Tierfreundliche Taubenabwehr:Zwischen Plage und Tierwohl: Tauben vom Balkon vertreiben
von Ebba Petzsche
Taubenkot, Gurren und vielleicht ein Nest auf Balkon oder Terrasse? Wenn sich Tauben eingenistet haben, kann das störend sein. Wie man die Tiere abschreckt, ohne sie zu verletzen.
Kaum ein Tier spaltet die Meinungen so sehr wie die Stadttaube. Doch wie lassen sich Konflikte zwischen Mensch und Taube lösen, ohne den Tierschutz aus dem Blick zu verlieren?
08.06.2026 | 0:55 min500 Millionen Tauben sollen Schätzungen zufolge weltweit in Städten leben. In Deutschland sollen es laut Zählungen rund 600.000 sein. Die Straßentauben, auch Stadttauben genannt, werden häufig nur noch als Störfaktor wahrgenommen. Dabei war die Taube als Haustier dem Menschen lange nützlich und steht für positive Symbole wie Liebe und Frieden.
Zuverlässige Futterquelle lockt Tauben an
Bevölkern dauerhaft viele Tauben die Nachbarschaft, gebe es in der Regel eine zuverlässige Futterquelle in der Gegend, so die Erfahrung von Vogelexperte Martin Rümmler vom Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU).
Tauben sind da, wo sie regelmäßig gefüttert werden oder ein Futterangebot finden.
Martin Rümmler, Vogelexperte, NABU e. V.
Mit "Futterangebot" bezieht sich Rümmler auf unbeabsichtigte Futterquellen wie Essensreste und Abfälle, von denen sich Stadttauben hauptsächlich ernähren. Tauben zu füttern ist nicht generell verboten. Es sei den Kommunen allerdings vorbehalten, Verbote auszusprechen, ergänzt Rümmler.
Tauben sind in den meisten Städten heute allgegenwertig und werden manchmal als Plage wahrgenommen. Dabei waren die Tiere einmal überaus nützlich.
10.05.2026 | 1:30 minDie von der wilden Felsentaube abstammende Stadttaube wurde ursprünglich vom Menschen als Nutztier gehalten und auf hohe Brutfolgen gezüchtet. Nach Verlust ihrer Aufgaben wurden die domestizierten Tiere sich selbst überlassen und hielten nach dem Zweiten Weltkrieg Einzug in die Ruinen der Innenstädte, die den Höhlenbrütern Nistplätze boten. Mit zunehmendem Wohlstand der Gesellschaft standen Tauben auch ausreichend Essensreste zur Verfügung. Eine Infrastruktur, die es den an Menschen gewöhnten Tieren erlaubte, sich rund ums Jahr zu vermehren - bis zu acht Mal jährlich können Tauben zwei Junge aufziehen.
Was tun, wenn die Tiere zur Plage werden
Werden die Tauben zu viele, empfiehlt der Vogelexperte, die Untere Naturschutzbehörde zu kontaktieren. Die kommunale Einrichtung könne Auskunft über offizielle Fütterungen geben und sei die richtige Adresse für Hinweise aus der Bevölkerung auf ein Taubenproblem.
Die Überpopulation von Straßentauben sorgt nicht nur für Unmut bei Anwohnern, sondern ist ein Problem für die Tiere selbst - es mangelt an Nistplätzen und artgerechtem Futter.
Die Lösung des Problems sehen Tierschützer wie auch Rümmler in betreuten Taubenschlägen. Dort können Tauben nicht nur artgerecht gefüttert werden, sondern auch unter Aufsicht nisten. Um die Bestände zu reduzieren, werden ihre Eier gegen Plastikeier ausgetauscht - es gibt Gemeinden, die das mit Erfolg betreiben.
Zu viele Tauben können in Städten zum Problem werden. Wie Taubenschläge helfen können und was sonst noch für Stadttauben getan werden kann.
