Nach Niederlage gegen Ecuador: Nagelsmann grübelt und tüftelt

Nach Niederlage gegen Ecuador:Nagelsmann grübelt und tüftelt

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Julian Nagelsmann muss aus dem WM-Stimmungsdämpfer gegen Ecuador die richtigen Schlüsse ziehen. Viel Zeit bleibt nicht.

Julian Nagelsmann

Die 1:2-Niederlage gegen Ecuador hat viele Fragen bei Bundestrainer Julian Nagelsmann aufgeworfen.

Quelle: action press

Julian Nagelsmann öffnete nach der Niederlage der Nationalmannschaft gegen Ecuador wie geplant die Hotelpforten für die Spieler-Familien - er selbst zog sich grübelnd ins stille Kämmerlein zurück. Seine Mängelliste vor dem Start in die heiße K.o.-Phase ist schließlich länger als nach dem furiosen Auftakt in die Fußball-WM angenommen.

Zudem muss er mit seinem Trainerteam verschiedene Sechzehntelfinal-Szenarien durchspielen. "Es ist wichtig, daraus die Lehren zu ziehen", sagte Nagelsmann nach dem ernüchternden 1:2 (1:1) gegen Ecuador.

Florian Wirtz (Deutschland) und Pedro Vite (Ecuador) im Duell um den Ball beim WM-Gruppenspiel 2026.

Gegen Ecuador zeigt die deutsche Nationalelf ihr bisher schwächstes Spiel bei dieser WM. Daran ändert auch Sanés Blitztor zur 1:0-Führung nichts.

26.06.2026 | 7:56 min

Nagelsmann als Psychologe gefragt

Nach dem Spielersatztraining im Sonnenschein war der Bundestrainer auch als Psychologe gefragt, damit seine Mannschaft am Montag in Foxborough "mit dem nötigen Selbstvertrauen aufdribbeln" kann.

Doch zunächst stand neben der Regeneration in der Nobel-Herberge "The Graylyn Estate" die Aufarbeitung des Endes der Siegesserie (elf Erfolge) ganz oben auf dem Programm.

Bundestrainer muss unangenehme Fragen beantworten

Schon nach dem Abpfiff im Finalstadion in East Rutherford musste sich der Bundestrainer unangenehmen Fragen stellen. Wollte Ecuador den Sieg mehr? Warum tut sich die DFB-Auswahl gegen robuste Gegner schwer? Trifft Rückkehrer Manuel Neuer die Schuld am zweiten Gegentor? Muss Kapitän Joshua Kimmich zurück in den Maschinenraum? Wann kommen die Zauberfüße Florian Wirtz und Jamal Musiala endlich in Schwung?

Julian Nagelsmann im Interview mit dem ZDF nach dem Spiel gegen Ecuador.

Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem 1:2 gegen Ecuador unter anderem über die vielen Wechsel, mit denen er "Vertrauen zu allen Spielern" zeigen wollte.

26.06.2026 | 2:27 min

Die Antworten waren verblüffend und standen teils im Widerspruch zu seinen Spielern. Während der diesmal wirkungslose Super-Joker Deniz Undav die Südamerikaner als "griffiger" und "ekliger" bezeichnete und forderte, dass man sich "mehr wehren" müsse, wies Nagelsmann den Vorwurf als "zu plakativ" zurück.

Nationaltrainer: Ball früher spielen

Er könne keinem seiner Spieler sagen, "dass er nicht Gas gegeben hat". Wie schon gegen die Elfenbeinküste (2:1) war das DFB-Team dem Gegner aber in vielen Zweikämpfen unterlegen. Nagelsmann stellte dazu fest:

Körperlichkeit ist schwer zu trainieren.

Julian Nagelsmann

Man müsse daher "den Ball früher spielen, um dem Zweikampf aus dem Weg zu gehen". Denn auch bis zum Sechzehntelfinale gegen einen noch unbekannten Gegner "werden wir uns nichts auftrainieren können im Oberkörperbereich".

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Zentrale: Diskussion um Verschiebung von Kimmich

In der Zentrale enttäuschte der in den ersten beiden Turnierspielen so starke Felix Nmecha ebenso wie Aleksandar Pavlovic, der überhaupt noch nicht in Schwung kommt. Nagelsmann fand zwar, dass es das Duo "gut gemacht" habe, doch die Forderung nach einer Rückversetzung von Kimmich kam schnell auf.

Ich sehe Joshua nicht auf dem Platz, wie ich ihn seit Jahren kenne. Er bemüht sich, aber er ist nicht da, wo er sein soll.

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus

Derzeit sei eine erneute Positionskorrektur "nicht geplant", entgegnete Nagelsmann. WM-Rekordtorhüter Neuer nahm der Bundestrainer in Schutz, obwohl der 40-Jährige beim Treffer von Gonzalo Plata (78.) zu zögerlich agiert hatte. "Der Ball wird am kurzen Pfosten verlängert, der Spieler kommt dann aus seinem Rücken. Das war eine undankbare Situation, das müssen wir anders verteidigen", sagte Nagelsmann.

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Auch Neuer wiegelte ab: "Ich muss auf das schauen, was vor mir passiert, wo der Ball ist. Wenn ich anfange, im Fünfer auf Brustwarzen-Höhe die Bälle rumzupatschen, dann wäre es möglicherweise ein Eigentor gewesen."

DFB-Lager: Redebedarf nach Niederlage

So oder so - am Freitag bestand hinter den historischen Mauern der Unterkunft Redebedarf. "Wir sind alle ernüchtert", räumte Neuer ein. "Wir dürfen nicht jedes Spiel ein, zwei Gegentore bekommen. Wir müssen die Ballverlust-Quote minimieren", ergänzte Kimmich. Zudem muss das bei der EM noch so gefürchtete "Wusiala"-Duo endlich zünden. Wirtz fehle momentan "das Fortune", so Nagelsmann.

Musiala müsse "an sich glauben, nicht zu viel nachdenken". Doch auch Nagelsmann tüftelte mit seinen Co-Trainern und den Analysten. Er muss die Mannschaft auf verschiedene Gegner vorbereiten. "Jeder kann sich vorstellen, dass es bessere Konstellationen gibt, als Samstagnacht durchzuschrubben, um dann am Sonntag der Mannschaft den Gegner vorzustellen", sagte Nagelsmann, der gegen Ecuador mit Blick auf den weiteren Verlauf teils ein anderes System erproben ließ.

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Nagelsmann: In K.-o-Spiel "vielleicht anders gewechselt"

"Ich kann mich nicht erinnern, dass wir aus dem tiefen 5-4-1 Chancen zugelassen haben. Die drei Umschaltmomente, die wir dadurch gewinnen, müssen wir besser ausspielen", forderte Nagelsmann, der im Ernstfall wohl anders getauscht und nicht so vielen Spielern wie möglich WM-Minuten gegeben hätte.

In einem K.o.-Spiel hätten wir vom Profil her vielleicht anders gewechselt.

Julian Nagelsmann

Doch die Experimente dienen nur bedingt als Entschuldigung. "Mit dem Ball erwarte ich mehr Dominanz. Wir sind nicht Weltspitze", urteilte ARD-Experte Bastian Schweinsteiger. Auch darüber grübelte Nagelsmann im stillen Kämmerlein.

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