"Polarstern" kehrt zurück - Ein Tag unter Meereis-Forschern

Schiff kehrt zurück nach Bremerhafen:Unter Meereis-Forschern: Zu Gast auf der "Polarstern"

von Alexander Poel, Katharina Weisgerber

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Seit Februar erforschte das "Polarstern"-Team das Weddellmeer in der Antarktis. Wir verbrachten einen Tag auf dem Forschungsschiff - heute kehrt es zurück nach Bremerhaven.

Das Forschungsschiff "Polarstern" erkundet das Weddellmeer.

Das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" kehrt nach der längeren Expedition in die Antarktis zurück in den Heimathafen.

Quelle: Alfred-Wegener-Institut / Ilka Peeken

Ein Start- und Landeplatz für Helikopter im Norden von Amsterdam. Hier beginnt unsere Reise auf die "Polarstern", dem Forschungs-Eisbrecher, der als das größte Pfund der deutschen Polarforschung gilt. Wir müssen etwas warten, weil vor uns noch ein weiterer Flug stattfindet: Dorothee Bär, die deutsche Forschungsministerin, will sich ein Bild von der Arbeit auf dem Schiff und den Erkenntnissen der Forschenden machen.

"Polarstern" im Dauereinsatz

Als wir dran sind, geht es ziemlich flott: Unter Anleitung des Piloten müssen wir Schwimmwesten anlegen. Etwa 15 Minuten des Fluges finden über dem offenen Meer statt. Bei sonnigem Wetter heben wir in Richtung Westen ab. Entlang des Nordseekanals, vorbei an Windfarmen, Werften und Raffinerien, geht es raus aufs Wasser. Und dann, nach ein paar Minuten, taucht sie unter uns auf: "Polarstern Bremerhaven" steht in großen Lettern auf dem Heck des Schiffes.

In Dienst gestellt 1982, hat die "Polarstern" knapp zwei Millionen Seemeilen oder 3,6 Millionen Kilometer zurückgelegt. Fast das ganze Jahr - 305 Tage - ist das Schiff in der Arktis und der Antarktis im Einsatz. An Bord: 44 Besatzungsmitglieder und bis zu 55 Forschende.

Blick auf eine Insel im Weddellmeer, die bisher auf Seekarten noch nicht verzeichnet war. Aufgenommen am 26.03.2026.

Die Crew der Polarstern hat auf ihrer Antarktis-Expedition eine bislang unentdeckte Insel gefunden. Wie groß die Insel ist und wie sie aussieht, sehen Sie im Video.

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Schützende Schicht für den Ozean fehlt

Zu ihnen gehört auch Stefanie Arndt, Meereisphysikerin am Alfred-Wegener-Institut, in dessen Auftrag die "Polarstern" unterwegs ist. Arndt untersucht die Ausdehnung der Meereisflächen in der Antarktis. Ihr Befund: Das Eis geht zurück. "Ich komme gerade aus der Antarktis und habe auf unserer Expedition ganz stark beobachten können, dass das Gebiet, in dem wir uns bewegt haben, relativ eisfrei war", erzählt uns Arndt. Eine durchaus dramatische Entwicklung, da das Meereis für die Ozeane eine Art Schutzschicht darstellt.

Wenn diese Schicht fehlt, bedeutet das, dass der Ozean wärmer wird. Wir beobachten seit vielen Jahren einen Anstieg dieser Temperaturen.

Stefanie Arndt, Meereisphysikerin am Alfred-Wegener-Institut

Das Arbeitsumfeld der Forschenden auf der "Polarstern" kann man durchaus als rustikal beschreiben. Die meisten Labore sind in Containern untergebracht, und logischerweise ist es im Arbeitsbereich einer Meereisforscherin nicht gerade kuschelig warm. Das Schiff verfügt über Internet, dessen Stabilität und Kapazität allerdings schwankt.

"Polarstern" - eine Mischung aus Jugendherberge und Exzellenz-Uni

Die Ausstattung der Unterkünfte, in denen wir untergebracht sind, ist dann doch erstaunlich komfortabel: Ein Bett, Sitzecke mit Tisch, eine kleine "Nasszelle", wie man auf der "Polarstern" das Badezimmer nennt. Die Toilette erinnert stark an die in einem Flugzeug. Der Tag auf dem Forschungsschiff: eine Mischung aus Jugendherberge und Exzellenz-Uni.

Die Forschungsreise der "Polarstern" galt der Meereisbedeckung während des Sommers auf der Südhalbkugel. Anders als in der Arktis im Norden war das Meereis in der Antarktis lange Zeit relativ stabil. Aber seit etwa zehn Jahren geht auch im Weddellmeer die Meereisausdehnung stark zurück. Im Fokus des 93-köpfigen internationalen Expeditionsteams steht deshalb die Frage: Wie dick sind Meereis und Schnee, wie haben sie sich über die letzten Jahre verändert?

Polarstern-Expedition SWOS

Das Forschungsteam nimmt Proben von Wasser und Eis, um weitere Untersuchungen durchführen zu können.

Quelle: Alfred-Wegener-Institut / Ilka Peeken

Antarktis: Dicke des Schnees auf dem Eis nimmt ab

"Meereis bildet sich auf dem Meer durch die kalte Luft. Die Dicke hängt nicht nur von der Lufttemperatur, sondern auch von der Wärme im Wasser, von den Winden und der Meeresströmung ab", erklärt Meereis-Physiker Christian Haas vom Institut für Umweltphysik an der Universität Bremen.

"Wir haben herausgefunden, dass sich die grundsätzliche Dicke des Eises nicht so sehr verändert hat, die ist nach wie vor zwischen anderthalb und zwei Meter. Aber was sich wesentlich geändert hat, ist die Dicke des Schnees."

Während vor zehn Jahren und davor auch am Ende des antarktischen Sommers immer noch mehrere Zentimeter Schnee auf dem Eis gelegen haben, hat der jetzt eben komplett gefehlt.

Christian Haas, Meereisphysiker am Alfred-Wegener-Institut

Auch in der Antarktis schmilzt das Eis zunehmend von oben

Anders als in den Vorjahren stellten die Wissenschaftler fest, dass auch in der Antarktis das Eis zunehmend von oben schmilzt, durch Lufttemperatur und Sonneneinstrahlung. Ein Phänomen, das eher typisch für die Arktis im Norden ist, wo sich dann Schmelztümpel auf dem Eis bilden.

"Nur wenn man sowohl die Oberseite und die Atmosphäre als auch die Unterseite und den Ozean betrachtet, kann man unterscheiden, aus welchem Grund es weniger Meereis gibt. Wir müssen in Arktis und Antarktis gleichermaßen forschen. Die Antarktis ist weniger erforscht, weil sie so groß ist, und so weit weg. Gerade solche Untersuchungen, wie wir sie jetzt durchgeführt haben, liefern wirklich neue Erkenntnisse", betont AWI-Expeditionsleiter Haas die Bedeutung dieser Expedition.

Heute kehrt der deutsche Forschungseisbrecher nach Bremerhaven zurück. An Bord: viel Eis, viel Wasser, ein Container voll mit biologischen Proben und lebende Fische aus dem Südpolarmeer.

Über das Thema berichtete das ZDF im heute journal update am 14.05.2026 ab 0:15 Uhr.

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