"Abpflastern" als Wettbewerb:Entsiegeln gegen die Hitze
von Isabel de la Vega
"Abpflastern" heißt der Wettbewerb, in dem Kommunen in Deutschland gegeneinander antreten: Er soll dazu beitragen, dass mehr Flächen entsiegelt werden, um die Hitze zu senken.
Darmstadt setzt auf Entsiegelung. Beim Wettbewerb „Abpflastern“ zeigen Initiativen, wie aus versiegelten Flächen neue grüne Oasen entstehen.
07.08.2026 | 1:58 minExtrem dicht bebaut, extrem versiegelt - das ist Darmstadt. Nach dem Krieg auf Trümmern gebaut und in den 1960ern, wie die meisten Städte, zur "autogerechten Stadt" durchasphaltiert.
Jetzt rächt sich der Trend: Mit dem Klimawandel versuchen immer mehr Städte, die Entwicklung zurückzudrehen und zubetonierte und asphaltierte Flächen aufzubrechen und zu renaturieren. "Entsiegelung ist ein ganz zentrales Thema", sagt Christian Kotremba vom Amt für Klimaschutz und Klimaanpassung in Darmstadt.
Mit Entsiegelungsflächen können wir Hitze vorbeugen. Wir können Starkregen, Überflutung im Kontext von Starkregen reduzieren. Wir tragen zur Biodiversitätsförderung bei.
Christian Kotremba, Amt für Klimaschutz und Klimaanpassung Darmstadt
Asphalt und Beton verstärken die Hitze in Städten - eine Folge des Städtebaus der 1960er-Jahre. Nun werden vielerorts versiegelte Flächen wieder geöffnet, um dem Klimawandel zu begegnen.
12.08.2026 | 2:36 minBetonstreifen zum Beet umgebaut
Wie das laufen kann, ist in einem Wohngebiet Darmstadts zu sehen: Eine 30 Quadratmeter große Fläche mit Stauden wird von Anwohnern und vom Bund für Naturschutz (BUND) gejätet und begossen. Vorher war es eine öde Fläche mit Betonplatten.
Anwohner hatten die Idee zur Entsiegelung und die Stadt hat geholfen: Mit einem Bagger und 7.500 Euro, die der Umbau des Betonstreifens zum Beet gekostet hat. Sinn der Entsiegelung: Durch Speicherung von Regenwasser in Boden und Pflanzen kann die Umgebung durch Verdunstung etwas abkühlen.
Das Projekt wurde außerdem angemeldet für den Wettbewerb "Abpflastern" der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung (HfGG) in Koblenz. Auf der Website abpflastern.de können private und öffentliche Flächen, die entsiegelt wurden, eingetragen werden.
Die Hitzewellen in diesem Sommer setzen besonders "versiegelten" Städten wie Mannheim sehr zu. Der deutsche Städtetag fordert daher mehr Mittel für Hitzeschutz und Klimaanpassung.
30.07.2026 | 2:28 minKommunen im Wettbewerb
Die Kommunen treten in einem Wettbewerb gegeneinander an: Wer entsiegelt am meisten? In Darmstadt wurden dieses Jahr rund 400 Quadratmeter geschafft, aber die Zahl zeigt: Es bleiben minimale Mosaiksteine inmitten gigantischer Betonflächen.
"Es ist eine Vielzahl von kleinem Patchwork, was da entsiegelt werden muss", meint Jan Dieterle von der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS). Der Experte für nachhaltigen Städtebau glaubt, dass auch entsiegelte Kleinstflächen für ein verbessertes Klima sorgen können:
Dann trägt die Menge der Maßnahmen am Ende auch dazu bei, dass sich die Stadt verändert.
Jan Dieterle, UAS
Bochum baut ein weltweit einmaliges System zu Regenwasserspeicherung. Unter einer der Hauptstraßen der Stadt wird ein Speicher verbaut, der wie ein Schwamm fungieren soll. Er hilft gegen Hitze und Starkregen.
25.06.2026 | 1:47 minVersiegelte Fläche wächst
Schatten und Verdunstungskühle zu schaffen, ist das Ziel nachhaltiger Stadtplanung und klimabewusster Anwohner. Viel mehr könne man natürlich mit größeren, öffentlichen Flächen erreichen. Wenn zum Beispiel Autoparkplätze in schattenspendende Grünflächen umgewandelt würden.
Doch da, berichtet auch Frankfurts Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez, stoße man schnell an Grenzen, die die "Flächenkonkurrenz" setzt: Infrastrukturprojekte, neuer und dringend gebrauchter Wohnraum, Gewerbegebiete, die neue Einnahmen für die Stadt generieren können. Sie führen dazu, dass die Versiegelungsfläche eher wächst als abnimmt.
"Es ist schwierig", sagt Zapf-Rodríguez. Man müsse eben Kompromisse finden. Wie auf dem Rathenauplatz, wo keine neuen großen Bäume für mehr Schatten gepflanzt werden könnten, weil drunter die S-Bahn Schächte liegen. Also werden dort gerade Hochbeete gebaut.
Klimaresiliente Pflanzen sollen in Zukunft im Städtebau für Abkühlung sorgen. In Berlin wird an Verdunstungsbeeten geforscht, die Regenwasser speichern und bei Hitze die Umgebung kühlen.
18.08.2025 | 2:40 minExperte: Müssen an Straßen ran
Der Goetheplatz, der Paul-Arnsberg-Platz: Sie sind mit einer Entsiegelung, helleren Bodenbelägen, Bäumen und Beeten Beispiele für eine gelungene klimagerechte Umwandlung in Stadtteilen. In der Gesamtheit können diese Maßnahmen statistisch allerdings kaum die vielen Tausend in den vergangenen Hitzesommern der Trockenheit, dem Pilz- und Käferbefall zum Opfer gefallenen Frankfurter Stadtbäume ausgleichen.
Für einen großen Durchbruch müsse man, so Dieterle, "an die Straßenräume ran". Wann immer Straßen erneuert würden, müsste Schotter unter den Asphalt gelegt werden. Um Wasser zu sammeln und Bäume damit zu versorgen. Die so gewonnene Verdunstungskühle und der Schatten - das könnten echte "Gamechanger" sein.
Isabel de la Vega berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Hessen.
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