"Mogelpackung des Jahres":Ärger über versteckte Preiserhöhung bei Milka
von Joanne Gruhlich
Versteckte Preiserhöhungen sind so ärgerlich wie allgegenwärtig. Warum Milka-Schokolade bei der Wahl zur dreistesten Mogelpackung den ersten Platz macht und welche Produkte folgen.
Jedes Jahr können Verbraucher die "Mogelpackung des Jahres" wählen. Zur Wahl stehen Produkte mit versteckten Preiserhöhungen. Für 2025 geht der Negativpreis an Milka.
21.01.2026 | 4:32 minWeniger Inhalt für das gleiche Geld: Shrinkflation ist kein Einzelfall. Im Vergleich zu 2024 verzeichnet die Hamburger Verbraucherzentrale insgesamt 15 Prozent mehr versteckte Preiserhöhungen für 2025.
Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg bestätigt: Es sei auffallend, dass Hersteller und Händler Verbraucher mit Shrinkflation zur Kasse bitten. Im Durchschnitt seien es knapp 30 Prozent Preiserhöhung pro Produkt. Schaue man sich im gleichen Zeitraum die allgemeine Teuerungsrate bei Lebensmitteln an, seien es nur gut zwei Prozent.
Also geht es hier wirklich darum, enorm hohe Preiserhöhungen durchzusetzen, die nicht auffallen sollen.
Armin Valet, Verbraucherzentrale Hamburg
Der Inhalt vieler Produkt-Packungen im Supermarkt schrumpft kontinuierlich, während der Preis gleich bleibt - nur eine der Maschen, wie Verbraucher an der Nase herumgeführt werden. Wo und wie noch geschummelt wird.
15.10.2025 | 3:27 minWas bedeutet Mogelpackung des Jahres?
Wie jedes Jahr konnten Verbraucher online darüber abstimmen, welches Produkt ihnen im vergangenen Jahr besonders negativ auffiel. Die Abstimmung macht auf intransparente Preiserhöhungen aufmerksam, sogenannte Mogelpackungen: Hersteller reduzieren die Füllmenge, verändern die Rezeptur oder erhöhen den Preis, ohne dass dies auf den ersten Blick erkennbar ist. Diese versteckten Preissteigerungen werden auch als Shrinkflation bezeichnet.
2024 ging der Negativpreis an den Orangensaft von Eckes-Granini, der für den gleichen Preis nur noch halb so viel Saft enthielt, dafür mit Zuckerwasser aufgefüllt wurde. Für 2025 wurde als Mogelpackung des Jahres Milka Alpenmilch von Mondelez gekürt, die durch Reduzieren des Inhalts bei gleichzeitiger Anhebung des Preises fast 1,5-mal so teuer wurde.
Die Milka Alpenmilch wurde kleiner und teurer. Die Füllmenge sank von 100 auf 90 Gramm, der Preis stieg von 1,49 Euro auf 1,99 Euro, eine versteckte Preiserhöhung von über 48 Prozent. Die Verbraucherzentrale kritisiert, dass das neue Gewicht oft vom Umkarton verdeckt ist. Hersteller Mondelez verteidigt die Anpassung mit Hinweis auf Handelspreise und Kostensteigerungen. Verbraucher fühlten sich dennoch getäuscht - eine Irreführung, so die Verbraucherzentrale, die im Frühjahr gegen den Hersteller klagen wird.
Wer zur Weihnachtszeit Schokolade kaufen wollte, sah sich mit höheren Kosten konfrontiert. Verbraucherschützer warnen vor "Shrinkflation": Versteckte Preiserhöhungen durch verkleinerte Packungen.
10.12.2025 | 3:25 minKritik an versteckten Preiserhöhungen
Zur Wahl standen Markenartikel, deren Preis pro Gramm, Liter oder Portion laut Verbraucherzentrale teils deutlich stieg, oft versteckt hinter Bezeichnungen wie "XXL", "neu" oder "verbesserte Rezeptur". Dazu zählen Süßwaren, Fertigprodukte, Backmischungen und Heißgetränke. Gemeinsam haben alle Kandidaten 2025: Die Preiserhöhung erfolgte über reduzierte Füllmengen, kleinere Packungen oder geschickte Umverpackungen - typisch für Shrinkflation.
