Rekordjahr für den Kranich:Euphorie bei der Lufthansa - wäre da nicht die Golfkrise
von Frank Bethmann
Die Lufthansa-Gruppe hat 2025 den höchsten Umsatz der Geschichte eingeflogen. Doch der Krieg im Nahen Osten belastet den Konzern. Aber die Frachttochter könnte profitieren.
Niedrigere Spritkosten und weniger Ausgaben für Verspätungen haben der Lufthansa 2025 mehr Gewinn gebracht. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg um 19 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro.
06.03.2026 | 0:26 minEigentlich sollte heute ein guter Tag für Lufthansa sein. Der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr präsentierte den Geschäftsbericht - und die Zahlen sind beachtlich. Europas größte Airline-Gruppe verzeichnete 2025 das umsatzstärkste Jahr ihrer Unternehmensgeschichte.
Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent. Fast noch wichtiger: Der Konzern steigerte auch seinen Gewinn (vor Steuern und Abgaben) deutlich auf zwei Milliarden Euro (Vorjahr: 1,6 Milliarden Euro).
Die Deutsche Lufthansa entstand durch die Fusion zweier Fluggesellschaften. 2026 feiert das Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen.
06.01.2026 | 1:24 minKrieg in Nahost belastet den Sanierungskurs
Doch zeitgleich steht der Konzern vor einer seiner größten Herausforderungen seit der Corona-Pandemie. Der eskalierende Krieg im Nahen Osten lähmt den Luftverkehr in einer ganzen Region.
Was die Frage aufwirft: Kann die Lufthansa ihren "Transformationskurs", den sie vergangenes Jahr eingeschlagen hat, erfolgreich fortsetzen? Gelingt es in einem schwierigen Marktumfeld, die Kernmarke Lufthansa Airlines weiter zu stabilisieren? Mit dem "Turnaround-Programm" will man die Sanierung vor allem durch die Modernisierung der Flotte und einem weiterhin strikten Sparkurs fortsetzen.
Zahlreiche Flughäfen werden derzeit nicht angeflogen
Was dieser Tage auf den Anzeigetafeln von Düsseldorf bis München steht, ist nicht nur ein Schock für Reisende, es bereitet auch der Lufthansa großes Kopfzerbrechen. Die Airlines der Lufthansa Group, zu denen neben Lufthansa unter anderem auch Swiss, Austrian Airlines, ITA Airways und Eurowings gehören, setzen ihre Flüge nach Tel Aviv, Beirut, Amman, Erbil, Dammam und Teheran nach aktuellem Stand bis einschließlich 8. März aus.
Dubai und Abu Dhabi waren bis zum vergangenen Mittwoch ebenfalls gestrichen. Und auch der Luftraum über Israel, Libanon, Jordanien, Irak, Katar, Kuwait, Bahrain und Iran wird derzeit gemieden.
Wegen den Angriffen auf Iran ist der Flugverkehr im Nahen Osten fast vollständig ausgefallen. Tausende Menschen sind an Flughäfen gestrandet. Diana Zimmermann berichtet.
02.03.2026 | 1:16 minLufthansa spürt Belastungen unmittelbar
Die Region ist ein wichtiges Drehkreuz zwischen Europa und Asien, das wegen der Sperrung des russischen Luftraums infolge des Ukraine-Kriegs zuletzt noch mehr an Bedeutung gewonnen hatte. Dieser Transit-Korridor ist derzeit weitestgehend blockiert. Flugzeuge müssen massive Umwege fliegen, Crews stranden weltweit. Durch die Entwicklung im Mittleren Osten mit den verbundenen geopolitischen Folgen für die Weltwirtschaft steigt die mittel- und langfristige Unsicherheit.
Die dortige Krise macht eine Ergebnisprognose zum gegenwärtigen Zeitpunkt schwieriger.
Till Streichert, Finanzvorstand der Lufthansa
Ölpreissteigerung ein Problem für Lufthansa
Klar ist, dass vor allem die stark gestiegenen Ölpreise für die Airline zum Problem werden könnten. Nicht sofort, denn die Lufthansa sichert am Finanzmarkt die Treibstoffkosten ab, so dass sie das Kerosin zu vorher festgelegten Kursen kaufen kann. Doch sollte der Ölpreis längerfristig hoch bleiben, dürfte sich das über kurz oder lang auch in den Büchern der Fluggesellschaft negativ bemerkbar machen.
Eine Spritpreisbremse sollte gut überlegt sein. Aber wenn es in kurzer Zeit zu sehr hohen Preisen kommen sollte, müsse es zu einer Intervention kommen, sagt Top-Ökonom FeIbermayr.
04.03.2026 | 19:50 minWas die Dauerbaustellen der Lufthansa sind
Als wäre der Krieg mit Iran allein nicht schon Herausforderung genug, schleppt die Lufthansa gegenwärtig noch weitere Probleme mit sich. Lufthansa Airlines, die Kernmarke, schreibt durch ihr "Turnaround-Programm" erst seit kurzem wieder schwarze Zahlen. Die Vorgaben für die kommenden Jahren aber sind derart ambitioniert, dass jede externe Schockwelle die Ziele in Gefahr bringt.
Lufthansa will bis 2030 rund 4.000 Stellen abbauen. Prozesse in der Verwaltung sollen digitalisiert und gebündelt werden. Sina Mainitz berichtet über die Strategie von Lufthansa.
29.09.2025 | 1:27 minZudem drohen wieder Streiks. Diesmal bei der Tochter Cityline. Noch im Februar stimmten Piloten der Lufthansa Cityline über Arbeitskampfmaßnahmen ab. Arbeitsniederlegungen haben Lufthansa in den vergangenen Jahren Hunderte von Millionen Euro gekostet und dem Konzernimage geschadet.
Streit mit Piloten und Kabinenpersonal:Lufthansa: Streik führt zu zahlreichen Flugausfällen
Luftfrachttochter profitiert von Turbulenzen
Dagegen könnte die Frachttochter Lufthansa Cargo paradoxerweise ausgerechnet vom Nahost-Konflikt profitieren - zumindest mittelfristig. Da die Schifffahrt durch die Straße von Hormus und den Suezkanal massiv gestört ist, ist die Luftfracht mehr denn je gefragt.
Lufthansa Cargo konnte seinen Gewinn im vergangenen Jahr um 30 Prozent steigern und hat zuletzt sein Netzwerk in der Region Mittlerer Osten und Afrika gezielt ausgebaut. Lufthansa betont, dass die Konzerntochter ihr Netzwerk auch kurzfristig anpassen könne, um auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können.
Mit dem Iran-Krieg ist nun offenbar so ein Ereignis eingetreten. Und so zynisch das klingen mag: Für die Frachtfluggesellschaften scheinen sich die derzeitigen Turbulenzen zu einem guten Geschäft zu entwickeln.
Frank Bethmann ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
Der "Kranich" feiert Geburtstag:100 Jahre Lufthansa: Eine deutsche Jahrhundertgeschichte
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