Nach dem 1:2 gegen Ecuador: Die Zweifel beim DFB-Team wachsen

Nach dem 1:2 gegen Ecuador:Die Zweifel beim DFB-Team wachsen

von Frank Hellmann

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Die deutsche Nationalmannschaft verspielt vor der K.o.-Runde das Zutrauen in die eigene Stärke. Julian Nagelsmann stützt den unglücklichen Manuel Neuer.

Fußball-WM: DFB-Bundestrainer Julian Nagelsmann.

Die Sorgen werden nicht weniger: Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem 1:2 gegen Ecuador.

Quelle: AP

Auch im New York New Jersey Stadium ist es üblich, dass die Nationaltrainer der beteiligten Teams nach den Spielen der Fußball-WM getrennt voneinander sprechen. Julian Nagelsmann blieben nach der ernüchternden 1:2-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador die philosophischen Ausführungen seines Kollegen Sebastián Beccacece erspart. Der pries nämlich überschwänglich einen "fantastischen Erfolg gegen eine Weltmacht des Fußballs". Viel handelte bei ihm von "Liebe und Leidenschaft", denn:

Ecuador ist einfach ein fabelhaftes Land in einer Welt, in der das Ego so groß geworden ist.

Ecuadors Nationaltrainer Sebastián Beccacece

Nagelsmann mit Kampfansage

Derlei Pathos konnten die Deutschen in East Rutherford nicht reklamieren. Man hatte sich schlicht kein Erfolgserlebnis verdient, räumte der Bundestrainer ein. Ähnlich runtergekühlt wie das Pressezelt auf dem Vorplatz sind auch die Titelträume seiner Mannschaft. Es geht für die DFB-Auswahl nur darum, die erste K.o.-Runde zu überstehen.

Florian Wirtz (Deutschland) und Pedro Vite (Ecuador) im Duell um den Ball beim WM-Gruppenspiel 2026.

Gegen Ecuador zeigt die deutsche Nationalelf ihr bisher schwächstes Spiel bei dieser WM. Daran ändert auch Sanés Blitztor zur 1:0-Führung nichts.

26.06.2026 | 7:56 min

"Wir packen nicht die Koffer", merkte Nagelsmann etwas flapsig an, "wir fliegen nach Boston, um das Spiel zu gewinnen." Das Sechzehntelfinale am Montag wird auch für den 38-Jährigen zum Gradmesser.

Ecuadors Körperlichkeit beeindruckt die Deutschen

Die bereits wieder durch die Heimat schwappende Begeisterungswelle ist vorerst gebrochen. Was Nagelsmann am meisten missfiel: "Leider haben wir direkt nach dem Tor angefangen, Harakiri bei der Positionierung zu machen." Generell sei mehr Geduld gefragt. Sein Ensemble habe sich "zu viel Freestyle nach der frühen Führung" geleistet.

Gleichwohl stimmten auch Haltungsfragen nicht, so dass der Spielverlauf an traumatische Turniererlebnisse seiner Vorgänger Joachim Löw und Hansi Flick erinnerte.

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Der Körperlichkeit des Zweiten der Südamerika-Qualifikation standen manche seiner Protagonisten wie der zweikampfschwache Jamal Musiala so hilflos gegenüber wie Touristen, die aus dem beschaulichen Winston-Salem ins hektische New York reisen - und dann zwischen den Hochhausschluchten nicht weiterwissen.

Das Mittelfeld findet keinen Zugriff

Sicher, der Gruppensieg war vorab klar, aber plötzlich türmen sich Zweifel auf. Ein Stimmungsdämpfer oder ein Warnschuss? "Wir müssen einige Lehren ziehen und das dann abhaken", sagte der Bundestrainer, der "ein paar Dinge besser machen, die guten Dinge behalten" möchte.

Keine Option sei es, den wegen Muskelbeschwerden vorsichtshalber ausgewechselten Kapitän Joshua Kimmich ins defensive Mittelfeld zu versetzen. Auch wenn Aleksander Pavlovic und Felix Nmecha ihren bislang schwächsten WM-Auftritt hinlegten.

Julian Nagelsmann im Interview mit dem ZDF nach dem Spiel gegen Ecuador.

Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem 1:2 gegen Ecuador unter anderem über die vielen Wechsel, mit denen er "Vertrauen zu allen Spielern" zeigen wollte.

26.06.2026 | 2:27 min

Dass nach Schlusspfiff inmitten der jubelnden Südamerikaner auf dem Rasen und den Rängen nicht mal ein großer Kreis zustande kam, sprach Bände. Elf Länderspiele in Folge hatte Deutschland zuletzt hintereinander gewonnen, doch das aufgebaute Selbstbewusstsein ist im ehemaligen Sumpfgebiet am Hudson River unnötigerweise versenkt worden.

Manuel Neuer macht unglückliche Figur

Die Einwechslung von Malick Thiaw mitsamt Umstellung auf Dreierkette stabilisierte das Gefüge nicht wirklich. Ecuador bot keinen Zauberfußball, blieb aber am Drücker. Und als Kevin Rodriguez nach einer Ecke auf Gonzala Plata verlängerte, hielt der einfach vor Manuel Neuer den Fuß hin (78.). Es passt zu einem WM-Turnier, das für den 40-Jährigen unter einem unglücklichen Stern steht. "Für Manu war noch kein Torwartspiel dabei", sagte Nagelsmann.

Joshua Kimmich im Interview mit dem ZDF nach dem Spiel gegen Ecuador.

"Wir werden Leistung kritisch analysieren", sagt Joshua Kimmich nach dem 1:2 der DFB-Elf gegen Ecuador. Er beklagt "zu viele Ballverluste" und zu viele verlorene Zweikämpfe.

26.06.2026 | 1:38 min

Der Weitschuss von Unruheherd Nilson Angulo (9.) sei ebenso wenig zu halten gewesen wie das Siegtor. "Das war von der Dynamik schwer: Für einen Torwart eine extrem undankbare Situation", meinte der Bundestrainer, der sich nach Schlusspfiff in eine lange Unterredung mit Schiedsrichterin Tori Penso begab.

Dabei hätte das Blitztor von Leroy Sané (2.) gar nicht zählen dürfen, weil in der Entstehung Aleksandar Pavlovic mit dem hohen Bein Pedro Vite an der Stirn touchiert hatte. Nagelsmann gestand ein: "Ich hätte es nicht gegeben."

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