Bundestag berät UN-Hochseeschutzabkommen:Schneider: Meeresschutzabkommen ist Erfolg für Umweltschutz
Der Bundestag berät die Ratifizierung des UN-Hochseeschutzabkommens, am Samstag tritt es in Kraft. Umweltminister Schneider nennt das Abkommen einen großen Erfolg.
Sehen Sie hier einen Auszug aus dem ZDFheute-Interview mit Umweltminister Carsten Schneider (SPD).
15.01.2026 | 1:26 minZDFheute: Heute Abend berät der Bundestag die Ratifizierung des UN-Hochseeschutzabkommens, am Samstag tritt es in Kraft. Es soll die Artenvielfalt der Weltmeere schützen. Wie konkret?
Carsten Schneider: Das ist einer der größten internationalen Erfolge für den Umweltschutz in den letzten Jahrzehnten. Warum? Weil die hohe See, die bisher ungeregelt ist, keinem gehört und auch jedem.
Dass wir hier als Weltgemeinschaft jetzt Vereinbarungen treffen und Schutzgebiete ausweisen können, die dann auch eingehalten werden und damit der Natur, dem Ozean, die Ruhe und die Rückzugsgebiete wiedergeben, die er braucht, um seine ökologische Funktion auch wahrzunehmen, ist ein wirklicher Menschheitsfortschritt.
Das UN-Hochseeschutzabkommen
Am Samstag tritt das erste UN-Hochseeschutzabkommen in Kraft, der Bundestag berät am Donnerstag über die Ratifizierung der Vereinbarung. Sie soll die Weltmeere, ihre vielen verschiedenen Lebensräume und die dortige Artenvielfalt schützen. Nach Einschätzung des Bundesumweltministeriums ist das Abkommen "ein historischer Durchbruch".
Die offiziellen Verhandlungen über das Abkommen begannen bereits 2018. Nach mehreren gescheiterten Anläufen erzielte die Staatengemeinschaft schließlich im Frühjahr 2023 in New York eine Einigung, am 19. Juni 2023 wurde das Hochseeschutzabkommen formal angenommen.
Für sein Inkraftsetzen musste es von mindestens 60 Staaten ratifiziert werden. 120 Tage, nachdem dies erfolgt ist, tritt es am Samstag in Kraft. Mittlerweile haben mehr als 80 der 145 Staaten, die das Abkommen unterzeichnet haben, es auch ratifiziert. Deutschland gehörte zwar zu den ersten Unterzeichnerstaaten, hat das UN-Abkommen aber noch nicht ratifiziert. Die erste Lesung dazu findet am Donnerstag im Bundestag statt.
Bisher gab es für die Hochsee keine einheitlichen Umweltregeln. Das UN-Abkommen sieht nun erstmals Schutzgebiete außerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszonen einzelner Länder vor. Dies ist wichtig, weil sich mehr als 60 Prozent der Meeresgebiete außerhalb solcher Zonen und damit jenseits der nationalen Einflusssphären und Rechtsprechungen befinden.
Bis zu der Einigung auf das Abkommen galten nur für etwa ein Prozent dieser Meeresgebiete Schutzregeln unterschiedlichen Grades. Das Abkommen sieht außerdem vor, dass Aktivitäten wie der Förderung von Bodenschätzen auf hoher See eine Untersuchung ihrer Umweltfolgen vorausgehen muss.
Die Weltmeere leiden unter einer Reihe von Bedrohungen wie dem Klimawandel und der Plastikverschmutzung. Da die Ozeane etwa 90 Prozent der überschüssigen Wärme aus der Atmosphäre speichern, steigt die Wassertemperatur an, bis hinein in die Tiefsee. Die Erwärmung verringert die Durchmischung der Wasserschichten, wodurch es Meereslebewesen an Sauerstoff und Nährstoffen fehlt.
Besonders stark betroffen sind Korallen. Laut einer Studie, die im Oktober für Aufsehen sorgte, haben zumindest die tropischen Korallenriffe mit ziemlicher Sicherheit ihren Kippunkt bereits erreicht und sind wegen der Erwärmung der Meere vermutlich kaum noch zu retten. Die Ozeane haben bereits zwischen 20 und 30 Prozent des vom Menschen verursachten Ausstoßes von Kohlendioxids (CO2) aus der Atmosphäre aufgenommen. Ohne diese CO2-Speicherung durch die Meere würde der globale Klimawandel noch schneller voranschreiten.