10.05.2026 | 2:34 minWeder Krümel noch Nistplätze anbieten
Wer vermeiden möchte, dass sich Tauben auf Balkon oder Terrasse niederlassen, sollte keine Essensreste - auch keine Krümel - draußen liegen lassen. Findet man kleine Äste und Zweige, sollte man diese immer wieder wegräumen und einen möglichen Nistplatz verschließen.
Tauben werden sich nicht niederlassen, wo sie regelmäßig gestört werden.
Martin Rümmler, Vogelexperte, NABU e. V.
Nicht alle Vögel konnten sich so sehr vermehren wie die Straßentauben. Feldlerche, Kiebitz und andere Arten werden seltener.
07.05.2026 | 1:35 minVisuelle Abwehr mit Taubenschreck und Windspielen
Tauben sind sehr standorttreue Tiere. Haben sie sich an einem Ort eingenistet, werden sie versuchen, dahin zurückzukehren. Sie zu vertreiben, ist nicht ganz einfach.
Rabenattrappen zum Beispiel, die als sogenannter Taubenschreck verkauft werden, haben keine dauerhaft abschreckende Wirkung. "Tauben sind intelligente Tiere, die schnell merken, dass sich die Figur nicht bewegt", erklärt Rümmler.
Windspiele mit reflektierenden und sich bewegenden Elementen sollen besser funktionieren. Man müsse jedoch damit rechnen, dass bei allen Maßnahmen ein Gewöhnungseffekt auftrete, so der Vogelexperte. Am besten kombiniere man sie.
Nicht nur mit Tauben sind viele Städte überfordert. Nilgänse sind laut, verdrecken alles und stehen im Verdacht, einheimische Arten zu verdrängen. Jäger und Naturschützer streiten über wirksame Maßnahmen.
10.08.2025 | 28:35 minWas ist von Spikes und Netzen zu halten?
Bekannt als Taubenabwehr sind sogenannte Spikes (Stacheln aus Kunststoff oder Metall) und Netze. Tierschützer kritisieren diese Maßnahmen als nicht tierschutzkonform, weil sich die Tiere daran verletzen könnten.
Martin Rümmler erklärt, dass es bei Netzen darauf ankomme, dass sie engmaschig und gut gespannt sind, damit sich keine Vögel darin verfangen und die Netze nicht zur Falle werden.
Damit Spikes Tauben fernhalten, müssten die Stacheln so dicht sein, dass die Vögel tatsächlich nicht darauf landen - ansonsten könnten sie auch eine Einladung zum Nestbau sein, warnt der Vogelexperte.
Taubenkot: Risiken und richtige Reinigung
Anstatt von Körnern und Sämereien ernähren sich Stadttauben von Essensresten. Die Mangelernährung führt zu dem sogenannten dünnen Hungerkot. Tauben, die artgerechtes Futter bekommen, setzen normalerweise festen Kot ab.
Fälschlicherweise gelten Tauben als Krankheitsüberträger. Tatsächlich ist das Risiko einer Übertragung auf den Menschen äußerst gering und nicht höher als zum Beispiel bei Hunden oder Katzen.
Beim Entfernen von getrocknetem Taubenkot können Keime und Bakterien aufgewirbelt werden. Um den Staub nicht einzuatmen, sollte man den Kot erst einweichen, dann die Reste mit Essigwasser entfernen. Beim Säubern von massivem Befall kann eine Maske sinnvoll sein.
Tierschutzrechtliche Vorgaben beachten
Straßentauben gelten laut Bundesnaturschutzgesetz als verwilderte Haustiere und unterliegen im Gegensatz zu wilden Tauben (zum Beispiel Ringeltauben) nicht dem Artenschutz. "Dennoch gelten tierschutzrechtliche Vorgaben", ergänzt Rümmler.
Das Tierschutzgesetz verbietet es, einem Wirbeltier Schmerzen oder Leiden zuzufügen, geschweige denn, es zu töten. Demnach ist der Einsatz sogenannter Vogelabwehrpasten oder Klebesprays zur Taubenbekämpfung nicht erlaubt.
Ebba Petzsche ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
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