Mit Blumen für Artenschutz sorgen:So wird der Garten zu einem Lebensraum für Hummeln
von Christian Ehrlich
Hummeln gehören zu den wichtigsten Bestäubern. Doch für viele Arten mangelt es an Lebensraum. Fünf einfache Maßnahmen, um den eigenen Garten oder Balkon hummelfreundlich zu machen.
Hummeln sind bedroht, haben aber eine wichtige Aufgabe in unserem Ökosystem. Tierschützer Christian Ehrlich erklärt, warum Hummeln so wichtig sind und wie man die Tiere unterstützen kann.
19.06.2026 | 7:52 minSie sind pelzig, friedlich und erstaunlich leistungsfähig: Hummeln gehören zu den wichtigsten Bestäubern unserer heimischen Pflanzen. Viele Obstsorten, Wildblumen und einige Gemüsepflanzen profitieren von ihrem Einsatz.
Doch zahlreiche Hummelarten stehen unter Druck. Ursachen sind unter anderem der Verlust natürlicher Lebensräume, ein Mangel an Blütenpflanzen und der Einsatz von Insektiziden.
Dabei kann jeder mithelfen, Hummeln im eigenen Garten oder auf dem Balkon zu unterstützen.
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19.04.2026 | 0:54 min1. Nahrung von Frühjahr bis Herbst
Eine Hummelkönigin benötigt bereits im zeitigen Frühjahr (Februar) energiereichen Nektar, wenn sie aus dem Winterquartier erwacht, denn ohne sie kann kein Volk entstehen. Deshalb sind Blütenpflanzen über die gesamte Garten-Saison hinweg entscheidend.
Besonders beliebt sind heimische Wildpflanzen wie Geflecktes Lungenkraut, Gundermann, Natternkopf, Wiesensalbei oder Kleearten. Aber auch Gartenpflanzen wie Lavendel, Katzenminze, Löwenmäulchen oder ungefüllte Dahlien werden gerne besucht.
Wenig hilfreich sind dagegen viele Zierpflanzen mit gefüllten Blüten. Sie sehen zwar schön aus, bieten Hummeln aber oft kaum Nektar oder Pollen.
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08.06.2026 | 7:23 min2. Wilde Ecken zulassen
Hummeln lieben naturnahe Gärten. Wer nicht jede Ecke perfekt aufräumt, hilft vielen Insekten. Kleine Bereiche mit Wildblumen, hohem Gras, Totholz oder abgestorbenen Pflanzenstängeln fördern die Artenvielfalt und nutzen vielen Insektenarten, auch Hummeln.
Auch ein Verzicht auf Pestizide ist wichtig. Viele Insektenmittel schaden nicht nur sogenannten Schädlingen, sondern auch Hummeln und anderen Bestäubern.
Drei "Superkräfte" der Hummeln
Hummeln beherrschen die sogenannte Vibrationsbestäubung. Dabei beißen oder halten sie sich an einer Blüte fest und lassen ihre Flugmuskeln stark vibrieren. So werden Pollen regelrecht aus der Blüte geschüttelt. Pflanzen wie Tomaten, Paprika oder Heidelbeeren profitieren besonders von dieser Technik, die viele andere Insekten nicht beherrschen.
Hummeln können ihre Flugmuskeln ähnlich wie eine Heizung nutzen. Durch schnelle Muskelbewegungen wärmen sie ihren Körper aktiv auf und erreichen dabei Temperaturen von über 30 Grad Celsius. Deshalb sind sie oft schon unterwegs, wenn andere Insekten wegen der Kälte noch bewegungsunfähig sind. Einige Arten fliegen bereits bei Temperaturen um fünf Grad und bestäuben so Pflanzen, lange bevor andere Bestäuber aktiv werden.
Hummeln besitzen ein erstaunliches Orientierungsvermögen. Sie können sich die Lage von Blüten, Nestern und markanten Landschaftsmerkmalen merken und finden über große Entfernungen zuverlässig zurück. Dabei lernen sie sogar, welche Blüten besonders ergiebig sind, und fliegen diese gezielt wieder an.
3. Nistplätze schaffen
Die in Gärten vorkommenden heimischen Hummelarten bauen ihre Nester in der Regel nicht in Insektenhotels. Besonders Erdhummeln nutzen bevorzugt verlassene Mäusegänge oder alte Mäusenester im Boden.
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09.04.2026 | 8:17 minDeshalb können spezielle Hummelhäuser eine sinnvolle Unterstützung sein. Sie sollten trocken, gut belüftet und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sein. Geeignete Standorte liegen meist halbschattig unter Hecken oder an ruhigen Gartenrändern.
Wer keine Nisthilfe bauen möchte, kann der Natur einfach etwas mehr Raum lassen. Wenn Hummeln genügend verlassene Mäusenester und andere Verstecke finden, brauchen sie keine künstlichen Nisthilfen.
4. Wasser bereitstellen
Auch Hummeln benötigen Wasser. Eine flache Schale mit Steinen, Moos oder kleinen Ästen verhindert, dass die Tiere ertrinken. Besonders an heißen Sommertagen kann eine solche Insektentränke wertvoll sein.
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24.03.2025 | 7:44 min5. Geduld haben
Nicht jede Nisthilfe wird sofort bezogen. Viele Hummelköniginnen bevorzugen Plätze, die bereits länger existieren und natürlich wirken. Deshalb lohnt es sich, Nisthilfen dauerhaft stehen zu lassen und jedes Jahr neues Nistmaterial einzubringen.
Mythen rund um die Hummel
Viele Menschen glauben, Hummeln könnten nur beißen. Tatsächlich besitzen die Weibchen - also Königinnen und Arbeiterinnen - einen Stachel. Sie setzen ihn aber äußerst selten ein und gelten als deutlich friedlicher als Honigbienen oder Wespen. Die Männchen besitzen dagegen überhaupt keinen Stachel. Wer Hummeln beim Blütenbesuch beobachtet, braucht daher normalerweise keine Angst vor ihnen zu haben. Und: Hummeln warnen meistens vor einem Stich: Häufig strecken sie dabei eines oder mehrere Beine auffällig nach oben (meist ein mittleres Bein).
Dieser berühmte Mythos stammt aus den 1930er-Jahren und beruht auf einer vereinfachten Berechnung mit Formeln für starre Flugzeugflügel. Man kam zu dem Schluss, dass die Flügel zu klein seien. Heute weiß man: Hummeln erzeugen Auftrieb ganz anders als Flugzeuge. Sie schlagen ihre Flügel bis zu 200-mal pro Sekunde und erzeugen dabei Luftwirbel, die zusätzlichen Auftrieb liefern. Die Hummel fliegt also keineswegs gegen die Gesetze der Physik, sondern nutzt sie auf besonders raffinierte Weise.
Kleine Helfer mit großer Wirkung
Hummeln helfen uns mehr, als vielen Menschen bewusst ist. Sie bestäuben Wild- und Nutzpflanzen, sichern Ernten und tragen dazu bei, dass unsere Landschaften artenreich bleiben. Wer Hummeln hilft, unterstützt gleichzeitig zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten.
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