Quelle: AFP
Die Weltmeere haben 2025 eine Rekordmenge an Wärme aufgenommen - es ist das neunte Jahr in Folge. Das zeigt eine Studie chinesischer Forscher.
09.01.2026 | 0:22 minZDFheute: Die geopolitischen Zeiten sind herausfordernd. In solchen Zeiten, glauben Sie, dass so ein Abkommen überhaupt etwas ausrichten kann?
Schneider: Die Vertragsstaaten, die es unterzeichnet haben, verpflichten sich dazu. Es gab eine große Konferenz dazu im Sommer in Nizza. Und ich bin mir sicher, dass neben vielen nationalen Interessen auch die Bereitschaft bei fast allen Ländern, auch klar und da ist, große Schutzgüter und unsere Erde einzuhalten.
Unsere Ozeane sind das größte Schutzgut, weil sie Sauerstoff binden, weil sie Nahrung liefern und weil sie für unsere Existenz zentral sind.
Es ist immer ein stetes Ringen und ein Kampf, aber die jetzige Zustimmung zum Hochseeschutzabkommen zeigt, dass der Multilateralismus auch funktioniert und Deutschland, ich werde mich ganz intensiv dafür einsetzen, dass es auch nicht nur umgesetzt wird, sondern Erfolge zeitigen wird.
In Nizza beraten 130 Staaten über einen besseren Schutz der Ozeane. Bei der dritten UN-Ozeankonferenz geht es auch um finanzielle Zusagen und politische Selbstverpflichtungen.
09.06.2025 | 2:26 minZDFheute: Warum dauert es so lange bis Deutschland das ratifizieren wird und sind Sie zuversichtlich, dass es vor der ersten Konferenz dazu kommen wird?
Schneider: Ja, die deutschen Gesetzgebungsvorhaben sind manchmal ein bisschen schwieriger mit Bundesrat und Beteiligung jetzt im Bundestag. Aber das politische Commitment ist klar. Das Kabinett hat es auch beschlossen.
War eine lange Vorarbeit auch von der Vorgängerregierung und bei dieser Kontinuität setzen wir an. Und ich gehe fest davon aus, dass bis zur Sommerpause die Veröffentlichung auch im Gesetz der ersten Vertragsstaatenkonferenz, der Ozeankonferenz Deutschland auch dabei ist.
...sie sind sogar überlebenswichtig! Wieso, das erklären wir euch hier.
10.06.2025 | 1:35 minZDFheute: Jetzt hat Deutschland ja keine eigenen Hochseegebiete. Aber wie kann Deutschland denn trotzdem seinen Beitrag leisten?
Schneider: Ja, wir haben auch Meeresschutzgebiete aus diesen Wirtschaftszonen. Die schützen wir jetzt auch stärker, indem wir dort keine Öl- und Gasförderung mehr möglich machen in den Meeresschutzgebieten. Das ist der erste Punkt.
Der zweite Punkt ist, wir kooperieren mit vielen Ländern, Mikronesien zum Beispiel, mit anderen Ländern, die näher dran sind und deren Gebiete dann auch zu schützen sind. Und diese Kooperation setzen wir fort. Wir haben eine exzellente Meeresforschung in Deutschland, in Kiel, aber auch in Rostock und anderen Regionen.
Und insbesondere im Polarbereich, Alfred-Wegner-Institut, die bringen wir ein. Dazu habe ich auch verschiedene Gespräche schon mit anderen Ministern verschiedener Länder geführt. Die nehmen dies dankbar auf.
Und so arbeiten wir mit mehreren Ländern zusammen an der Ausweisung und Kontrolle von Schutzgebieten. Und das wird das Meer revitalisieren und der Natur ein Stück weit Ruhe und Kraft zurückgeben.
Das Interview führte Marcel Roth. Es wurde für die schriftliche Form geringfügig sprachlich angepasst.
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