Frühere KZ-Sekretärin Irmgard F. ist gestorben

Im Alter von 99 Jahren:Frühere KZ-Sekretärin Irmgard F. ist gestorben

|

Sie wurde wegen Beihilfe zum Mord in über 10.000 Fällen verurteilt: Die frühere KZ-Sekretärin Irmgard F. ist mit 99 Jahren gestorben.

Angeklagte Irmgard F.

Irmgard F. 2022 im Landgericht Itzehoe - sie wurde der Beihilfe zum Mord schuldig gesprochen.

Quelle: dpa

Die wegen Beihilfe zum Massenmord verurteilte frühere KZ-Sekretärin Irmgard F. ist tot. Sie sei am 14. Januar im Alter von 99 Jahren gestorben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe. Mehrere Medien hatten zuvor über ihren Tod berichtet.

Das Landgericht Itzehoe hatte F. am 20. Dezember 2022 wegen Beihilfe zum Mord in 10.505 Fällen sowie zum versuchten Mord in fünf Fällen zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil am 20. August vergangenen Jahres.

Im Herbst 2021 hatte sich der Prozessbeginn gegen F. verzögert, weil sie vor dem ersten Termin von ihrem Seniorenheim nach Hamburg geflüchtet war. Das Gericht ließ die damals 96-Jährige für fünf Tage in Untersuchungshaft nehmen.

Irmgard F. arbeitete im KZ Stutthof

Irmgard F. war als 18- bis 19-jährige Frau zwischen Juni 1943 bis April 1945 als Stenotypistin in der Kommandantur des Konzentrationslagers bei Danzig beschäftigt. Fast die gesamte Korrespondenz des Lagers ging nach Überzeugung der Gerichte über ihren Schreibtisch. Sie war eine enge Vertraute des Lagerkommandanten Paul Werner Hoppe.

Der Sekretärin wurde die Tötung von Häftlingen durch die lebensfeindlichen Bedingungen in dem Lager, bei Todestransporten sowie in einer Gaskammer angelastet. Im KZ Stutthof und seinen 39 Außenlagern waren nach Angaben des Dokumentationszentrums Arolsen Archives zwischen 1939 und 1945 etwa 110.000 Menschen aus 28 Ländern inhaftiert. Fast 65.000 überlebten nicht.

BGH: Irmgard F. leistete Beihilfe zum Mord

Durch ihre Arbeit habe sie den Verantwortlichen des Konzentrationslagers bei der systematischen Tötung von Inhaftierten Hilfe geleistet. Auch unterstützende Tätigkeiten könnten rechtlich als Beihilfe zum Mord angesehen werden. Irmgard F. habe durch ihre Dienstbereitschaft sowohl physische als auch psychische Beihilfe geleistet, erklärte der Bundesgerichtshof.

Die Bundesrichter gingen aufgrund der Feststellungen des Landgerichts Itzehoe davon aus, dass Irmgard F. sehr genau über das Geschehen im Lager Bescheid wusste. Sie blickte demnach von ihrem Arbeitsplatz über einen Teil des Geländes, sah den Schornstein des Krematoriums, wusste um den elenden Zustand der Gefangenen.

Die Sekretärin habe zudem von Beginn ihrer Tätigkeit an erkannt, dass die Haupttäter um Lagerkommandant Hoppe verbrecherisch handelten. Durch ihre treuen Dienste habe sie sich mit ihnen solidarisiert, sodass ihre Handlungen nicht mehr neutral gewesen seien.

Icon von whatsapp
Quelle: dpa

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Dann sind Sie beim ZDFheute-WhatsApp-Channel richtig. Hier erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten auf Ihr Smartphone. Nehmen Sie teil an Umfragen oder lassen Sie sich durch unseren Podcast "Kurze Auszeit" inspirieren. Zur Anmeldung: ZDFheute-WhatsApp-Channel.


Quelle: dpa

Mehr aktuelle Nachrichten

  1. Iran-Krieg - Straße von Hormus
    Liveblog

  2. Satellitenbild: Rauchgeneratoren auf der Krim-Brücke aufgenommen am 22.6.2026
    Liveblog

    Russland greift die Ukraine an:Aktuelles zum Krieg in der Ukraine


  3. Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, Oleksandr Syrskyj.

  4. Ein Mädchen mit einem Smartphone, Symbolbild

  5. 16. Etappe, Einzelzeitfahren. Florian Lipowitz in Aktion

  6. Nahostkonflikt - Westjordanland, Palästinensische Gebiete, Hebron: Ein Mann geht durch Rauch, während sich Palästinenser versammeln, um ihr Land zu verteidigen, nachdem Berichten zufolge Gebiete von Siedlern in Brand gesetzt wurden.
    Interview

    Eskalation im Westjordanland:Nahostexperte: Siedlergewalt ist "strategisch geplant"

    mit Video23:24

  7. Berliner Hauptbahnhof
    Interview

    Gewerkschaft der Polizei:Poitz: Alkoholverbot in Zügen "muss jetzt folgen"

    mit Video1:54

  8. Ukraine, Kiew: Anwohner gehen nach einem russischen Raketenangriff in Kiew, Ukraine, zwischen den Trümmern. Archivbild
    Analyse

    Fedorow-Demos und Russische Angriffe:Innenpolitischer Druck, schwerer Beschuss: So ist Kiews Lage

    von Christian Mölling und András Rácz
    mit Video2:01

  9. Jemen: Jemenitische Kämpfer am Ufer des Roten Meeres

  10. Ein Alkoholverbotsschild an einem Bahnhof.

    Vorstoß der Deutschen Bahn:Wie die Hamburger das Alkoholverbot am Bahnhof bewerten

    von Julia Mondry
    mit Video1:54

  11. ultraschalluntersuchung in der schwangerschaft

    Politische Positionen :Leihmutterschaft: So gespalten sind die Parteien

    von Lilli Schaule und Andrea Maurer
    mit Video1:32

  12. Archiv: Friedrich Merz und Jens Spahn
    Analyse

    Wer führt die Unionsfraktion?:Spahn-Nachfolge: Eine Frage der Statik

    von Mathis Feldhoff
    mit Video2:24

  13. Nina Warken

    Als Fraktionschefin im Gespräch:Warum Gesundheitsministerin Warken wieder überraschen könnte

    von Britta Spiekermann
    mit Video2:24