Neues "Heizungsgesetz" und Klimaschutz: Wärmewende in Gefahr?

Fachleute skeptisch:Bremst das neue "Heizungsgesetz" die Wärmewende?

Mark Hugo

von Mark Hugo

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Ein neues Gesetz soll bald die Wärmewende in Gebäuden regeln. Die Eckpunkte liegen auf dem Tisch - und stoßen bei Klima-Fachleuten auf wenig Begeisterung.

Die Bundesregierung will mit einer Reform des Heizungsgesetzes mehr Entscheidungsfreiheit geben.

Die Bundesregierung möchte das Heizungsgesetz reformieren und setzt dabei auf mehr Entscheidungsfreiheit. Kritik kommt von Verbraucherschützern und Teilen der Opposition.

25.02.2026 | 1:37 min

Ein neues Gesetz mit neuem Namen: Das Gebäudemodernisierungsgesetz soll schon bald verabschiedet werden und nach dem Willen der Bundesregierung Streitereien von einst um den "Heiz-Hammer" vergessen machen. Nur: Aus Sicht vieler Expertinnen und Experten wird es die für den Klimaschutz nötige Wärmewende nicht wirklich voranbringen. Zumindest, wenn man von den nun vorliegenden Eckpunkten ausgeht.

Deutlich weniger CO2-Einsparungen erwartet

"Mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz entfallen zentrale Steuerungsinstrumente", bemängelt etwa Sibylle Braungardt vom Öko-Institut und rechnet vor, dass durch die bestehende 65-Prozent-Vorgabe zur Verwendung erneuerbarer Energie im Heizungsbereich rund 30 Millionen Tonnen CO2 zwischen 2024 und 2030 eingespart werden könnten. Diese Vorgabe soll nun komplett wegfallen und durch eine Grüngas- und Grünölquote für den Betrieb herkömmlicher "fossiler" Heizungen ersetzt werden.

Eine Person benutzt einen alten Heizkörper in einer Berliner Altbauwohnung.

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Was genau das bedeuten könnte, ist offen. "Die Eckpunkte nennen demgegenüber lediglich eine Einsparung von rund zwei Millionen Tonnen im Jahr 2030 und damit einen Bruchteil dieser Minderungswirkung", sagt Braungardt dem Wissenschaftsdienst SMC. Wie diese "zusätzliche klimapolitische Lücke" bis 2030 geschlossen werden soll, sei dabei völlig offen.

Nach den eigenen Klimazielen muss Deutschland seine Treibhausgase insgesamt bis 2030 um mindestens 65 Prozent gegenüber 1990 senken. Bis 2045 soll das Land klimaneutral sein. Daneben gibt es EU-Vorgaben, die verbindlich für einzelne Sektoren wie den Gebäudebereich gelten. Erfüllt Deutschland diese bis 2030 nicht, was von vielen erwartet wird, dann müssen Emissionsrechte teuer von anderen Ländern dazugekauft werden.


Keine Abschätzung der Folgen des Gesetzes

Es sei "nicht erkennbar, wie die EU-Vorgaben zur Emissionsminderung im Gebäudesektor erreicht werden sollen", sagt auch Karen Pittel vom ifo Zentrum für Energie, Klima und Ressourcen. Es gebe nicht mal modellgestützte Szenarien.

Nach der langen Vorbereitungsphase hätte eine solche Folgenabschätzung erwartet werden können.

Prof. Karen Pittel, ifo Zentrum für Energie, Klima und Ressourcen

Öl- und Gasheizungen müssten nach den Eckpunkten ab 2029 zu steigenden Anteilen mit Brennstoffen wie Biomethan und synthetischem Treibstoff betrieben werden. Völlig offen sei dabei, wie hoch diese Grüngas- und Grünölquote sein soll und wie schnell sie steigen soll. "Dies ist aber die zentrale Stellschraube für ihre klimapolitische Wirkung", kritisiert Sibylle Braungardt.

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Grünöl und Grüngas "knapp und teuer"

Jan Rosenow, Energieexperte an der University of Oxford, weist auf ein weiteres Problem hin: "Eine pauschale Grüngasquote scheint auf den ersten Blick klimapolitisch attraktiv, stößt aber schnell an Mengen- und Kostengrenzen." Anders gefragt: Woher soll all das Biogas und -öl zu erschwinglichen Preisen herkommen? Biomethan etwa ist knapp und wird in der Industrie gebraucht. Anbauflächen stehen außerdem in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion.

Wenn wir Grüngas breit im Wärmemarkt verteilen, riskieren wir hohe Kosten bei begrenztem Klimanutzen.

Prof. Jan Rosenow, University of Oxford

Elektrische Lösungen in vielen Gebäude seien deutlich sinnvoller und effizienter, erneuerbare Gase dagegen knapp und teuer. Steigende Kosten würden vor allem Haushalte treffen, "die aus finanziellen oder strukturellen Gründen im Gassystem verbleiben", warnt Sibylle Braungardt.

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25.02.2026 | 1:42 min

Scharfe Kritik von Umweltverbänden

Umweltverbände wie der BUND schlagen noch schärfere Töne an - die Organisation beklagt: Die neuen Vorgaben seien ein "Geschenk an die Gaswirtschaft und ein klimapolitischer Kahlschlag zu Lasten der Verbraucher*innen." Die Gefahr sei groß, dass diese an Gas- und Ölheizungen festhalten und in die "Kostenfalle" tappen.

Auch Karen Pittel erwartet unterm Strich wenig Positives: "Insgesamt können sowohl die Machbarkeit der Klimazielerreichung als auch die finanziellen Auswirkungen auf private Haushalte in Zweifel gezogen werden", so ihr Fazit. "Auch ob die Akzeptanz der neuen Regelungen höher sein wird, sehe ich kritisch."

Positiv sieht sie immerhin, dass die Förderung alternativer Heizungssysteme wie Wärmepumpen grundsätzlich beibehalten werden soll. Details gibt es aber auch dazu noch nicht.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.

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Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, etwa am 25.02.2026 die heute-Sendung ab 19:00 Uhr und am 24.02.2026 das heute journal ab 21:45 Uhr.

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