Korallenriff aus dem 3D-Drucker: Startup baut mit Ton

Interview

Startup baut "Lego-Steine" aus Ton:Wie Korallenriffe aus dem 3D-Drucker wachsen

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Klimawandel, Überfischung, Verschmutzung: Weltweit sind Korallenriffe bedroht. Doch "Lego-Steine" aus Ton können den Superstars der Natur helfen.

Korallenriff mit verschiedenen bunten Fischen

Korallenriffe sind ein Hotspot der Artenvielfalt und auch für uns sind sie überlebenswichtig. Wie können wir diesen wertvollen Ökosystemen helfen?

29.05.2026 | 43:29 min

Die Meeresbiologin Hanna Kuhfuss und die Künstlerin Marie Griesmar beschäftigen sich seit Jahren mit dem Wiederaufbau von Korallenriffen. Die beiden gehören zum Gründungsteam von rrreefs - einem Schweizer Startup, das dank modularer 3D-Tonsteine Meeresbewohnern ein neues Zuhause in künstlichen Riffen verschafft.

ZDFheute: Wie wird man zu einer Korallenschützerin?

Marie Griesmar: Ich tauche, seitdem ich ein Kind bin. Irgendwann machten mich Wissenschaftler*innen darauf aufmerksam, dass Korallen sterben.

Ich habe ein großes Bleaching-Event erlebt, als ich auf den Seychellen gearbeitet habe, und das war absolut dramatisch.

Marie Griesmar, Künstlerin

Diese Trostlosigkeit und Stille an einem Ort, der vorher so lebendig war, hat mich so geärgert, dass ich unbedingt verstehen wollte, warum sowas passiert - und auch, wie man handeln kann. Und seitdem habe ich nach Lösungen gesucht, wie ich mit meiner Kunst den Korallenriffen helfen kann.

Marie Griesmar präsentiert Korallen aus Ton.

Die Künstlerin Marie Griesmar hat die Idee von Korallen aus Ton mitentwickelt.

Quelle: ZDF

ZDFheute: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Tonsteine aus dem 3D-Drucker herzustellen?

Marie Griesmar: Das Glück ist, dass ich schon Keramikerin war und wusste, dass Ton das beste Material ist für den Riffbau, weil es so viele vielfältige Funktionen hat: Man kann es gießen, drucken, modellieren.

Ton ist nachhaltig und langlebig, auch unter Wasser. Und er ist porös, weshalb sich Lebewesen wie Korallen daran festhalten können.

Marie Griesmar, Künstlerin

Und der 3D-Druck ist sehr präzise. Keine andere Keramik-Technik kann so komplexe Oberflächenstrukturen schaffen.



Luftaufnahme von El Nido im Norden der Insel Palawan.

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Hanna Kuhfuss: Korallenlarven werden im Ozean mit den Strömungen vertrieben. Das heißt, sie sind nicht so schwimmfähig, dass sie gegen eine Strömung ankommen würden. Was wir mit unseren Strukturen machen, ist, die Strömungen zu verlangsamen, so dass an unseren Steinen Strömungsschatten entstehen und sich dadurch Larven ansiedeln können.

Hanna Kuhfuss steht auf einer Wiese und lächelt in die Kamera

Hanna Kuhfuss ist Meeresbiologin und Mitgründerin des Schweizer Startups rrreefs.

Quelle: Geraldine Graf

ZDFheute: Warum ist euer Tun so wichtig und was sind die größten Herausforderungen?

Marie Griesmar: Unseren Ansatz zur Regeneration von Korallenriffen kann man sich vorstellen wie eine Salbe für eine große Wunde. Das bedeutet, wir bekämpfen nicht die Ursache, sondern die Symptome.

Taucher in einem Korallenriff in Singapur

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Wenn Korallenriffe anfangen zu bleichen, bleibt irgendwann nur das zerbrechliche Korallen-Skelett zurück - ein leichtes Opfer für Parasiten, die anfangen, es zu zersetzen. So gehen ganze Riff-Strukturen kaputt und das relativ schnell. Die Herausforderung ist deshalb, die Ursachen zu bekämpfen.



Hanna Kuhfuss: Die Herausforderungen sind nicht nur ökologisch, sondern auch politisch. Wir leisten ja auf mehreren Ebenen einen Beitrag zum Meeresschutz. Auch die Bildungsarbeit vor Ort mit den lokalen Communities ist super wichtig. Denn sie betrifft das Korallensterben ja am meisten, weil ihnen damit die Lebensgrundlage genommen wird.

Korallenriff

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ZDFheute: Was ist euer größter Erfolg bisher und was sind die nächsten Ziele?

Marie Griesmar: Als wir mit rrreefs in unserer Riff-Struktur die erste Korallenlarven-Ansiedlung gesehen haben, war das sehr emotional. Wir hatten große Hoffnungen, man arbeitet daran, betreibt Forschung. Dann in der echten Umwelt merkt man, es gibt noch resiliente Korallen, die sich vermehren und die sich auch ansiedeln - und das auch noch in unseren Steinen. Das war für mich ein extrem wichtiger, schöner Moment, der mir jeden Tag die Energie gibt weiterzumachen.

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Hanna Kuhfuss: Aus meiner Perspektive ist unsere Arbeit auf den Philippinen ein sehr großer Erfolg.

Unsere philippinischen Partner produzieren die Riffe vor Ort und bauen sie auch selbständig auf.

Hanna Kuhfuss, Meeresbiologin

So soll eigentlich das Rollenmodell sein, was wir auch auf andere Länder übertragen wollen.

Das Interview führte Stella Könemann.

Über dieses Thema berichtete plan b in der Sendung "Wie uns Koralle, Seegras & Co. schützen" im ZDF am 04.06.2026 ab 00:45 Uhr.

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