Elbsandsteingebirge: Wie der Klimawandel Felsstürze begünstigt

Verheerende Folgen bei Hitze und Bränden:Elbsandsteingebirge: Felsen instabiler als bisher gedacht

von Rebecca Ricker

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Zunehmende Hitze und Waldbrände, begünstigt durch den Klimawandel, bedrohen auch das Elbsandsteingebirge. Denn Untersuchungen zeigen: Der Stein ist poröser als gedacht.

Basteibrücke dahinter der Lilienstein Kurort Rathen Sachsen Deutschland

Vor rund 100 Millionen Jahren ein tropisches Meer, heute ein Labyrinth aus Fels: Das Elbsandsteingebirge zeugt von Kräften, die Landschaft und Leben bis heute formen.

20.12.2025 | 41:54 min

Das Elbsandsteingebirge ist ein Mittelgebirge in Sachsen und Tschechien. Es besteht zum großen Teil aus verfestigtem Sand, der unter großem Druck zusammengepresst wurde. Verwitterung und Erosion trugen Schichten ab und erzeugten die heutigen markanten Fels-Formationen. Diese Erosion und Verwitterung verläuft langsam, weniger als ein Zehntel Millimeter pro Jahr.

Klimawandel bringt neue Gefahren

Das könnte sich nun ändern. Der Klimawandel beschleunigt die Erosion, deshalb verändert sich das Landschaftsbild des Gebirges drastisch. In den letzten 40 Jahren ist die Durchschnittstemperatur in der Region um etwa 1,3 Grad Celsius gestiegen.

Einsatzkräfte verschiedener Feuerwehren aus Nordrhein-Westfalen unterstützen die Brandbekämpfung im Waldbrandgebiet im Biosphärenreservat Los Ancares Leoneses.

In mehreren Teilen der Welt kämpfen Einsatzkräfte gegen verheerende Waldbrände. Experten warnen vor einer Zunahme der Waldbrandgefahr durch den Klimawandel.

11.08.2026 | 0:24 min

Mit zunehmender Trockenheit wächst auch die Gefahr von Waldbränden. So kam es zum Beispiel im Sommer 2022 im tschechischen Hřensko zu einem Brand, der zehn Quadratkilometer Wald im Elbsandsteingebirge zerstörte. Es war einer der größten Waldbrände in der Geschichte Tschechiens, die Temperaturen erreichten wohl über 1.000 Grad, sagt der Geologe Dr. Jörn Wichert in der ZDFinfo-Doku "Deutschlands Naturwunder - Das Elbsandsteingebirge".

Trockenheit und Waldbrände können dem Gebirge auf verschiedene Arten schaden, beispielsweise verschwinden Moose, Flechten und Wurzeln. Diese Pflanzen halten den Boden zusammen und sorgen für Stabilität. Ohne sie wird der Boden bei starkem Regen leichter ausgewaschen - Erosion und Verwitterung verstärken sich. Da durch den Klimawandel vermehrt Starkregen auftreten und der trockene Boden das Wasser nicht aufnehmen kann, erodiert der Boden noch schneller.

Ein Mann hält eine Pflanze in der Hand

Angesichts des Klimawandels werden Hitze und Trockenheit wohl weiter zunehmen. Die Landwirtschaft muss deshalb Anpassungsstrategien entwickeln.

11.08.2026 | 1:46 min

Hitze zerbröselt Gestein

Hitze entzieht dem Stein zudem Wasser, erzeugt Spannungen und erweitert feine Risse. Dazu kann die Hitze eines Waldbrandes den Stein direkt zerstören, sagt der Geologe Dr. Jörn Wichert.

In einem Projekt im Labor haben wir gesehen: Bei 900 Grad zerfällt der Sandstein in kürzester Zeit.

