Aufschlag auf fossile Energien:Was ist der CO2-Preis und warum gibt es ihn?
von Karen Grass und Eva Schmidt
Um Spritpreisturbulenzen abzudämpfen, fordern Politiker die Aussetzung des CO2-Preises. Warum es ihn gibt, wie stark er Haushalte belastet und wie er sich entwickeln soll.
Wie fair sind die Kosten während der Energiewende in der Gesellschaft verteilt? Aleksandar Milivojša ist Lieferfahrer – ihn trifft die Wende anders als einkommensstarke Haushalte.
17.04.2026 | 3:31 minWarum steht der CO2-Preis in der Kritik?
Wegen hoher Energiepreise haben Politiker wie Sven Schulze (CDU), Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt, vor Bekanntgabe der Senkung der Energiesteuer die zeitweise Aussetzung der CO2-Abgabe gefordert.
Sollte der geplante Tankrabatt an den Zapfsäulen nicht die gewünschte Entlastung bringen, könnten solche Forderungen wieder lauter werden. Denn der CO2-Preis verteuert fossile Kraftstoffe gezielt, um treibhausgasintensive Produkte unattraktiver zu machen. In den Augen der Kritiker gerade eine unzumutbare Belastung.
Der CO2-Ausstoß ist in Europa seit Einführung des ETS um 51 Prozent gesunken. Vor allem die Energiewirtschaft hat durch den Ausbau Erneuerbarer Energien merklich CO2 eingespart.
27.11.2025 | 6:32 minWozu gibt es den CO2-Preis?
Der CO2-Preis soll eine sogenannte Lenkungswirkung auslösen: Die CO2-Abgabe soll den Verbrauch fossiler Energie unattraktiv machen, indem sie Heizöl, Benzin, Diesel und Erdgas teurer macht. Es kostet also mehr Geld, klimaschädliche CO2-Emissionen auszustoßen. So soll ein Anreiz zum Sparen und zum Umstieg auf erneuerbare Energien entstehen.
Klimaschutz kostet Geld. Diesen Preis zahlen aktuell vor allem die Falschen: Haushalte mit weniger Einkommen, die kaum Treibhausgase verursachen. Reiche verursachen hingegen größere Mengen.
09.03.2025 | 29:35 minWas würde das Aussetzen der CO2-Abgabe bedeuten?
Würde die CO2-Abgabe ausgesetzt, würden zum einen Anreize sinken, Energie zu sparen und zum anderen würde Geld fehlen, mit dem klimafreundliche Technologien finanziert werden könnten.
Denn die Einnahmen des CO2-Preises fließen in den sogenannten Klima- und Transformationsfonds, kurz KTF. Aus dem KTF werden Klimaschutzmaßnahmen und grüne Technologien, wie private Wärmepumpen und E‑Autos, aber auch öffentliche Infrastruktur wie Wasserstoffprojekte oder Ladesäulen gefördert.
Die schwarz-rote Koalition hat ein Entlastungspaket beschlossen. Für zwei Monate soll die Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel gesenkt werden. Außerdem soll es einen Krisenbonus in Höhe von 1.000 Euro geben.
13.04.2026 | 3:15 minDass davon bisher vor allem Haushalte mit Eigenheim und höherem Einkommen profitiert haben, gerät nun zunehmend in die Kritik. Laut Klimawissenschaftlerin Brigitte Knopf hatten nur rund 14 Prozent der KTF-Ausgaben explizit einen sozialen Fokus.
Wir haben sehr stark mit der Gießkanne gefördert, wovon obere Einkommen profitiert haben. Jetzt ist es wichtiger, nur die Haushalte zu unterstützen, die es wirklich nötig haben.
Brigitte Knopf, Klimawissenschaftlerin
Das seien die unteren und mittleren Einkommen. Für Knopf mache das diesjährige E-Auto-Kaufprogramm mit einer einkommensgestaffelten Förderung einen ersten Schritt.
