Geplantes Kupferbergwerk in der Lausitz:Warum Spremberg um sein Trinkwasser fürchtet
von Samira Najafian und Stefan Ebling
Europa will mehr Rohstoffe selbst fördern. Und unter Spremberg in Brandenburg liegt ein großes Kupfervorkommen. Doch Naturschützer fürchten um die Trinkwasserqualität.
In jedem Rechenzentrum stecken Kupfer und Seltene Erden. Doch Europa hat von diesen Rohstoffen zu wenig. Können wir dennoch mithalten im Kampf um Macht, Abhängigkeit und unsere digitale Zukunft?
01.11.2026 | 43:34 minRohstoffe in Europa fördern, statt sie zu importieren: Das will die EU mit dem Critical Raw Materials Act (CRMA) erreichen. Bis 2030 sollen mindestens zehn Prozent des Bedarfs an strategischen Rohstoffen aus europäischen Bergwerken kommen. Dazu zählt Kupfer, das in Stromnetzen, E-Autos und Windrädern steckt. Deutschland muss Kupfererz bislang vollständig importieren.
Ein Vorkommen liegt unter Spremberg in der Lausitz. Nach Angaben der Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL) sind es in 800 bis 1.500 Metern Tiefe rund 1,5 Millionen Tonnen Kupfer, die sie über etwa 20 Jahre fördern will.
Manche in der Stadt hoffen nach dem Ende der Braunkohleförderung auf neue Industriearbeitsplätze. Andere bleiben skeptisch. Sie haben den Braunkohleabbau über Generationen erlebt und wissen, was Bergbau für Natur und Landschaft bedeutet.
In Deutschland sinken seit Jahren die Wasserbestände in Seen, auch in Brandenburg verlieren Seen immer mehr Wasser oder trocknen sogar komplett aus. Wie wirkt der Wassermangel auf die Kommunen?
27.08.2026 | 1:53 minKupferbergwerk Spremberg: Bau nahe Trinkwasserquelle
Die oberirdischen Anlagen des Bergwerks, die sogenannten Tagesanlagen, sollen in einem Waldgebiet östlich der Stadt entstehen. Für den Naturschutzverein NATURA Spremberg liegt genau dort das Problem.
Da, wo wir jetzt gerade stehen, hier unten drunter, unter unseren Füßen, entsteht das Trinkwasser von Spremberg. Und genau hier sollen die Tagesanlagen rein.
Kai-Uwe Reipert, Vorsitzender NATURA Spremberg e.V.
Werden dort Anlagen und Halden gebaut, wird der Boden versiegelt. Neues Grundwasser könne sich dann kaum noch bilden, sagt der Geotechniker Michael Pfeifer, der sich für den Verein mit dem Projekt befasst. Zudem könnten nach dem Ende des Bergbaus Salze aus der Tiefe aufsteigen und Brunnen versalzen.
Deutschland, ein wasserreiches Land? Die Grundwasserstände zeigen bedenkliche Trends. Die Aufbereitung des Trinkwassers wird teurer, aber die Entnahme für Industrie und Co. bleibt meist günstig.
22.03.2026 | 30:19 minNicht nur die Gegner sorgen sich. 2023 prüfte die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg das Vorhaben und konnte Schäden für die Umwelt auf Grundlage der Unterlagen nicht ausschließen. Als Konflikte nannte sie mögliche Beeinträchtigungen des Wasserwerks Spremberg und die geplante Einleitung von salzhaltigem Grubenwasser in die Spree.
Der Fluss wird nach dem Kohleausstieg ohnehin deutlich weniger Wasser führen. Laut einer Studie für das Umweltbundesamt stammt heute gut die Hälfte des Spreewassers bei Cottbus aus abgepumptem Grundwasser der Braunkohletagebaue. Zusätzliches Grubenwasser würde einen kleineren Fluss stärker belasten.
Deutschland will unabhängiger von Rohstoffimporten werden. Dafür hat das Umweltministerium einen Plan vorgelegt. Kritik kommt aus der Branche. Sie will einklagbare Verpflichtungen.
03.06.2026 | 2:34 minKupfer-Unternehmen: Neue Planung mit höheren Standards
Die Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL) hat das Projekt nach eigenen Angaben grundlegend überarbeitet, mit höheren Umweltstandards. Ob das reicht, soll eine neue Raumverträglichkeitsprüfung klären, in deren Mittelpunkt der Wasserhaushalt steht. Eröffnet wird sie voraussichtlich nicht vor Ende 2026, danach folgt ein mehrjähriges Genehmigungsverfahren. Gegenüber dem ZDF wollte sich die KSL mit Verweis auf die Prüfung nicht äußern.
In diesem Wald östlich von Spremberg sollen die Tagesanlagen des Kupferbergwerks entstehen.
Quelle: Jonathan GaubatzEU-Rohstoffziele: Wer trägt die Folgen?
Der Critical Raw Materials Act (CRMA) soll solche Verfahren beschleunigen: Für Bergwerke, die die EU als strategisch wichtig einstuft, soll die Genehmigung höchstens 27 Monate dauern. Unter bestimmten Bedingungen können sie sogar Vorrang vor dem Gewässer- und Naturschutz bekommen. Spremberg gehört bislang nicht zu diesen "strategischen Projekten". Für Martin Erdmann, Geologe bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), hat eigener Bergbau auch eine moralische Seite.
Man muss da nicht immer mit dem Finger auf andere zeigen […], sondern man würde etwas mehr Verantwortung übernehmen, indem man ja den eigenen Bedarf auch zumindest zum Teil mit eigenen Vorkommen deckt.
Martin Erdmann, Geologe, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)
Wegen des Kohleausstiegs fließen Fördergelder in die Lausitz, welche die Wirtschaft und die Infrastruktur verbessern sollen. Laut der Bewohner kommen diese in den Dörfern jedoch nicht ausreichend an.
15.05.2026 | 1:45 minIn Spremberg fragen sie, wer die Folgen trägt, wenn das Bergwerk wieder schließt.
Was dann? Wie geht es dann weiter nach den 20 Jahren? Der Investor ist dann sicherlich verschwunden.
Roger Paulisch, NATURA Spremberg e.V.
Der Streit um das Kupfer unter Spremberg zeigt, wie schwer sich Europas Rohstoffziele vor Ort umsetzen lassen. Gerade in einer Region, die die Folgen des letzten Bergbaus noch nicht hinter sich hat.
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