WMO warnt vor Energie-Ungleichgewicht: Wieso das Klima kippt

Bericht der Weltwetterorganisation WMO:Energie-Ungleichgewicht: Wieso das Klima zunehmend kippt

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Die Wetterbehörde WMO warnt: Das Klima gerät außer Kontrolle. Ein Hauptgrund sei, dass die Erde immer mehr Energie staut, statt sie abzugeben. Doch es gibt noch Grund zur Hoffnung.

Anwohner auf Mofa nach Hochwasser in Malaysia

Neue Daten der Weltwetterorganisation zeigen steigende Temperaturen und stark erwärmte Ozeane. Der Bericht warnt vor wachsendem Ungleichgewicht im Klimasystem.

23.03.2026 | 1:32 min

Beim Zustand des Weltklimas gibt es nach Einschätzung der Weltwetterorganisation (WMO) zurzeit wenig Raum für Optimismus. Das Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und -abgabe der Erde wächst rasant, wie es im WMO-Bericht zum Zustand des Klimas 2025 heißt.

Bei den Klimaindikatoren jagen sich demnach die negativen Rekorde. Die Temperaturen steigen, die Ozeane heizen sich auf, Eis und Gletscher schmelzen und die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre steigt weiter.

2015-2025 heißeste Periode seit Messungsbeginn 

Laut der WMO, die Klimawissenschaft aus aller Welt auswertet, waren die Jahre 2015 bis 2025 die heißeste Elf-Jahres-Periode seit Beginn der Messungen. Das vergangene Jahr war das zweit- oder drittheißeste Jahr mit einer Durchschnittstemperatur von 1,43 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850 bis 1900). 2024 war heißer: mit rund 1,55 Grad.

Rauch steigt aus dem Schornstein einer Fabrik

Deutschlands Treibhausgasemissionen sind 2025 kaum gesunken. Laut Klimabilanz ging der Ausstoß um 0,1 Prozent zurück. Besonders in den Sektoren Verkehr und Gebäude stiegen die Emissionen an.

14.03.2026 | 0:25 min

"Es lässt sich nicht leugnen, dass sich diese Indikatoren nicht in eine Richtung entwickeln, die Anlass zu großer Hoffnung gibt", sagte die Vizechefin der WMO, Ko Barrett. UN-Generalsekretär António Guterres sprach von einem Notstand:

Der Planet Erde wird an seine Grenzen gebracht.

UN-Generalsekretär António Guterres

Erde rutscht ins Energie-Ungleichgewicht

Symptomatisch dafür ist das sogenannteEnergie-Ungleichgewicht auf der Erde, das einen historischen Höchststand erreicht hat. Es dringt also mehr Sonnenenergie in die Systeme der Erde ein, als sie verlässt.

Ursache dafür seien zu viele menschengemachte Treibhausgase. Die Werte in der Atmosphäre sind so hoch wie seit 800.000 Jahren nicht mehr - das behindert die Hitzeabgabe.

Ein trockenes Flussbett der Schwarzen Elster in Sachsen, an der Grenze zu Brandenburg, am 09.08.2022.

Die Forscher sprechen von einer "signifikanten Beschleunigung": In den vergangenen 10 Jahren hat sich die Erde laut einer Studie deutlicher schneller erwärmt als zuvor.

06.03.2026 | 0:35 min

Ozeane sind mit Abstand größte Energiespeicher

Mehr als 91 Prozent der überschüssigen Energie würden in Ozeanen gespeichert, hieß es. Die Erwärmungsrate der Meere habe sich zwischen den Perioden 1960 bis 2005 und 2005 bis 2025 mehr als verdoppelt. Fünf Prozent der überschüssigen Energie würden in Böden gespeichert, gut 3 Prozent gingen in die Eisschmelze. Nur 1 Prozent gehe in den Temperaturanstieg an der Erdoberfläche.

Wissenschaftlerin hoffnungsvoll, "wenn wir die Verzweiflung überwinden"

Trotz der düsteren Prognose, sagte WMO-Klimawissenschaftlerin Claire Ransom, habe sie weiterhin Hoffnung. Wenn alle dächten, man könne nichts mehr tun, würden die Emissionen nur weiter wachsen.

Wenn wir hingegen die Verzweiflung überwinden können (...), können wir das Ausmaß dieser drastischen Veränderungen begrenzen.

WMO-Klimawissenschaftlerin Claire Ransom

Wodurch ist klar: eine Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes. Das heißt für den Einzelnen etwa, erneuerbare Energien statt solche aus fossilen Brennstoffen zunutzen, auf Züge und Fahrräder statt Flugzeuge und Autos auszuweichen oder mehr lokale statt exotische Produkte zu kaufen.

Zudem gibt es in der Politik, Wirtschaft und Technik große Hebel für mehr Klimaschutz: Hierzu zählt eine Dekarbonisierung großer Industrien, der Erhalt von Wäldern und Mooren und finanzielle Anreize für Klimaschutz.

Nachrichten | Wissen
:Wie der Klimawandel die Erde verändert

Die Temperaturen steigen weltweit, im Norden deutlich stärker als im Süden. Erfahren Sie am interaktiven Globus, wie die Erderwärmung die Kontinente trifft.
Globus als Vorschaubild für die 3D-Story "Wie der Klimawandel die Erde verändert"
Quelle: dpa, ZDF
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "WMO-Bericht zeigt neue Rekorde im Weltklima" am 23. März 2026 um 7:52 Uhr.

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