Eizellspenden in Deutschland: Kommt die Legalisierung?

Worüber die Politik diskutiert:Sind Eizellspenden künftig auch in Deutschland erlaubt?

von Stefanie Reulmann

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Gesundheitsministerin Warken will das Verbot von Eizellspenden lockern. Zustimmung kommt von SPD und Grünen, die AfD lehnt das ab. Sollte alles, was machbar ist, auch erlaubt sein?

Künstliche Befruchtung. Archivbild

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Lina Seitzl hält eine Aufhebung des Verbots von Eizellspenden für denkbar. Die Voraussetzungen dafür müssten jedoch "klar definiert" sein, sagt sie ZDFheute.

21.03.2026 | 0:29 min

Jedes sechste Paar in Deutschland ist ungewollt kinderlos. Für viele von ihnen ist eine Eizellspende die letzte Chance auf ein eigenes Kind. Doch in Deutschland sind Eizellspenden verboten. Die Paare reisen deshalb ins Ausland, nach Spanien, Tschechien oder in die USA. Ihr Ziel: schwanger werden.

Warken plant Teillegalisierung von Eizellspenden

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die strikte Regelung nun lockern und plant eine Teillegalisierung. Ihr Vorschlag: Eizellen, die im Rahmen von Kinderwunschbehandlungen bereits entnommen wurden, könnten künftig gespendet werden. Eine vollständige Freigabe lehnt die Ministerin ab.

Anders die SPD. Sie unterstützt den Vorschlag Warkens, kann sich aber auch eine darüber hinausgehende Regelung vorstellen. Lina Seitzl, stellvertretende gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion, sagt ZDFheute:

Aus unserer Sicht ist eine Legalisierung der Eizellspende unter klar definierten Voraussetzungen denkbar.

Lina Seitzl, SPD

Bei ethischen Fragestellungen, wie dem Umgang mit Eizellspenden, gibt es in den einzelnen Fraktionen keine einheitlichen Positionen. Jeder Abgeordnete handelt und entscheidet nach seinem eigenen Gewissen.

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Linken-Politikerin warnt vor Kommerzialisierung

Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Julia-Christina Stange, sieht eine "pauschale Liberalisierung" der Eizellspende aus feministischer Perspektive kritisch. Sie warnt vor einer Kommerzialisierung und vor der Ausbeutung von Frauen infolge sozialer Ungleichheit:

Wohlhabendere Menschen können reproduktive Dienstleistungen in Anspruch nehmen, während Frauen in finanziell schwierigen Situationen eher als Spenderinnen infrage kommen.

Julia-Christina Stange, Die Linke

Die AfD befürchtet, durch eine Teillegalisierung könne ein "Schwarzmarkt" entstehen. Frauen könnten Eizellen einfrieren lassen, "in dem klaren Wissen, dass sie sie später spenden wollen", sagt der gesundheitspolitische Sprecher, Martin Sichert. Seine Partei vertrete eine klare Position, sagt er ZDFheute:

Die AfD lehnt Eizellspenden ab.

Martin Sichert, AfD

Für Eltern, die sich "um biologisch fremde Kinder kümmern" wollten, sei "eine Adoption eine deutlich bessere Alternative als die Eizellspende", sagt der AfD-Politiker.

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Embryonenschutzgesetz von 1991 gilt als überholt

Das Verbot von Eizellspenden ist im Embryonenschutzgesetz geregelt, das 1991 in Kraft trat. Zu einer Zeit, in der die Reproduktionsmedizin noch am Anfang stand. Begründung für das Verbot ist die "gespaltene Mutterschaft", nach der die Spenderin die biologisch-genetische Mutter und die Frau, die das Kind austrägt, die soziale und rechtliche Mutter ist. Das könne beim Kind zu schweren psychischen Belastungen führen, hieß es.

Mittlerweile, 35 Jahre später, ist die Wissenschaft weiter. Die gesellschaftliche Realität und das Familienbild haben sich grundlegend verändert. Die Zahl der Kinderwunschbehandlungen steigt stetig. Seit 1997 sind in Deutschland gut 430.000 Kinder nach künstlicher Befruchtung zur Welt gekommen.

Kritiker halten das Gesetz daher für überholt. Auch die eigens von der Ampel-Koalition eingesetzte Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung kommt 2024 zu diesem Ergebnis.

Im Vergleich zur Samenspende ist eine Eizellspende kompliziert und mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Die Eizellspenderin wird über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen hormonell stimuliert, um die Produktion und Reifung von Eizellen anzuregen. Dann werden ihr unter Narkose die Eizellen mittels einer Punktion entnommen. Die entnommenen Eizellen werden außerhalb des Körpers im Reagenzglas befruchtet, meist mit den Spermien des Partners. Dann werden sie der Eizellempfängerin eingepflanzt. Handelt es sich um unbefruchtete Eizellen, bezeichnet man das als Eizellspende. Bei bereits befruchteten Eizellen spricht man von einer Embryonenspende.


Grünen-Abgeordnete: Warken-Vorschlag "mehrheitsfähig"

"Weitergehenden Reformen" räumt die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Paula Piechotta, aktuell aber wenig Chancen ein. Den Vorschlag der Gesundheitsministerin, ungenutzte Eizellen freizugeben, hält sie aber "für mehrheitsfähig". ZDFheute sagt sie:

Wir ermöglichen hier vielen Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, dass sie für eine Eizelle nicht mehr in unsere Nachbarländer fahren müssen.

Paula Piechotta, Bündnis 90/Die Grünen

Die Frage, ob und in welchem Rahmen Eizellspenden künftig erlaubt sein könnten, bedarf einer sorgfältigen Abwägung. Man müsse den "medizinischen Fortschritt, ethische Fragen sowie hohe Schutzstandards gleichermaßen berücksichtigen", sagt SPD-Politikerin Seitzl.

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Keine genauen Zahlen zu Eizellspenden im Ausland

Ausbeutung und Kommerzialisierung müssten verhindert und medizinische Schutzvorkehrungen für Spenderinnen getroffen werden. Wichtig sei zudem die Perspektive der Kinder, "die durch anonyme Spenden im Ausland" entstanden seien, sagt Linken-Politikerin Stange:

Das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung muss gewahrt bleiben.

Julia-Christina Stange, Die Linke

Schätzungen zufolge werden einige Tausend Kinder pro Jahr geboren, die aus einer Eizellspende im Ausland hervorgehen. Genaue Zahlen gibt es nicht - es ist eine Grauzone.

Koalitionsvertrag: Keine Vereinbarung zur Eizellspende

Ob es zu einer Reform kommt, ist noch offen. Im Koalitionsvertrag hat die schwarz-rote Koalition dazu nichts vereinbart. Gesundheitsministerin Warken hat angekündigt, gemeinsam mit Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) und Familienministerin Karin Prien (CDU) die Möglichkeiten auszuloten.

Mit Blick auf eine Abstimmung im Bundestag warnt Grünen-Politikerin Piechotta davor, die Frage der Eizellspende nicht als Gewissensfrage zu interpretieren. ZDFheute sagt sie:

Aus meiner persönlichen Sicht handelt es sich um eine bioethische Frage, weswegen alle Abgeordneten frei nach ihrem Gewissen entscheiden sollten.

Paula Piechotta, Bündnis 90/Die Grünen

Stefanie Reulmann ist Redakteurin im ZDF-Hauptstadtstudio.

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Quelle: dpa

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 21.03.2026 um 17:06 Uhr in dem Beitrag "SPD offen für Legalisierung von Eizellspenden".

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