Abstimmung: Hier wurde 2025 besonders dreist getrickst
Weniger Schokolade zum deutlich höheren Preis
Die Packung enthält statt 730 Gramm nur noch 370 Gramm, der Preis sank nur leicht von 3,99 Euro auf 3,79 Euro - bezogen auf das Gewicht eine versteckte Preiserhöhung von fast 90 Prozent. Dr. Oetker bezeichnet die Änderung als "neu interpretiert".
Die Packung enthält statt 1.700 Gramm nur noch 1.050 Gramm, der Preis sank von 9,99 Euro auf 7,99 Euro. Bezogen auf den Inhalt zahlen VerbraucherInnen knapp 30 Prozent mehr pro Gramm. Kölln verteidigt die Umstellung mit modernen Haushaltsbedarfen und weniger Lebensmittelverschwendung.
Die Packung enthält statt 180 Gramm nur noch 120 Gramm Kaffee, der Preis stieg von 2,69 Euro auf 2,79 Euro - eine versteckte Preiserhöhung von 56 Prozent. Jacobs verteidigt die Änderung als "Produktoptimierung" mit weniger Zucker pro Tasse.
Die Füllmenge stieg von 163 Gramm auf 181 Gramm, der Preis kletterte von 1,39 Euro auf 1,99 Euro - eine versteckte Preiserhöhung von 29 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil von Tomatenpulver und Mozzarella geringer. Unilever verteidigt die Anpassung als Relaunch mit "mehr Geschmack".
Die Verbraucherzentrale kritisiert, dass solche Änderungen im Supermarkt oft kaum erkennbar sind. Zwar müssen Hersteller Füllmengen korrekt angeben, doch sind diese auf den Verpackungen häufig sehr unauffällig - besonders bei Produkten des täglichen Bedarfs. Dabei kann diese Information gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten kaufentscheidend sein.
Für uns ist es elementar, dass die Politik Rahmenbedingungen schafft, die diese Tricksereien verhindern.
Armin Valet, Verbraucherzentrale Hamburg
Die SPD schlägt dem Handel vor, mit einem "Deutschland-Korb" Preise für bestimmte Grundnahrungsmittel freiwillig zu begrenzen. Der Handel selbst übt am Vorschlag Kritik.
14.01.2026 | 1:30 minDeutlich ausgewiesener Grundpreis für besseren Preisvergleich
Preisvergleiche sind oft schwieriger als gedacht. Die Angabe des Grundpreises in Supermärkten soll Orientierung geben, ist aber häufig nicht gut lesbar oder fehlerhaft. In kleinen Geschäften oder an Automaten wird der Grundpreis meist gar nicht angegeben. Eine Pflicht gilt auch nur für Produkte, die nach Gewicht oder Volumen verkauft werden, nicht für Stückware.
Verbraucherschützer kritisieren, dass Verstöße häufig als unbedeutend eingestuft werden und fordern klare gesetzliche Regeln. In Frankreich zum Beispiel müssen Mogelpackungen seit 2024 gekennzeichnet werden, indem für zwei Monate am Regal auf ein geändertes Produkt (weniger Inhalt, gleicher/höherer Preis) hingewiesen wird. In Brasilien muss der Hinweis direkt auf der Verpackung erfolgen.
Der Ernährungsreport zeigt: Beim Einkauf rückt der Preis stärker in den Fokus. Fleisch landet seltener auf dem Teller und der Nutri-Score gewinnt für viele an Bedeutung.
27.11.2025 | 0:35 minEinkaufstipps der Verbraucherzentrale
- Grundpreise vergleichen: Der Preis pro Kilogramm oder Liter zeigt oft mehr als die Verpackung.
- Mengenangaben merken: Bei regelmäßig gekauften Produkten frühere Füllmengen oder Zutaten im Blick behalten.
- Vorsicht bei "Neuem": Begriffe wie "neu", "Maxi", "XXL" oder "verbesserte Rezeptur" kritisch prüfen, denn die Änderungen sind nicht immer von Vorteil.
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