Glyphosat: Wie hoch ist das Risiko für Umwelt und Gesundheit?

Strenge Vorgaben in Deutschland:Warum Glyphosat umstritten bleibt

von Manuela Christ

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Glyphosat bleibt in der Kritik, weil es der Natur und der Gesundheit schaden soll. Die Regeln sind zwar strenger geworden, eingesetzt wird das Pestizid aber immer noch.

Man sieht eine Glyphosat Flasche

Der chemische Wirkstoff Glyphosat wird viel genutzt, ist aber umstritten. Verschiedene Organisationen kommen zu unterschiedlichen Fazits: Die EFSA sieht keine Gefährdung, die WHO hingegen schon.

23.01.2026 | 0:53 min

Glyphosat bleibt eines der umstrittensten Pestizide weltweit. Während die Weltgesundheitsorganisation WHO den Wirkstoff als "wahrscheinlich krebserregend" einstuft, sehen andere Behörden wie die europäische Lebensmittelbehörde EFSA bislang keine eindeutigen Belege für eine Gefährdungslage.

Anhaltende Debatte und breite Anwendung

Die Debatte um Risiken für Umwelt und Gesundheit reißt dennoch nicht ab. Glyphosat ist das weltweit meistverkaufte Pestizid. "Das ist das gängigste Breitbandherbizid, das jede Pflanze abtötet, außer sie ist gentechnisch verändert", weiß Corinna Hölzel, Referentin für Pestizidpolitik beim BUND.

Der Unkrautvernichter "Round Up" liegt in einem Supermarktregal.

In den USA will der Konzern Bayer Klagen zum Unkrautvernichter "Round-Up" beilegen. Scheitert dies, will Bayer den Konkurs des Herstellers und Tochterunternehmens Monsanto prüfen.

16.05.2025 | 0:23 min

Die EU hat vor gut zwei Jahren die Zulassung für Glyphosat verlängert bis Dezember 2033. In Deutschland jedoch ist der Einsatz stark reglementiert.

Auf vielen öffentlichen Flächen wie in Parks, Sportplätzen und auf Schulgeländen ist der Einsatz verboten.

Prof. Matthias Liess, Helmholtz Institut für Umweltforschung

Das gelte auch für ökologisch sensible Gebiete wie Natur- und Wasserschutzgebiete, erklärt Prof. Matthias Liess, Ökotoxikologe am Leipziger Helmholtz Institut für Umweltforschung (UFZ).



Auch die Nutzung von glyphosathaltigen Mitteln im Haus- und Kleingartenbereich ist untersagt. Ebenso der Einsatz in der Landwirtschaft zur Sikkation, also dem Austrocknen von Pflanzen kurz vor der Ernte. Dennoch wurden 2023 rund 4.000 Tonnen Glyphosat in Deutschland verkauft - ein Zeichen dafür, dass das Mittel trotz Einschränkungen weiter eine bedeutende Rolle spielt.

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22.08.2024 | 29:44 min

Direkte und indirekte Folgen durch Glyphosat für die Umwelt

Lange war man davon ausgegangen, dass Glyphosat kaum direkten Einfluss auf die Umwelt hat. Neuere Studien zeigen jedoch deutliche Effekte. "Inzwischen weiß man, dass es direkte Schädigung von Tieren wie Regenwürmern, Insekten und Amphibien gibt", so Hölzel vom BUND.

Darüber hinaus seien indirekte Folgen für das gesamte Ökosystem spürbar, betont Liess: "Wenn wir Herbizide einsetzen, wie zum Beispiel Glyphosat, dann gibt es weniger Wildkräuter, weniger Insekten, weniger Nahrung für Vögel."

Die gesamte Nahrungskette wird dadurch also gestört.

Prof. Matthias Liess, UFZ

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Gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen

Seit Jahrzehnten werden mögliche gesundheitsschädliche Auswirkungen auf den Menschen öffentlich und wissenschaftlich diskutiert. Dabei geht es nicht allein um das Krebsrisiko. "Seit 2024 ist Parkinson in Deutschland als Berufskrankheit bei Landwirten anerkannt. Eine Folge der dauerhaften Arbeit mit Pestiziden", weiß Corinna Hölzel.

Menschen, die regelmäßig und über Jahre mit Pflanzenschutzmitteln arbeiten - darunter auch Glyphosat -, hätten ein signifikant erhöhtes Risiko, an Parkinson zu erkranken.

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Rückzug einer zentralen Studie sorgt für Debatten

Die wissenschaftliche Bewertung bleibt schwierig, da sich zahlreiche Studien widersprechen. Im Dezember 2025 wurde eine der meistzitierten Arbeiten der vergangenen 25 Jahre, die Glyphosat als nicht krebserregend einstufte, zurückgezogen - wegen "Bedenken hinsichtlich der Urheberschaft". Es kam heraus, dass möglicherweise Mitarbeiter des Herstellers Monsanto an der Studie mitgewirkt hätten.

2018 übernahm die deutsche Bayer AG den US-Agrarkonzern Monsanto für rund 60 Milliarden US-Dollar. Monsanto war vor allem für seinen Unkrautvernichter "Roundup" bekannt, dessen Wirkstoff Glyphosat weltweit verwendet wird. Mit der Übernahme wurde Bayer zum größten Anbieter für Pflanzenschutzmittel und Saatgut.


In den USA laufen seit Jahren Klagen gegen den Bayer Konzern als Hersteller glyphosathaltiger Produkte. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der Wirkstoff das Krebsrisiko erhöht und ob Warnhinweise ausreichend waren.

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"Aushebelung von Verbraucherschutz"

Der Oberste Gerichtshof prüft nun grundsätzlich die Zulässigkeit von Schadensersatzforderungen. "Das ist die Aushebelung von Verbraucher- und Gesundheitsschutz, wenn ich nicht mehr klagen darf", warnt Corinna Hölzel vom BUND.

Bayer dagegen argumentiert, dass zusätzliche Warnungen unzulässig seien, da die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat nicht als krebserregend einstuft und das Produktlabel entsprechend ohne Warnhinweis genehmigt hat. Diskutiert wird also weiter.

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Quelle: dpa

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Über das Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Glyphosat: Weiter hoher Einsatz des Pestizids" am 23.01.2026 um 08:05 Uhr.

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