Invasive Insekten breiten sich aus:Asiatische Hornisse auf dem Vormarsch: Wie Sie Funde melden
von Cornelia Petereit
Asiatische Hornissen sind sogenannte invasive Insekten. In Deutschland angekommen, bedrohen diese Invasoren heimische Arten und gefährden Natur, Landwirtschaft und Menschen.
Riesig, stachlig, invasiv: Die Asiatische Hornisse ist immer häufiger in Europa zu finden und bedroht auch in Deutschland heimische Bienenarten. Was hilft im Kampf gegen das Insekt?
22.06.2026 | 4:33 minMehr als 3.000 Asiatische Hornissen wurden bis Ende Mai allein in Nordrhein-Westfalen gesichert beobachtet - so viele und so früh im Jahr wie noch nie. 2025 gab es insgesamt über 7.000 bestätigte Sichtungen. Birgit Kaiser de Garcia, Pressesprecherin vom Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) Nordrhein-Westfalen, bereitet die Zunahme der invasiven Insekten Sorge.
Asiatische Hornisse: Wie gefährlich ist die invasive Insektenart?
Asiatische Hornissen jagen und fressen Honig- und Wildbienen - wie heimische Hornissen allerdings auch. Eine Kolonie kann bis zu 1.500 Bienen am Tag erbeuten.
Hornissen positionieren sich gezielt in der Nähe vom Stock und fangen die Bienen aus der Luft.
Birgit Kaiser de Garcia, Diplom-Ingenieurin und Pressesprecherin Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen
Zwar gleiche das Angriffsverhalten aus der Luft dem der heimischen Arten, so Kaiser de Garcia. Allerdings mache Imkern und Obstbauern Sorgen, dass die asiatische Art in größeren Schwärmen unterwegs sei. Auch der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) befürchtet Probleme für die Landwirtschaft, so Stephan Härtel vom NABU Berlin. Problematisch sei, dass die Nester der Asiatischen Hornisse mit bis zu 2.000 fliegenden Tieren fast dreimal so groß seien wie heimische mit bis zu 700 Individuen.
Hummeln sind bedroht,haben aber eine wichtige Aufgabe in unserem Ökosystem. Tierschützer Christian Ehrlich erklärt, warum Hummeln so wichtig sind und wie man die Tiere unterstützen kann.
19.06.2026 | 7:52 minSo erkennen Sie die Asiatische Hornisse
Asiatische Hornissen (lateinisch: Vespa velutina) sind etwas kleiner als die europäische Variante. Ihr Körper ist dunkler als die rotbraunen und gelben heimischen Insekten, ihr Kopf ist schwarz, die Füße sind gelb.
Die sogenannten Gründungsnester der Asiatischen Hornisse liegen oft in Schuppen oder Rollladenkästen, bevor Sekundärnester ab Hochsommer hoch oben in Baumwipfeln angelegt werden. Dadurch sind die Nester der Asiatischen Hornisse schwerer auszumachen. Werden sie nicht entfernt, kommt es in der Umgebung im Folgejahr vermehrt zur Gründung neuer Nester.
Die Asiatische Hornisse breitet sich in Deutschland aus, da ihr natürliche Feinde fehlen. Sie gefährdet vor allem heimische Bienen. Das Umweltamt Darmstadt sucht Nester, um sie zu entfernen.
09.04.2026 | 1:55 minAsiatische Hornisse entdeckt: Das sollten Sie tun
Der NABU warnt davor, sich den Nestern Asiatischer Hornissen zu nähern: "Sie verteidigen sie aggressiv." Ihr Stich ist für die meisten Menschen vergleichbar mit dem heimischer Hornissenarten, Allergiker können darauf reagieren. Insekten-Experte Stephan Härtel empfiehlt, den Fund einer Asiatischen Hornisse beim NABU oder den offiziellen Stellen der Bundesländer zu melden - eine Pflicht dazu gibt es nicht mehr.
