Antarktis-Expedition:Wie die "Polarstern"-Crew eine neue Insel entdeckte
von Katharina Weisgerber
Seit Februar erforscht das Expeditionsteam der "Polarstern" das Weddellmeer in der Antarktis. Als sie wegen rauen Wetters ihre Fahrt unterbrechen, machen sie eine Entdeckung.
Die Crew der Polarstern hat auf ihrer Antarktis-Expedition eine bislang unentdeckte Insel gefunden. Wie groß die Insel ist und warum sie noch nicht betreten wurde, sehen Sie im Video.
10.05.2026 | 1:06 minAuf den ersten Blick sah es aus wie ein dreckiger Eisberg, der plötzlich vor den Forschern an Bord des Eisbrechers "Polarstern" auftauchte - doch es war Fels. Zwar war der Bereich, den sie durchfuhren, in der Seekarte als Gebiet mit unerforschten Gefahren für die Navigation eingezeichnet. Aber von einer Insel war nichts bekannt.
Namenlose Insel in der Antarktis
"Das Wetter war schlecht, die Sicht nicht besonders gut und deswegen guckt man auf das Radar und aus dem Fenster, ob man irgendwelche Hindernisse vor sich sieht", beschreibt Expeditionsleiter Christian Haas den Moment. "Wir sind dann bis auf 150 Meter Entfernung und 50 Meter Wassertiefe rangefahren."
So eine Insel taucht nicht plötzlich so aus dem Wasser auf, die hat einen Festlandsockel unter dem Wasser. Und weil wir sehr gute Seevermesser mit ihrem Fächer-Echolot an Bord hatten, haben wir den Meeresboden um die Insel herum vermessen.
Christian Haas, Expeditionsleiter
Anhand von Drohnenfotos sei dann eine genauen Höhenkarte zusammengefügt worden.
Die neu entdeckte Insel liegt im Weddellmeer in der Nähe von Joinville Island.
Quelle: ZDF150 Meter ist die Insel lang, 60 Meter breit und 16 Meter hoch, und damit ungefähr doppelt so groß wie die "Polarstern". Auf das kleine Eiland konnten die Forscher nicht gelangen, dafür war der Seegang zu stürmisch, die Brandung der Wellen zu stark.
Weil die Insel in der Antarktis liegt, gehört sie niemandem, also das ist jetzt keine Entdeckung von Neuland.
Christian Haas, Expeditionsleiter
"Aber unser Vermessungsteam hat einen Namen vorgeschlagen, den ich aber jetzt noch nicht verraten möchte", sagt Haas. Im Antarktisvertrag gebe es ein Komitee, das Ortsnamen festlege. Dann werde die Insel in die neuesten Seekarten aufgenommen.
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11.07.2024 | 3:40 minPolarstern: Meereis in Antarktis verändert sich gravierend
Die Forschungsreise der "Polarstern" galt der Meereisbedeckung während des Sommers auf der Südhalbkugel. Anders als in der Arktis im Norden war das Meereis in der Antarktis lange Zeit relativ stabil. Aber seit etwa zehn Jahren geht auch im Weddellmeer die Meereisausdehnung stark zurück.
Im Fokus des 93-köpfigen internationalen Expeditionsteams deshalb die Frage: Wie dick sind Meereis und Schnee, wie haben sie sich über die letzten Jahre verändert?
Fast ein Jahr war die Polarstern in der Arktis unterwegs, um das Nordpolarmeer zu erforschen. An Bord: 300 Wissenschaftler aus 20 Nationen. Erste Ergebnisse wurden nun vorgestellt.
15.06.2021 | 3:07 min"Meereis bildet sich auf dem Meer durch die kalte Luft. Die Dicke hängt nicht nur von der Lufttemperatur, sondern auch von der Wärme im Wasser, von den Winden und der Meeresströmung ab," erklärt Meereis-Physiker Haas. "Wir haben herausgefunden, dass sich die grundsätzliche Dicke des Eises nicht so sehr verändert hat, die ist nach wie vor zwischen anderthalb und zwei Meter."
Aber was sich wesentlich geändert hat ist die Dicke des Schnees: Während vor zehn Jahren und davor auch am Ende des antarktischen Sommers immer noch mehrere Zentimeter Schnee auf dem Eis gelegen haben, hat der jetzt eben komplett gefehlt.
Christian Haas, Expeditionsleiter
Auch in der Antarktis schmilzt das Eis von oben
Anders als in den Vorjahren stellten die Wissenschaftler fest, dass auch in der Antarktis das Eis zunehmend von oben schmilzt, durch Lufttemperatur und Sonneneinstrahlung. Ein Phänomen, das eher typisch für die Arktis im Norden ist, wo sich dann Schmelztümpel auf dem Eis bilden.
Die Arktis erwärmt sich deutlich schneller als andere Regionen. Christa Orben erklärt, welche Folgen das für das Wetter in Europa hat.
28.09.2023 | 0:39 min"Nur wenn man sowohl die Oberseite und die Atmosphäre als auch die Unterseite und den Ozean betrachtet, kann man unterscheiden, aus welchem Grund es weniger Meereis gibt", erklärt Haas. Man müsse in Arktis und Antarktis gleichermaßen forschen. Das falle in der Antarktis aber schwerer, weil sie so groß ist und so weit weg. Haas betont die Bedeutung dieser Expedition:
Gerade solche Untersuchungen, wie wir sie jetzt durchgeführt haben, liefern wirklich neue Erkenntnisse.
Christian Haas, Expeditionsleiter
Am kommenden Freitag kehrt der deutsche Forschungseisbrecher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) nach Bremerhaven zurück. An Bord viel Eis, viel Wasser, ein Container voll biologischer Proben und lebende Fische aus dem Südpolarmeer.
Katharina Weisgerber berichtet aus dem ZDF-Studio in Bremen.
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