Der Bund will Kauf und Leasing von Elektroautos mit bis zu 6.000 Euro bezuschussen. Anspruch haben Haushalte mit einem Jahreseinkommen von maximal 80.000 Euro.
19.01.2026 | 0:25 minWie viel macht der CO2-Preis im Alltag tatsächlich aus?
Die CO2-Abgabe zahlt man beim Heizen und beim Tanken. Bezogen auf einen Liter Sprit macht der CO2-Preis aktuell circa 16 bis 20 Cent aus, abhängig vom Kraftstoff und zu welchem Preis dessen Emissions-Zertifikat eingekauft wurde.
Der CO2-Preisrechner des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung RWI gibt Anhaltspunkte dafür, wie hoch die Kosten im Alltag ausfallen können. Für eine vierköpfige Familie mit Verbrenner-Auto und einer Wohnung im Mehrfamilienhaus, die mit Gas beheizt wird, können so etwa 470 Euro zusätzliche Belastung pro Jahr zusammenkommen. Steigt der CO2-Preis weiter an, steigt allerdings auch die Belastung.
Wen trifft der CO2-Preis wie stark?
Das hängt von Einkommen und Lebenssituation ab, denn der CO2-Preis belohnt den Umstieg auf klimafreundliche Technologien. Die allerdings sind bislang noch teuer und nicht alle können sie sich leisten. Deshalb sind laut KfW-Energiebarometer und Statistischem Bundesamt bisher vor allem Haushalte mit höheren Einkommen umgestiegen.
Um wie viel Euro ist der CO2-Preis in den letzten Jahren gestiegen?
Der CO2-Preis wurde in den vergangenen Jahren immer wieder erhöht, damit der Umstieg auf klimafreundlichere Alternativen zunehmend attraktiver wird: von ursprünglich 25 Euro je ausgestoßener Tonne CO2 im Jahr 2021 auf 55 Euro je Tonne im Jahr 2025.
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Ist der CO2-Preis eine Steuer?
Nein, der CO2-Preis ist eine zusätzliche Abgabe auf fossile Brennstoffe, das Prinzip dahinter ist das Verursacherprinzip: Wer klimaschädliches Gas ausstößt, soll dafür bezahlen, damit er das möglichst unterlässt.
Es gibt zum einen die CO2-Bepreisung in der EU, die gilt vor allem für energieintensive Industrien. Zusätzlich gibt es einen deutschlandweiten CO2-Preis für Verkehr und Wärme, der auf Heizöl, Benzin, Kohle und Erdgas erhoben wird.
CO2-Preis: Wie er funktioniert
Die Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD hat 2019 mit ihrem "Klimapaket" den CO2-Preis in Deutschland beschlossen. Seit 2021 ist die CO2-Abgabe als ein zentrales Instrument der Klimapolitik eingeführt.
Auf europäischer Ebene gibt es schon länger eine CO2-Bepreisung: Der EU-Emissionshandel (EU-ETS I) soll seit 2005 die Einsparung von Treibhausgasen anregen. Ein sinkendes Limit für Zertifikate im Emissionshandelssystem verteuert CO2-Emissionen für Energie, Industrie und Luftfahrt.
Seit Anfang 2026 gilt in Deutschland nun erstmals kein festgelegter Preis mehr, sondern ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne CO2-Emission. Das ist der Einstieg in eine Art Marktmechanismus. Ursprünglich sollte der nationale CO2-Preis nämlich 2027 in eine neue EU-Regelung für Wärme und Verkehr übergehen. Die Höhe des CO2-Preises sollte sich dann am Markt bilden und könnte somit stark steigen. Doch der Start wurde von der EU nun auf 2028 verschoben. (Quelle: ZDF)
Umgangssprachlich ist zwar von "Steuer" die Rede, aber anders als eine Steuer ist der CO2-Preis zweckgebunden. Denn die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung sollen für Klimaschutzmaßnahmen im Rahmen der Energiewende ausgegeben werden. Steuern dagegen sind in der Regel nicht zweckgebunden.
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