Bei der Meldestelle des Landes Nordrhein-Westfalen können Privatpersonen Funde mit Fotos melden. Durch die zusätzliche Angabe der möglichen Flugrichtung kann die Lage des Nestes leichter ermittelt werden. Werden die gemeldeten Insekten als Asiatische Hornisse identifiziert, sollten die Nester auf keinen Fall selbst entfernt werden, betont Kaiser de Garcia. Stattdessen gilt: Abstand halten und das Nest von Fachleuten entfernen lassen.
Auch wenn die Asiatische Hornisse weiter als invasiv gelte, werde sie aufgrund der massiven Ausbreitung seit 2025 als "etablierte Art" geführt. Für kommunale Behörden habe das konkrete Folgen, so Kaiser de Garcia.
Es gibt keine behördliche Pflicht mehr, Nester von Asiatischen Hornissen zu entfernen.
Birgit Kaiser de Garcia, Pressesprecherin LANUK Nordrhein-Westfalen
Dadurch müssten Privateigentümer von Grundstücken die Entfernung der Nester finanzieren. Anfang Mai hat das Land Nordrhein-Westfalen ein Förderprogramm ins Leben gerufen, das die Entfernung durch Fachleute mit bis zu 300 Euro pro Nest bezuschusst.
In Stuttgart haben Forscher die Asiatische Nadelameise erstmals in Deutschland nachgewiesen. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Tiere über importierte Pflanzen eingeschleppt wurden.
27.03.2026 | 0:26 minWelche anderen invasiven Insektenarten es in Deutschland gibt
Auch Buchsbaumzünsler, Tigermücken oder Japankäfer gehören zu den invasiven Insektenarten.
Sie können heimische Arten verdrängen und weltweit wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe verursachen, etwa durch Ernteausfälle oder Bekämpfungsmaßnahmen. Experten machen neben der Erderwärmung auch die Globalisierung verantwortlich für diese Entwicklung: Invasive Arten verbreiten sich demnach durch weltweiten Pflanzenhandel, Transport oder Reisen.
Invasive Insekten in Deutschland
Japankäfer stammen eigentlich aus Asien. Ihre Larven ernähren sich von rund 400 verschiedenen Gräser- und Pflanzenwurzeln. Ausgewachsene Insekten verzehren vor allem Blätter, Blüten und Früchte. Sie unterscheiden sich von heimischen Gartenlaub- oder Rosenkäfern durch kleine, weiße Haarbüschel: Fünf an jeder Seite und zwei am Ende des Hinterleibs. Die Flugzeit erwachsener Insekten ist etwa Anfang Juli bis Anfang September.
Seit 15 Jahren ist der Buchsbaumzünsler in Deutschland von April bis Oktober aktiv. Das Insekt ist auf Buchsbäume spezialisiert: Eine Pflanze kann jährlich von bis zu vier Zünslergenerationen befallen werden. Die Nester der grünen Raupen liegen gut getarnt im Inneren der Büsche. So unentdeckt, fressen sie von innen heraus den ganzen Buchsbaum kahl.
Die aus Asien eingewanderte Kirschessigfliege bedroht die Ernte im Obst- und Weinanbau. Diese invasive Art braucht nur acht bis vierzehn Tage zur Entwicklung und kann sich in Obstplantagen explosionsartig vermehren. Je reifer die Früchte, desto eher werden sie befallen. Deshalb sollten sie immer frühzeitig gepflückt und kühl gelagert werden. Engmaschige Netze können einen Befall der Pflanze verhindern.
Die Asiatische Tigermücke kann Gelb- und Denguefieber übertragen. Sie ist in der Regel tagsüber aktiv, meist in den Morgen- und Abendstunden. Neben Menschen sticht die Tigermücke auch andere Säugetiere und Vögel und kann dadurch leicht Krankheitserreger übertragen.
Cornelia Petereit ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
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