39 Grad zwischen Stein und Aspahlt:Hotspot Mannheim: Wie eine Stadt gegen die Hitze kämpft
von Laura Ozdoba
Mannheim zählt zu heißesten Städten des Landes, kratzte am Donnerstag erneut an der 40-Grad-Marke. Wie geht die Stadt um mit dieser neuen Klimarealität?
Die derzeitige Hitzewelle setzt besonders "versiegelten" Städten wie Mannheim sehr zu. Der deutsche Städtetag fordert daher mehr Mittel für Hitzeschutz und Klimaapassung.
30.07.2026 | 2:28 min39 Grad zeigt das Thermometer am Donnerstag in Mannheim: Gerade im Innenstadt-Bereich lässt es sich auf den Straßen kaum noch aushalten - "furchtbar" und "unangenehm warm" beschreiben Passanten das Wetter gegenüber ZDFheute. "Es ist alles heiß", meint Sabrina. Man sei diese Temperaturen in Mannheim mittlerweile gewohnt, ergänzt Oktay.
Wir verstecken uns im Schatten.
Oktay
Zu wenig Schatten und Bäume, zu viel Asphalt und Beton - die Stadt im Norden Baden-Württembergs zählt zu den Hitze-Hotspots in Deutschland. Das zeigt der Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe.
Experte: Anpassung ist "absolut notwendig"
Und eine Analyse der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg ergibt: In Mannheim ist der Bedarf für Klimaanpassung im Bereich Hitze am größten - in ganz Baden-Württemberg.
Die Klimaanpassung "ist in der Stadtplanung verankert", so Christian Schuchardt vom Deutschen Städtetag. Der Bund müsse den Städten aber die finanziellen Mittel bereitstellen.
30.07.2026 | 4:31 minDiese Anpassung sei nicht "nice to have", sondern "absolut notwendig", meint Jörn Birkmann, Professor für Raumplanung an der Universität Stuttgart. Denn die Hitzezeiten nehmen zu - es kommt immer öfter zu Hitzewellen, die immer länger dauern.
Wir werden uns zukünftig dauerhaft an solche Phänomene besser anpassen müssen.
Prof. Jörn Birkmann, Universität Stuttgart
Viele Infrastrukturen seien nicht auf die Hitze ausgelegt; in versiegelten Flächen speichere sie sich, so der Experte. Gerade in der Nacht können in Städten dadurch sogenannte "Hitzeinseln" entstehen.
Ein Plan zeigt Brunnen und kühlere Orte in der Stadt. Doch der Effekt bleibt begrenzt: "Der Hitze entkommen kann auch dort niemand so richtig", sagt ZDF-Reporter Anton Jany.
30.07.2026 | 1:27 minMehr Schatten, Grün und kühle Luft nötig
Dagegen helfen nach Ansicht Birkmanns sogenannte Kaltluftbahnen, also Areale durch welche kühle Luft von außerhalb in die Innenstädte gelangen kann. Auch brauche es für die Menschen besseren Zugang zu verschattetem Grün.
Die Stadt Mannheim hat ihre Problemstellen 2020 in einer sogenannten "Stadtklimanalyse" identifiziert. Das Ergebnis: Insbesondere in der Innenstadt, wo sich die berühmten Quadrate befinden, ist der Handlungsbedarf hoch. Etwa ein Fünftel der bebauten Fläche der Stadt ist stark überwärmt.
Schattenplätze gibt es in Mannheim zu wenig.
Quelle: ZDFHeuteDiese Analyse soll als Grundlage dienen, um Mannheim klimagerecht zu entwickeln. Dabei setze die Stadt "brutale Prioritäten auf das, was notwendig ist", erklärt Oberbürgermeister Christian Specht (CDU). Zu dem Hitzeaktionsplan der Stadt gehören einerseits Akutmaßnahmen: Trinkbrunnen, Zugang zu kühlen Orten und ausreichend Notfallkapazitäten.
"Und es gehören die langfristigen Maßnahmen dazu", ergänzt Specht. "Zum Beispiel die Schaffung von Grünzügen, um Luft und Wind in die Stadt zu bringen, aber eben auch eine Abkühlung zu erreichen oder auch die Entsiegelung von Plätzen."
Vor allem Bewohner älterer Mietwohnungen haben wenig Möglichkeiten, sich vor der Hitze zu schützen. Der Städtetag fordert Milliardeninvestitionen.
30.07.2026 | 1:30 minKommunen: Probleme bei der Finanzierung
Das Problem dabei: Die Finanzierung der Umbaumaßnahmen. Für zwei Plätze habe man das Geld noch zusammengekratzt, so der Oberbürgermeister.
Bei neueren Projekten ist selbst mit Förderprogrammen der kommunale Anteil nicht zu stemmen.
Christian Specht (CDU), Oberbürgermeister von Mannheim
Klimaanpassung könne nicht nur eine kommunale Aufgabe sein, betont Specht, der auch Vorsitzender des Finanzausschusses des Deutschen Städtetags ist. "Hier sind Bund und Länder auch mitgefordert, uns zu unterstützen, weil wir ja auch gleichzeitig Wärmewende, Verkehrswende, Energiewende mit zu finanzieren haben als große Städte."
Das ist eine komplette Überforderung angesichts einbrechender Einnahmen und steigender Sozialausgaben.
Christian Specht (CDU), Oberbürgermeister von Mannheim
Experten sagen, damit werde an der falschen Stelle gespart. Am Ende sei Klimaanpassung eine Frage von Prioritätensetzung, meint etwa Raumplaner Jörn Birkmann. Es geht darum, Lebensqualität in den Städten zu erhalten, in einer neuen Klimarealität.
In diesem Sommer sind in Deutschland laut Robert-Koch-Institut 9.800 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben. Das sei die höchste Zahl seit 2016.
30.07.2026 | 0:25 min"Wir haben glaube ich das Phänomen, dass es schon nach zwölf ist. Es kann sein, dass die Städte 40 - 50 Grad heiß werden", so der Experte. Zwar habe auch Klimaanpassung Grenzen. Aber dennoch:
Bei diesen Temperaturen über vier Monate hinweg, das sind nicht mehr kleine Hitzewellen, das sind ganze Hitzeperioden, brauchen wir deutlich mehr an Anpassung und Klimaresilienz als das, was wir vor 10, 15 Jahren angedacht hatten.
Prof. Jörn Birkmann, Universität Stuttgart
Und nicht nur die Städte müssen sich anpassen, meint der Experte. In der Gesellschaft brauche es ein stärkeres Bewusstsein dafür, wie gefährlich die Hitze sein kann.
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