Tag der Ozeane: Suche nach Plastikmüll in der arktischen Tiefsee

Tag der Ozeane:Suche nach Plastikmüll in der arktischen Tiefsee

von Alina van Wezel und Katharina Weisgerber 

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Im Juli startet die "Polarstern" zu einem Arktis-Tiefsee-Observatorium. Meeresbiologin Bergmann untersucht, wie weit die Plastikverschmutzung im Nordpolarmeer fortgeschritten ist.

Das Forschungsschiff Polarstern in der Arktis.

Fernab jeglicher Zivilisation - in der arktischen Tiefsee - sammelt sich immer mehr Mikroplastik an. In einem Tiefsee-Observatorium wird geforscht, wie stark die Vermüllung voranschreitet.

08.06.2026 | 1:25 min

Jährlich gelangen bis zu 23 Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere. Mehr als die Hälfte des Mülls auf dem arktischen Tiefseeboden besteht inzwischen aus Plastik.

"Wir setzen ein geschlepptes Kamerasystem ein, um zu schauen, ob sich die Menge von Müll am Meeresboden, die sich ja bis 2017 tatsächlich versiebenfacht hatte, ob der Trend sozusagen weitergeht", erklärt Melanie Bergmann, Meeresbiologin am Alfred-Wegener-Institut (AWI) ein wichtiges Ziel dieser Expedition ins Nordpolarmeer.

Besorgniserregende Entwicklung

Jedes Jahr machen die Wissenschaftler bei ihren Besuchen des Stationsnetzwerks "Hausgarten" westlich von Spitzbergen umfangreiche Messungen vom Meeresboden bis hin zur Oberfläche.

Die wissenschaftliche Routine offenbart seit Jahren eine besorgniserregende Entwicklung: Selbst in den entlegensten Regionen der Erde nimmt die Plastikverschmutzung deutlich zu.

Bei der letzten Erhebung hatten wir im Sediment in einer Station über 13.000 Teilchen Mikroplastik pro Kilogramm Sediment. Das ist sehr, sehr viel, wenn wir daran denken, dass das eben in der Arktis und in der Tiefsee ist.

Melanie Bergmann, Meeresbiologin

Die Zahlen zeigen deutlich, dass auch abgelegene Regionen längst Teil einer globalen Verschmutzungskrise sind.

Die "Polarstern" ist nach einer Antarktis-Expedition zurück in Bremerhaven.

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15.05.2026 | 2:36 min

Wie landet der Plastikmüll in der Arktis?

Die Tiefsee dieser Meeresregion entwickele sich zu einem Endlager für mikroskopisch kleine Kunststoffteilchen, befürchtet die Wissenschaftlerin. Das Plastik gelange über mehrere zentrale Wege in die Arktis:

Zum einen ist es so, dass durch den Eisrückgang immer mehr menschliche Aktivitäten auch in der Region stattfinden. Wir finden immer mehr Kreuzfahrtschiffe und Fischerei vor Ort. Und da, wo der Mensch sich aufhält, gelangt eben auch Müll und Mikroplastik in die Umwelt.  

Melanie Bergmann, Meeresbiologin

Auch Ozeanströmungen seien ein großer Antreiber. Die Framstraße, in der sich der "Hausgarten" des AWI befindet, ist ein Knotenpunkt globaler Meeresströme. Hier treffen Plastikpartikel aus dem Atlantik und der Arktis aufeinander, sinken und lagern sich am Meeresboden ab.

Karte, Framstraße

Die Framstraße ist ein Seeweg zwischen Grönland und Spitzbergen.

Quelle: ZDF

Ein dritter Weg über die Atmosphäre würde laut der Biologin häufig aber nicht beachtet: "Durch die Luftzirkulation driften Schadstoffe aus der Luft, und dazu gehört auch Mikroplastik, in diese Region. Das kann innerhalb von drei Tagen bis zu einer Woche aus unseren Breiten bis in die Arktis dauern. Das geht also sehr schnell."

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17.01.2026 | 1:29 min

Plastik und Klimawandel - eine gefährliche Wechselwirkung

Ein zentrales Problem ist die Zersetzung von Plastik: Durch UV-Strahlung, Wellengang und Abrieb zerfallen größere Teile in Mikroplastik. Besonders gefährlich, denn diese Kleinstteile werden von Tieren aufgenommen und verbreiten sich in der Nahrungskette. 

Aber nicht nur das Ökosystem leidet unter der Vermüllung des Nordpolarmeeres: "Je mehr wir untersuchen, desto mehr Wechselwirkungen finden wir zwischen Plastikverschmutzung und Klimawandel", betont Bergmann. Zum Beispiel verringere sich die Rückstrahlkraft der Sonne, wenn sich dunkles Mikroplastik auf weißen Flächen wie Schnee oder Eis absetze.

Es wird mehr Wärme aufgenommen und dadurch schmilzt es noch schneller. Dadurch wird eben unter Umständen die Erderhitzung weiter angefeuert.

Melanie Bergmann, Meeresbiologin

 Eine pazifische grüne Meeresschildkröte schwimmt durch das Wasser.

Die Weltmeere haben 2025 eine Rekordmenge an Wärme aufgenommen - es ist das neunte Jahr in Folge. Das zeigt eine Studie chinesischer Forscher.

09.01.2026 | 0:22 min

Müll wird weiter zunehmen

Laut der Meeresbiologin steigt die Plastikproduktion weiterhin stark an und könnte sich bis 2060 verdreifachen. Das wirke sich auch auf das Plastikvorkommen in den Ozeanen aus: "Meine Vermutung ist, dass sich der Trend fortsetzen wird", sagt Bergmann.

Wir werden immer mehr Müll finden - auch in der Arktis.

Melanie Bergmann, Meeresbiologin

Im Herbst rechnet die AWI-Forscherin mit neuen Zahlen zum Müllvorkommen, die sie mit der letzten Erhebung von 2017 vergleichen wird. Dann werden die wissenschaftlichen Ergebnisse zeigen, ob sie mit ihren Prognosen richtig liegt.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Plastikflut in der Arktis nimmt weiter zu" am 08.06.2026 um 13:02 Uhr.

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