Diamond League Finale in Brüssel:Agyekum und Bebendorf: Endspurt mit frischen Beinen
von Johannes Fischer
Emil Agyekum und Karl Bebendorf gehen mit guter Spätform ins Diamond-League-Finale. Sorgen die beiden DLV-Läufer für eine Überraschung in Brüssel?
Hat offenbar noch etwas im Tank: 400-Meter-Hürden-Läufer Emil Agyekum, hier nach seinem Sieg-Lauf beim ISTAF in Berlin.
Quelle: dpa | Elisa SchuDie Saison ist lang. Sehr lang sogar. Im September sind die Beine normalerweise schwer, die letzten Körner aufgebraucht. Karl Bebendorf und Emil Agyekum wollen am zweiten Tag des Diamond-League-Finales in Brüssel (Samstag ab 19:55 Uhr im ZDF-Livestream) noch einmal das Gegenteil beweisen. Beide gehen mit überraschend guter Form in ihren letzten großen Wettkampf - und mit der Lust, noch einmal alles herauszuholen.
Für Agyekum ist der Auftritt im König-Baudouin-Stadion ohnehin etwas Besonderes. Der 400-Meter-Hürdenläufer steht erstmals im Diamond-League-Finale, ein Ziel, das er sich schon zu Saisonbeginn gesetzt hatte. "Nach der Weltmeisterschaft ist es das größte Finale, das man in einer Saison erreichen kann", sagt der 27-Jährige im Gespräch mit ZDFheute.
Deshalb freue ich mich sehr auf die Konkurrenz und darauf, am Ende der Saison noch einmal alles zu geben.
Emil Agyekum
Agyekum gegen den Weltrekordler
Und offenbar ist tatsächlich noch etwas im Tank. Beim ISTAF in Berlin lief Agyekum am vergangenen Sonntag 48,18 Sekunden und gewann. "Die Saison war lang, aber ich denke, da ist noch etwas drin", sagt der deutsche Rekordhalter. Seine wichtigsten Ziele hat er ohnehin bereits erreicht: den deutschen Rekord von 47,45 Sekunden, EM-Silber in Birmingham und nun die Finalteilnahme in der Diamond League.
Emil Agyekum knackt den Uralt-Rekord von Harald Schmid, Malaika Mihambo gewinnt, Armand Duplantis kassiert die zweite Saisonniederlage und Josh Kerr rennt einen inoffiziellen Weltrekord.
18.07.2026 | 7:53 minBesonders reizvoll wird das Duell mit Alison dos Santos. Der Brasilianer hat erst vor wenigen Tagen in Zürich den Weltrekord auf 45,80 Sekunden gedrückt und damit die Marke von Karsten Warholm verbessert. Für Agyekum ist das "phänomenal", einschüchtern lässt er sich davon aber nicht. "Am Ende konzentriere ich mich auf mein eigenes Rennen." Die Leistung des Weltrekordlers motiviere ihn vielmehr, selbst noch mehr aus sich herauszuholen.
Das Wichtigste von Tag 1 des Diamond-League-Finales in Brüssel - unter anderem mit Top-Leistungen von Emmanouil Karalis (Stabhoch) und Kristjan Ceh (Diskus). Deutsche kommen nicht aufs Podest.
04.09.2026 | 8:00 minFür Agyekum sind die letzten Rennen der Saison ohnehin Bonus. Für die World Athletics Ultimate Championship in Budapest ist er fest eingeplant. Und auch langfristig sieht er noch viel Potenzial. An Grundgeschwindigkeit, Mobilität, Kraft und mentalen Fähigkeiten könne er weiter arbeiten. "Ich sehe keine Limits", sagt er. "Ich habe Spaß daran. Ich glaube, das ist das Wichtigste."
Bebendorf bekommt die zweite Luft
Auch Karl Bebendorf hat vor seinem letzten Saisonrennen noch einmal einen Schub bekommen. Nach der EM, die der Hindernisläufer auf dem Bronzeplatz beendet hatte, steckte der 30-Jährige in einem kleinen Tief. Auch das anschließende Rennen in Chorzów lief nicht nach seinen Vorstellungen. Rückblickend musste er sich eingestehen, dass sein Körper irgendwann einfach müde war. "Da war einfach ein bisschen der Stecker gezogen", sagt Bebendorf im Gespräch mit ZDFheute.
Karl Bebendorf gewann zuletzt bei der Leichtathletik-EM in Birmingham Bronze für Deutschland.
Quelle: imago imagesInzwischen fühlt sich der Dresdener wieder frisch. Beim ISTAF am vergangenen Wochenende bekam er die Bestätigung dafür. Obwohl er sich vorher nicht besonders gut gefühlt hatte, lief er über 1500 Meter in 3:36,16 Minuten nahe an seine Bestzeit heran. "Anscheinend sollte ich einfach meinem Körper vertrauen", sagt er.
Bebendorf: "Nichts Wildes probieren"
Mit dieser Lockerheit will Bebendorf nun auch in Brüssel antreten und dabei möglichst die taktischen Fehler der letzten Rennen vermeiden. "Ich nehme mir vor, nicht wie in Polen irgendwie irgendwas Wildes zu probieren", sagt er. Stattdessen wolle er schauen, "was die Kraft noch hergibt". Im besten Fall will er möglichst weit vorne landen und noch einmal eine gute Zeit laufen.
Hindernisläufer Karl Bendorf kommt über 3.000 Meter bei den Deutschen Meisterschaften zu Fall. Den Titel verteidigt der 30-Jährige trotzdem.
26.07.2026 | 0:15 minAgyekum und Bebendorf haben damit unterschiedliche Wege durch die lange Saison genommen, stehen aber vor derselben Aufgabe: Noch einmal die letzten Reserven mobilisieren. Beide haben ihre Saisonziele praktisch erreicht. In Brüssel müssen sie nichts mehr erzwingen - und genau das könnte ihre Chance sein.
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