Kenia: Start-up verwandelt invasive Pflanzen zu Bioplastik

Invasive Pflanzen in Kenias Seen:Wie aus einem Umweltproblem Plastikersatz wird

von Hauke Dhem

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Die Wasserhyazinthe überwuchert Seen in der ganzen Welt und bedroht die Existenz der Fischer. Ein Start-up in Kenia verwandelt das Problem nun in umweltfreundliche Verpackungen.

Wasserhyazinthen Kenia

Der 29jährige Joseph Nguthuri wurde von der UN als "Young Champion of the Earth" ausgezeichnet. Er gründete ein Start-up, dass aus Wasserhyazinthen Verpackungsmaterial herstellt.

25.08.2026 | 3:11 min

Simon Macharia und zwei weitere Fischer kämpfen sich mit langen Stangen vom Anleger hinaus auf den Lake Naivasha. Obwohl ihr Boot bereits mehrere Meter vom Ufer entfernt ist, wirkt es, als stünde es noch immer an Land. Die gesamte Uferzone des kenianischen Sees ist von einem dichten Teppich aus Wasserhyazinthen überwuchert.

Fast 30 Prozent der Seeoberfläche sind von den invasiven Schwimmpflanzen, die einst aus Südamerika eingeschleppt wurden, bedeckt.

Ein Müllsammler sammelt wiederverwertbare Gegenstände, darunter Plastik, auf einer Mülldeponie.

Ein innovatives Start-Up hat einen Weg gefunden, um aus Biomaterial Kunststoff herzustellen und steigt damit nun in die Produktion ein.

14.05.2026 | 1:39 min

Wasserhyazinthen erschweren das Fischen

Wie zäh das Durchkommen ist, zeigt sich Sekunden später: Ein lautes Platschen zerreißt die morgendliche Stille. Einer der Fischer hat beim wuchtigen Abstoßen vom Seegrund den Halt verloren und stürzt über die Reling mitten in die grüne Masse.

Schon das Ablegen ist eine schweißtreibende Kraftanstrengung, doch die größte Herausforderung ist das Fischen. "Unsere Netze verfangen sich ständig in den Pflanzen. Manchmal dauert es bis zu drei Tage, bis wir sie wieder freibekommen. Das ist ein echtes Problem", erklärt Macharia.

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"Wir können aus zwei Problemen eine Lösung machen"

Einen Lösungsansatz hat Joseph Nguthiru mit seinem Start-up HyaPak gefunden. Als Student steckte er selbst mit seinen Kommilitonen stundenlang in einem Boot auf dem Pflanzenteppich im See fest.

Zurück in Nairobi beschäftigte ihn ein weiteres Umweltproblem: Überall lag Plastikmüll auf den Straßen. So entstand die Idee, beide Herausforderungen miteinander zu verbinden. "Man muss aus dieser Masse an Pflanzen doch irgendetwas Nützliches herstellen können! Deshalb versuchen wir, das Problem der Wasserhyazinthe zu nutzen, um das andere Problem der Verschmutzung durch Plastikmüll zu lösen."

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Bioplastik statt Plastikmüll

Der studierte Umweltingenieur begann zu experimentieren und entwickelte aus den Wasserhyazinthen ein biologisch abbaubares Material. Seit 2022 stellt HyaPak aus den Pflanzen umweltfreundliche Verpackungsfolien etwa für Aufzuchtbeutel für Pflanzen her. Für seinen innovativen Ansatz zeichnete ihn das Umweltprogramm der Vereinten Nationen 2025 als Young Champion of the Earth aus.

Bisher ein nahezu auswegloser Kampf

Die Wasserhyazinthen dauerhaft aus dem See zu entfernen, ist jedoch nahezu unmöglich. Die invasive Art stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde vor fast 40 Jahren vermutlich wegen ihrer schönen Blüten nicht nur nach Kenia gebracht. Nun breitet sie sich seit Jahren ungebremst in vielen Seen - auch in Europa - aus, in denen sie keine natürlichen Feinde hat.

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Der Umweltwissenschaftler Gordon Ocholla von der Mount Kenya University beobachtet diese Entwicklung seit Jahren. "Die Pflanze findet durch die nährstoffreichen Abwässer aus der Landwirtschaft und der Stadt ideale Wachstumsbedingungen, sodass sie ihr Gewicht innerhalb von nur zwei Wochen verdoppeln kann" erklärt er.

Die größte Auswirkung auf das Ökosystem bestehe darin, dass sie die Wasseroberfläche großflächig bedeckt: "Dadurch gelangt weniger Sonnenlicht in den See, der Sauerstoffgehalt des Wassers sinkt und Fischbestände im See gehen zurück."

Hilflosigkeit - und ein Schimmer Hoffnung

Das bekommen auch der Fischer Simon Macharia und seine Kollegen zu spüren. Jahr für Jahr schrumpfen ihre Fänge. Um der Plage etwas entgegenzusetzen, holen sie einmal wöchentlich mehrere Bootsladungen der Wasserpflanzen für HyaPak an Land. Das Unternehmen bezahlt die Fischer für ihre Arbeit und schafft ihnen damit eine zusätzliche Einnahmequelle.

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Auf die schiere Masse im See hat das bisher noch kaum Auswirkungen. Selbst die Wege in den See können sie nicht dauerhaft von den Pflanzen befreien und für eine flächendeckende Säuberung fehlt bisher das Geld.

Auch die Produktionskapazitäten bei HyaPak reichen derzeit nicht aus, um deutlich mehr Pflanzen aus dem See zu verarbeiten, doch der Chef des Start-Ups, Joseph Nguthiru, bleibt hartnäckig: Er träumt davon, dass er eines Tages Einweggeschirr und Supermarkttüten verkauft - hergestellt aus Wasserhyazinthen aus dem Lake Naivasha.

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Über dieses Thema berichtete die Sendung mittagsmagazin am 25.08.2026 ab 1200 Uhr.

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