Dr. Jörn Wichert, Geologe beim deutsch-tschechischen Forschungsprojekt "FireRisk"

Felsstürze im Elbsandsteingebirge können gefährlicher werden

Felsstürze kommen im Elbsandsteingebirge häufig vor: Neben kleinen Steinschlägen kommt es bis zu zehnmal im Jahr zu großen Felsabbrüchen - wie am Wartturm im November 2000, als rund 800 Tonnen Gestein ins Tal stürzen.

Bäume können bei Felsstürzen Steine aufhalten und so verhindern, dass diese zum Beispiel auf Straßen fallen. Wenn aber durch Brände Wald zerstört wird, könnten zukünftig größere Straßenabschnitte durch Felsbrüche gefährdet sein.

Gemeindemitglieder von Blatten halten mit Einwohnern eine Schweigeminute während einer Gedenkfeier, ein Jahr nach dem Erdrutsch von Blatten. Am 28. Mai 2025 brach der Birkengletscher in Blatten, Lötschental, Wallis, ein und begrub 90 Prozent des bereits evakuierten Dorfes, darunter 130 Häuser und die Pfarrkirche, unter einer Lawine aus Fels, Eis und Geröll. Die Trümmer blockierten den Fluss Lonza, bildeten einen See und sorgten für Überschwemmungen

Bei einem Felssturz wurde das Dorf Blatten im Lötschental fast vollständig zerstört. Der Wiederaufbau soll in vier bis fünf Jahren abgeschlossen sein. Die Arbeiten sind in vollem Gange.

28.05.2026 | 2:42 min

Das Gebirge ist poröser als gedacht

Untersuchungen von Dr. Jörn Wichert im Projekt "FireRisk" haben nun ergeben, dass das Gebirge weit weniger stabil ist als gedacht. Zum Beispiel am Wehlturm: ein massiv wirkender Fels, zehn Meter Durchmesser, 70 Meter Höhe und ein beliebtes Touristenziel. Die Forscher bohrten in den Felsen, um zu prüfen, wie weit der massive Stein reichte. Das Ergebnis: Nach einem halben Meter Sandstein besteht der Turm im Inneren nur aus Sand.

"Das war ziemlich überraschend", sagt Geologe Wichert. Er und sein Team vermuten, dass solche Bereiche dort entstanden sind, wo der Überlagerungsdruck zu gering war, um den Sand vollständig zu verfestigen.

Luftaufnahme von Lastwagen, die am 21. August 2026 auf der Panamericana zwischen den Ortschaften Atico und Ocona in Arequipa im Süden Perus durch einen Schlammlawinenstau blockiert wurden.

In Peru haben Schlammlawinen dafür gesorgt, dass Menschen mehrere Tage lang in ihren Autos auf einem Highway festsaßen. Mittels Hubschrauber-Luftbrücken sollen die Menschen evakuiert werden.

22.08.2026 | 0:48 min

Wenn es nun an einem Felsen wie dem Wehlturm zu großer Hitze kommt, kann das ernste Folgen haben.

Wenn ein Feuer kommt und eine Scholle herausbricht, dann ist das wie eine offene Wunde.

Dr. Jörn Wichert, Geologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter des deutsch-tschechischen Forschungsprojekts „FireRisk“

Verbreitung des Problems noch unklar

Wenn ein Steinbrocken herausbricht und hinter einem halben Meter nur Sand ist, könne dieser herausrieseln, sagt Wichert. Dadurch können große Hohlräume entstehen. Diese Hohlräume erhöhen das Risiko, dass ganze Felspartien aus dem Sandstein brechen.

Bisher haben die Forscher nur punktuelle Untersuchungen gemacht. So wurde das Phänomen bisher neben dem Wehlturm zum Beispiel auch bei den Felsformationen der Bastei und des Prebischtors festgestellt. Wie weit es insgesamt im Elbsandsteingebirge verbreitet ist, ist noch nicht klar. Das wollen Dr. Jörn Wichert und das Team in ihrem Forschungsprojekt weiter untersuchen.

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