFheute.
Es ist einfacher, bestehende Systeme zu erhalten als ein gekipptes System wiederherzustellen, deshalb lohnt es sich, Systeme zu schützen.
Andreas Marx, Leiter des Deutschen Dürremonitors
Welche Regionen besonders von Desertifikation betroffen sind
Der Verlust fruchtbaren Ackerlandes ist ein globales Problem. Am stärksten von der Wüstenbildung betroffen sind Länder in Afrika, in Asien und Nordamerika.
Hitze und wenig Regen lassen Europas Böden austrocknen. Das belastet vor allem die Landwirtschaft. Hauptgrund für die steigende Gefahr an Dürren ist dabei nicht der Regenmangel.
23.07.2026 | 0:28 minAuch Europa ist zunehmend von Desertifikation betroffen. Diese betrifft vor allem Länder im Mittelmeerraum wie Spanien, Portugal und Süditalien, aber auch Länder auf dem Balkan.
Deutschland steht nicht vor einer Wüstenbildung wie viele Regionen Afrikas oder Südeuropas. Dennoch setzen intensive Landnutzung, wiederkehrende Dürren und der Klimawandel auch hierzulande die Böden unter Druck. Durch lange Trockenperioden reduzieren Pflanzen ihr Wachstum, es kommt zu geringeren Ernten und insgesamt zu einer verringerten Humusbildung.
Die Erde im Boden ist unscheinbar und nichts Besonderes. Eine braune und recht schmutzige Masse. Aber sie ist so viel mehr als nur Dreck. Sie hat das Potential, die Welt zu retten.
08.08.2023 | 29:34 minDürren in Deutschland bedeuten auch wirtschaftliche Schäden
Schon die Dürrejahre 1976, 2018 und auch 2026 mit einer aktuell, seit elf Monaten anhaltenden Dürre würden zu erheblichen Waldschäden, ausbleibenden Niederschlägen und damit riesigen wirtschaftlichen Verlusten führen, so der Klimaforscher Andreas Marx.
"Anders als in Trockengebieten, den klassischen Desertifikationsgebieten, könnten sich die Böden in Deutschland jedoch durch die jahreszeitlichen Niederschläge teilweise regenerieren.", erklärt Marx.
Desertifikation ist kein neues Phänomen, doch in Anbetracht zunehmender globaler Degradierung der Böden besteht dringender Handlungsbedarf, bevor sie irreversibel verloren gehen.
Corinna Wirth ist Redakteurin in der ZDF-Umweltredaktion.
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