Ostkongress und Landtagswahl:Wie die Grünen im Nordosten um Stimmen kämpfen
von Anja Kapinos
Maue Umfragewerte, nachhallender Frust über die Ampel im Bund: Für die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern wird‘s schwer, im Zweikampf zwischen SPD und AfD zu bestehen.
In Mecklenburg-Vorpommern kämpfen die Grünen um den Wiedereinzug in den Landtag. Beim Ostkongress auf Rügen soll es speziall um ostdeutsche Themen gehen.
23.06.2026 | 0:51 minJunge Grüne packen in Stralsund Flyer und Fahnen zusammen für den Ostkongress auf Rügen. Der stellt Sorgen und Nöte der Menschen in der Region in den Mittelpunkt. Und bringt Rückenwind aus ganz Ostdeutschland für die grünen Wahlkämpfer im Nordosten.
"Das gibt viel Kraft, weil wir merken, die Landtagswahl im September ist unheimlich wichtig und alle wollen, dass möglichst viele demokratische Parteien in den Landtag kommen", sagt Mirja Sund vom Kreisverband Vorpommern.
Im September wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Angesichts starker AfD-Umfragewerte muss die SPD um ihren Ministerpräsidentenposten kämpfen.
16.06.2026 | 2:04 minKlimaschutz und Energiewende: Skepsis bei Wählern
Der Kongress vor ihrer Haustür - Gelegenheit zu zeigen, dass etwa Klimaschutz oder Energiewende auch für Ostdeutschland wichtig sind. Denn die Skepsis vieler Menschen im Nordosten ist gerade bei diesen Themen groß. In einer aktuellen Umfrage gab fast die Hälfte der Befragten an, die Grünen nicht für wählbar zu halten.
Die Partei im Gegenwind. Mirja Sund sagt: "Das Image der Grünen im Osten ist für uns ein Problem, woran wir arbeiten wollen."
Ich glaube, dass es uns nicht immer gut gelingt, unsere Themen wirklich so zu kommunizieren, dass die Leute sehen, wo es für sie persönlich Vorteile bringt. Etwa, was wir langfristig von den erneuerbaren Energien haben in Mecklenburg-Vorpommern.
Mirja Sund, Kreisverband Grüne Vorpommern
"Da müssen wir stärker werden, das versuchen wir jetzt hier im Wahlkampf", erklärt sie. Den Menschen auf Marktplätzen und an Haustüren zuhören und grüne Positionen im direkten Gespräch vermitteln, das soll Stimmen bringen, gibt sich die junge Grüne kämpferisch.
Schon im Herbst hatten sich die Grünen in Wittenberg versammelt. Wegen katastrophaler Umfragewerte im Osten fragt sich die Partei: Wie können wir neue Wählerinnen und Wähler gewinnen?
13.09.2025 | 3:01 minGrüne wollen strategisch Wählende überzeugen
Als erste Partei im Land haben die Grünen ihre Wahlkampagne präsentiert. Motto: "Klare Kante zeigen". Eine Zweitstimmenkampagne mit dem Ziel, strategisch Wählende zu überzeugen. Wenn die Grünen und andere kleine Parteien es in den Landtag schaffen, wird eine Regierungsbildung für SPD-Spitzenkandidatin und Amtsinhaberin Manuela Schwesig womöglich leichter, schätzen Beobachter.
Momentan liegt die AfD in Umfragen deutlich vor der SPD, ist von einer absoluten Mehrheit klar entfernt. Der Wahlkampf könnte stark fokussiert werden auf den Zweikampf "Schwesig oder AfD" - Grüne wie auch FDP und BSW könnte das Aufmerksamkeit kosten. Bei Umfragen kratzen die Grünen schon länger an der Fünf-Prozent-Hürde, es wird eng mit dem Wiedereinzug in den Landtag.
Wenn die Regierung der Expertenkommission folge und "einen Großteil der Vorschläge umsetzt", gäbe es keine "soziale Schieflage", so Britta Haßelmann, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen.
28.04.2026 | 5:30 minOppositionsarbeit im Landtag
Dort machen sie seit fünf Jahren engagierte Oppositionsarbeit - bis Streit aufkam in der Fraktionsspitze, im Nachgang scheiterte die erste Spitzenkandidatin. Nun tritt die Rostockerin Claudia Müller an, die unter der gescheiterten Ampelregierung verschiedene Posten hatte. Sie sieht das nicht als Hypothek an.
Die Ampel habe etwa dafür gesorgt, dass es weitergehe nach der Werftenpleite im Nordosten. "Aber wir setzen auf die Zukunft", so Müller und meint damit grüne Klassiker im Wahlprogramm: Ausbau von Wind- und Solarkraft, bessere Mobilität (etwa kostenloses Deutschlandticket für alle unter 27) und mehr Klimaschutz - aber mit Unterstützung für die Menschen.
Kein Anti-AfD-Wahlkampf
Im ländlichen Raum müssen Müller und ihr Wahlkampfteam womöglich besonders viel Überzeugungsarbeit leisten. Bei jungen Städtern könnte der Fokus auf Zukunftsthemen eher verfangen - auch wenn die Linkspartei etwa in ihrer Hochburg Rostock eine harte Konkurrenz ist.
Wie die Linke kann auch der grüne Landesverband einen Zuwachs verzeichnen. Er zählt momentan 1.700 Mitglieder, ist damit aber immer noch einer der kleineren in Deutschland. Im Wahlkampf ist er auf Hilfe von Mitgliedern aus Hamburg oder Berlin angewiesen.
Einen "Anti-AfD-Wahlkampf" wie andere politische Konkurrenten wollen die Nordost-Grünen nicht führen. Sie seien ein Garant für Demokratie und stabile Mehrheiten, stünden aber für eigene politische Lösungen, so Spitzenkandidatin Müller. Es werde hart, die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken: "Da gibt es kein Schönreden."
Anja Kapinos ist Reporterin im ZDF-Studio in Schwerin.
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