Leihmutterschaft: So gespalten sind die Parteien

Politische Positionen :Leihmutterschaft: So gespalten sind die Parteien

von Lilli Schaule und Andrea Maurer

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Seit dem Rücktritt von Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender von CDU/CSU ist eine neue Debatte über Leihmutterschaft entbrannt. Wie positionieren sich die Parteien?

Maurer

Auch nach dem Rücktritt von Jens Spahn nach seinem Skandal rund um die Leihmutterschaft bleibt das Thema vieldiskutiert und sorgt für Debatten.

21.07.2026 | 1:32 min

Für viele Konservative ist sie noch immer ein rotes Tuch: Frauke Brosius-Gersdorf, deren Wahl zur Verfassungsrichterin im letzten Jahr auch am Widerstand der Union gescheitert ist. Brosius-Gersdorf hat sich nun in der Debatte um Leihmutterschaft zu Wort gemeldet und im Interview mit der "Zeit" gesagt: "Die Position der Union zur Leihmutterschaft ist von einem Menschenbild geprägt, das nicht dem Grundgesetz entspricht." Wer Leihmutterschaft verbiete, stelle sich gegen die Selbstbestimmung von Frauen:

Man darf Frauen und insofern auch Leihmütter nicht gegen ihren erklärten Willen vor sich selbst schützen.

Frauke Brosius-Gersdorf, Juristin

Empörte Reaktionen folgten prompt. Der CDU-Abgeordnete und ehemalige Parteichef Armin Laschet schrieb auf X, er habe noch nichts "plumperes" zu der Debatte über "Miet-Mutterschaft" gelesen ­ und fügte hinzu: "Ein Segen, dass sie nicht im höchsten deutschen Gericht sitzt, das über die Werteordnung der Verfassung wacht".

Jens Spahn (CDU) spricht waehrend eines Statement vor den Fraktionssitzungen am 07.07.2026 in Berlin.

Nach der Debatte um die Leihmutterschaft hat Unions-Fraktionschef Spahn am 'Samstag seinen Rücktritt bekannt gegeben.

18.07.2026 | 2:37 min

Union bleibt bei Parteilinie: Keine Kurskorrektur bei Leihmutterschaft

Laschet stellte sich damit klar hinter die Linie seiner Partei. Die Union lehnt Leihmutterschaft grundsätzlich ab. Erst beim Parteitag im Februar hatte die CDU das Verbot verschärft: Nicht nur die gewerbliche, sondern auch die altruistische Leihmutterschaft, also die Leihmutterschaft ohne Bezahlung, sei nicht mit dem Werteverständnis der Partei vereinbar. Im Antrag heißt es: Es bestehe ein "hohes Risiko für Ausbeutung, Umgehungen und Missbrauch".

Anlass für eine Kurskorrektur sieht die Partei nicht, wie Familienministerin Karin Prien (CDU) heute nochmal betont. Und auch der Fraktionschef der CSU, Klaus Holetschek, hält gegenüber BR24 fest:

Was in Deutschland verboten ist, bleibt verboten.

Klaus Holetschek, CSU-Fraktionschef

SPD sucht noch Position

Weniger Einigkeit besteht beim Koalitionspartner: der SPD. Aus der Fraktion heißt es laut "T-Online", dass man eine geeinte Position zur Leihmutterschaft noch suche.

Vergessen im Krieg

In der Ukraine ist kommerzielle Leihmutterschaft legal - das Land ist zur "Babyfabrik" der Welt geworden - ein Geschäft mit Millionenumsätzen, auch im Krieg.

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Während die Bundesvorsitzende der SPD-Frauen, Carmen Wegge, die altruistische Leihmutterschaft unter bestimmten Voraussetzungen unterstützt, ist die frauen- und familienpolitische Sprecherin der SPD, Jasmina Hostert, dagegen:

Ich persönlich sehe momentan keine befriedigende Lösung, die diese komplexen ethischen und sozialen Fragen gut auflöst.

Jasmina Hostert, frauen- und familienpolitische Sprecherin SPD

Grüne wollen Neubewertung und Ausnahmeregelungen

Die Grünen wiederum zeigen sich offen für eine Neubewertung. Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann befürwortet gegenüber der Funke Mediengruppe, sich erneut mit den Inhalten der 2024 von der damaligen Ampel-Regierung eingesetzten interdisziplinären Expertenkommission zu beschäftigen.

Die hatte sich damals mit "komplexen ethischen Fragen" wie der Leihmutterschaft befasst und empfahl zwar einerseits, das grundsätzliche Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland aus ethischen und rechtlichen Gründen aufrechtzuerhalten, regte aber auch andererseits an, eine altruistische Leihmutterschaft unter strengen Auflagen zuzulassen. Ausnahmefälle sah das Gremium etwa in einem engen freundschaftlichen oder verwandtschaftlichen Verhältnis zwischen Wunscheltern und Leihmutter.

AfD grundsätzlich gegen Leihmutterschaft

Die AfD dagegen lehnt bezahlte Leihmutterschaft als Form von Kinderhandel grundsätzlich ab und fordert auf ihrer Webseite, dass "der Bundestag zusätzlich die Inanspruchnahme im Ausland nach italienischem Vorbild unter Strafe stellen muss". Kurz nach dem Rücktritt von Jens Spahn stellte Co-Parteichefin Alice Weidel auch nochmal klar:

Man kann nicht für ein Gesetz stimmen, oder gegen ein Gesetz in dem Fall, gegen die Leihmutterschaft und dieses Gesetz dann selbst privat unterlaufen.

Alice Weidel, Co-Parteivorsitzende AfD

Unterschiedliche Positionen bei Linken, FDP und BSW

Die Linke hat sich in der Vergangenheit auch eher kritisch positioniert, weil sie Ausbeutung, soziale Ungleichheit und Gesundheitsrisiken fürchtet. Die FDP ist die Partei, die sich am deutlichsten für eine Liberalisierung ausspricht. "Nicht-kommerzielle Leihmutterschaft ermöglichen!" - so heißt es im Wahlprogramm 2025. Leihmutterschaft solle Menschen unabhängig von Familienstand und sexueller Orientierung zugänglich sein.

Das BSW wiederum hat bislang keine programmatische Position, aber in der Debatte um Jens Spahn positionierte sich die Parteigründerin. Sahra Wagenknecht nannte die Causa Spahn auf X eine "schändliche Entwicklung". "Aus gutem Grund" sei Leihmutterschaft in Deutschland verboten.

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Auch die Meinungen der Deutschen gehen auseinander

Auch die Deutschen selbst scheinen in der Debatte gespalten. Laut einer aktuellen INSA-Umfrage für "Bild" sprechen sich knapp 41 Prozent für eine Legalisierung von Leihmutterschaften aus, 39 Prozent stehen hinter dem Verbot und 20 Prozent legen sich auf keine Antwort fest.

Eine offene gesellschaftliche Debatte über Leihmutterschaft fordert nun der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Helmut Frister. Auch er selbst habe keine einfache Antwort, ebenso wenig wie der Ethikrat. Aber: "Man sollte diese Debatte führen", sagt er gegenüber dem Deutschlandfunk. "Und man muss halt dann überlegen, welche Güter sich da gegenüberstehen."

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Über die Haltung der Parteien zu Leihmutterschaft berichtete heute in Deutschland am 21.07.2026 ab 14:00 Uhr.

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