Zwischen Russland und den USA:Wie sich die EU in der Arktis behaupten will
von Julia Rech und Ulf Röller
Wer kontrolliert die Arktis? China, Russland und die USA wollen ihren Einfluss in der Region ausbauen. Die EU will mitspielen. Ein Gipfel soll helfen, Europas Stärke zu finden.
Europa beginnt, eigene Interessen in der Arktis zu untermauern. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen etwa hat in Grönland ein millionenschweres Investitionspaket angekündigt.
08.09.2026 | 2:43 minEs gibt Tage, da scheint die Arktis noch weiter weg im Bewusstsein der Europäer und Deutschen als sonst schon. Letzten Sonntag ist so ein Tag gewesen. Während im fernen Sachsen-Anhalt die Wahl eine politische Kernschmelze in Gang setzt, treibt die Kommissionspräsidentin der EU an Eisbergen vorbei.
Der Besuch von Ursula von der Leyen in Grönland geht im Aufstieg der Rechtspopulisten ein wenig unter. Er soll ein Lebenszeichen der Europäer in einer Region sein, in der Weltmächte um Einfluss ringen.
Grönland hat wichtige Rohstoffe
Von der Leyen will für ihre Klimapolitik werben und die Arktis als Interessengebiet markieren. Der entscheidende Satz auf dieser Reise:
Grönland gehört zu Europa.
Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin
Diese Botschaft geht vor allem an US-Präsident Donald Trump, der immer wieder damit droht, sich Grönland einverleiben zu wollen.
Grönland ist wie eine Schatztruhe, die noch nicht geöffnet wurde. Es besitzt strategische Rohstoffe wie Seltene Erden, die lebenswichtig für die Zukunftsindustrien sind. Noch liegen sie tief unter dem Eis begraben, aber durch den Klimawandel kann man leichter an sie gelangen. Die ganze Welt hat ein Auge auf das "Gold der Zukunft" geworfen.
EU sucht nach einer Strategie in der Arktis
Grönland steht beispielhaft für die ganze Arktis. Rohstoffreich und damit von Interesse für die Weltmächte. Nicht nur Trump schaut gierig darauf, auch die Chinesen und die Russen. Europa will da nicht hintenanstehen.
Auf dem Arktis-Gipfel der Europäer in Finnland heute und morgen, der Bundeskanzler wird dabei sein, suchen die Regierungschefs nach Strategien, die Region stärker an Europa zu binden. Aber die eigentliche Schlacht ist die Schlacht um die militärische Vorherrschaft in der Region.
Ursula von der Leyen war in Grönland und sendet damit eine europäische Botschaft. Die EU will zukünftig helfen, die Rohstoffe Grönlands zu bergen, so ZDF-Korrespondent Ulf Röller.
09.09.2026 | 3:34 minRussland greift nach der Arktis
Russland besitzt mit Abstand den größten militärischen Fußabdruck in der Arktis. Dazu gehören Flugplätze, Radar- und Luftverteidigungsstellungen, Tiefwasserhäfen entlang der russischen Nordküste und auf vorgelagerten Inseln.
Im Moment bindet der Ukraine-Krieg Russlands Kraft, aber langfristig träumt Wladimir Putin davon, die Arktis zu einem Vorposten Russlands zu machen.
In der Arktis treffen die Interessen und Ansprüche unterschiedlicher Länder aufeinander. Eine grafische Übersicht.
16.01.2026 | 1:26 minTrump schreckt Europa auf
Darauf muss der Gipfel eine Antwort finden. Als wäre dies nicht schon schwer genug, bedroht Europas Sicherheit auch noch ein Feind von innen, ein Nato-Partner. Trump hat mit seinen Grönland-Invasions-Fantasien alle aufgeschreckt.
Europa rüstet seitdem in der Region auf. Die Strategie in der Nato dazu heißt Arctic Sentry. Sie soll Trumps Forderung nach militärischer Präsenz befriedigen und gleichzeitig Spannungen in der Nato verringern, aber auch europäische Interessen vertreten.
Die Nato erhöht ihre Arktis-Präsenz. Offiziell, um vor allem russischen Interessen entgegenzutreten. Inoffiziell spielt aber auch Trumps Griff nach Grönland eine große Rolle.
12.02.2026 | 2:32 minEuropa will keine Konfrontation mit den USA
Ein Drahtseilakt für den Arktis-Gipfel der Europäer: Trump einbinden und ihn gleichzeitig kontrollieren. Selten gelingt das so ganz. Offen wird keiner mit Trump in die Konfrontation gehen.
Grönland schon gar nicht. Die Insel hat 56.000 Einwohner. Amerika wäre stärker. Auch Dänemark, zu dem Grönland sicherheitspolitisch gehört, macht immer wieder auf die Souveränität der Insel aufmerksam.
Der US-amerikanische Sondergesandte Jeff Landry ist in Grönland. Wie er sagt zum Zuhören und Lernen. Die Grönländer sehen eher einen Versuch der USA, deren Ansprüche auf die Insel zu untermauern.
19.05.2026 | 2:01 minArktis-Gipfel soll kein Anti-Trump-Gipfel sein
Auch Europa steht an der Seite Grönlands, aber es will Trump nicht provozieren. Auf dem Gipfel darf nicht der Eindruck entstehen, es sei ein Anti-Trump-Gipfel. Deshalb geschieht vieles unter dem Radar. Die Dänen bauen ihr militärisches Engagement in Grönland aus. Die Europäer wollen ihre Fähigkeiten in der Arktis besser koordinieren und stärken.
Wie sagte von der Leyen auf ihrer Grönland-Reise:
Wir wissen, in der Arktis stoßen sich die geostrategischen Interessen der Mächtigen.
Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin
Nicht nur Russland und China sind damit gemeint, sondern vor allem Donald Trump. Der Feind der Europäer lauert in den eigenen Reihen.
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