Hohe Rückstellungen:Bayer macht Milliardenverlust wegen Glyphosat-Rechtsstreit
Die Glyphosat-Klagen in den USA belasten Bayer weiter schwer. Der Konzern erhöht seine Rückstellungen deutlich. Das treibt Bayer 2025 mit 3,6 Milliarden Euro in die Verlustzone.
Der Glyphosat-Rechtsstreit belastet den Bayer-Konzern schon seit Jahren.
Quelle: dpaDie Kosten von Glyphosat-Klagen in den USA haben den Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer noch tiefer in die Verlustzone gerissen. Wie das Unternehmen in Leverkusen mitteilte, lag der Verlust 2025 bei rund 3,6 Milliarden Euro und damit rund 1,1 Milliarden Euro höher als 2024. Im Februar hatte Bayer einen Sammelvergleich mit Klägern geschlossen und daraufhin die Rückstellungen um vier Milliarden Euro erhöht.
Sonderkosten für Rechtsfälle belasten Bayer
Grund dafür waren vor allem Sonderaufwendungen für Rechtsfälle von gut sechs Milliarden Euro. Das um Sondereinflüsse bereinigte operative Ergebnis sank um 4,5 Prozent auf 9,67 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt 9,61 Milliarden erwartet. Der Konzernumsatz fiel um gut zwei Prozent auf 45,58 Milliarden Euro, währungsbereinigt ein Plus von 1,1 Prozent.
Bayer einigte sich im Februar in den USA auf einen Milliarden-Vergleich zu „Roundup“ mit Glyphosat. Es gilt als „wahrscheinlich krebserregend“. Valerie Haller mit einer Einschätzung.
17.02.2026 | 1:02 minFür das laufende Jahr rechnet Bayer währungsbereinigt mit einem Umsatz von 45 bis 47 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis vor Sondereinflüssen von 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro.
Der Barmittelzufluss dürfte jedoch wegen Auszahlungen für Rechtsstreitigkeiten mit rund fünf Milliarden Euro stark belastet werden und mit minus 1,5 bis minus 2,5 Milliarden Euro negativ ausfallen. Die Aktionäre sollen für 2025 erneut nur die gesetzliche Mindestdividende von elf Cent je Aktie erhalten.
Der chemische Wirkstoff Glyphosat wird viel genutzt, ist aber umstritten. Verschiedene Organisationen kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen: Die EFSA sieht keine Gefährdung, die IARC hingegen schon.
23.01.2026 | 0:53 minMilliarden-Vergleich zu Roundup in den USA
Vorstandschef Bill Anderson hatte vor Kurzem einen neuen, bis zu 7,25 Milliarden Dollar teuren Glyphosat-Vergleich angekündigt, um die Rechtsrisiken deutlich zu reduzieren.
Es gibt starke Anzeichen für Fortschritt, wir arbeiten aber noch an unserem umfassenden Turnaround.
Bill Anderson, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG
Zudem treibt der Konzern seinen Umbau voran. Das neue Organisationsmodell soll Hierarchien abbauen und Ergebnisbeiträge von zwei Milliarden Euro bringen. Die Zahl der Beschäftigten im Konzern sank im vergangenen Jahr um mehr als 4.700 auf gut 88.000.
2018 übernahm die deutsche Bayer AG den US-Agrarkonzern Monsanto für rund 60 Milliarden US-Dollar. Monsanto war vor allem für seinen Unkrautvernichter "Roundup" bekannt, dessen Wirkstoff Glyphosat weltweit verwendet wird. Mit der Übernahme wurde Bayer zum größten Anbieter für Pflanzenschutzmittel und Saatgut.
Oberster Gerichtshof der USA soll Grundsatzfrage klären
Die Klagewelle wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Unkrautvernichters hatte sich Bayer 2018 mit der milliardenschweren Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto ins Haus geholt. Wegen des Vergleichs und weiterer Rechtsstreitigkeiten hatte Bayer die Rückstellungen auf 11,8 Milliarden Euro erhöht.
Eine endgültige Klärung erhofft sich Bayer jedoch erst von einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA, die noch aussteht. Dort soll geklärt werden, ob Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise nach dem Recht einzelner Bundesstaaten zulässig sind, obwohl die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat nicht als krebserregend einstuft und entsprechende Warnhinweise auf dem Produktlabel nicht erlaubt.
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