Kritiker fordern Kennzeichnungspflicht:EU lockert Gentechnik-Regeln: Große Chance oder Gefahr?
von Miriam Amalo, Brüssel
Lebensmittel aus moderner Gentechnik sollen in der EU künftig ohne spezielle Kennzeichnung in den Handel kommen. Forscher sehen darin große Chancen, Kritiker aber laufen Sturm.
Bestimmte gentechnisch veränderte Lebensmittel sollen künftig ohne extra Hinweis in den Regalen landen. Befürworter erwarten Vorteile für Klima und Ertrag.
04.12.2025 | 1:51 minIn Brüssel haben sich die Vertreter des Europäischen Rates und des Europäischen Parlaments in der vergangenen Nacht auf eine Lockerung der Regelungen für gentechnisch veränderte Pflanzen geeinigt. So können künftig Lebensmittel, verändert durch moderne Gentechnik, ohne spezielle Kennzeichnung im Supermarkt verkauft werden.
Das Ziel dieser neuen Regelung ist es, mittels hochmoderner Verfahren Pflanzen so zu verändern, dass sie beispielsweise besser an die Folgen des Klimawandels angepasst sind und weniger Pestizide oder Düngemittel benötigen. Dadurch soll langfristig ein höherer Ertrag möglich werden.
Experte sieht "große Chance"
Der Experte Holger Puchta vom Institut für Pflanzenwissenschaften am Karlsruher Institut für Technologie sieht in der Reform eine "große Chance". Er erklärt: "Wir sind durch diese neuen Technologien in der Lage, sehr viel schneller zu arbeiten als mit klassischer Züchtung. So können wir eine ganze Reihe von Produkten einfacher herstellen." Dadurch werde man Pflanzen erhalten, die mit weniger Wasser auskommen oder vielleicht auch mehr Hitze aushalten.
In der EU gelten künftig für Betreiber von KI-Modellen strengere Regeln. Sie sollen im Bereich der Künstlichen Intelligenz mehr Transparenz schaffen und das Urheberrecht stärken.
02.08.2025 | 1:25 minWie funktioniert die Technik?
Die Grundlage dafür sind die Neuen Genomischen Techniken oder auch NGT. Durch die sogenannte "Gen-Schere" oder CRISPR/Cas wird eine präzise Bearbeitung der DNA von Pflanzen möglich. Dabei wird etwa Erbinformation von einer Pflanze in eine andere eingesetzt. So können Erbinformationen gezielt angepasst oder ausgetauscht werden.
NGTs ermöglichen damit eine wesentlich schnellere Züchtung von Pflanzen oder Tieren mit gewünschten Merkmalen im Vergleich zu herkömmlichen Methoden - oft innerhalb weniger Generationen.
Das Europaparlament hat weitreichenden Lockerungen des EU-Lieferkettengesetzes zugestimmt. Die Regeln sollen künftig nur noch für sehr große Unternehmen gelten.
13.11.2025 | 0:24 minIndustrie sieht große Investitionschancen
Auch deutsche Konzerne begrüßen die Entscheidung. Matthias Berninger, Cheflobbyist des Pharma- und Agrarchemiekonzerns Bayer, spricht von einer "Innovation". Die Einigung werde Landwirten helfen, dem Klimawandel die Stirn zu bieten, zur Ernährungssicherheit beitragen und langfristig die Lebensmittelpreise zu stabilisieren.
Ab 2030 gilt: Jedes in der EU verkaufte Spielzeug muss einen digitalen Produktpass mit Sicherheitsinformationen haben. Zudem wird die Liste der verbotenen Chemikalien erweitert.
25.11.2025 | 2:36 minBerninger verweist zudem darauf, dass andere Teile der Welt bereits deutlich weiter seien: "Wenn Sie nach Asien, nach Afrika oder nach Amerika schauen, ob Nord oder Süd, dann sehen Sie, dass diese Technologien dort schon sehr willkommen geheißen werden."
Kritik an fehlender Transparenz
Kritiker hingegen warnen vor einer Gefährdung des Verbraucherschutzes. So sei ohne Kennzeichnungspflicht künftig nicht mehr erkennbar, ob Lebensmittel mithilfe gentechnischer Verfahren entstanden sind oder nicht.
Der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling sieht darin einen schwerwiegenden Mangel an Transparenz. Alle Umfragen sagten sehr deutlich, dass der Verbraucher eine Kennzeichnung will, so Häusling.
Zudem befürchtet der Parlamentarier erhebliche Belastungen für Biobauern und gentechnikfreie Landwirte: "Auf die Biobauern kommen schwere Zeiten zu, denn die müssen in Zukunft weiterhin garantieren, dass ihre Produkte frei von Gentechnik sind. Man verweigert ihnen aber ja im Grunde genommen die Informationen. Wie soll ein Biobauer wissen, was der Nachbar anbaut? Der Aufwand wird erheblich sein und stellt eine Gefahr für den Biolandbau insgesamt dar."
Wie geht es weiter?
Das Ergebnis des sogenannten Trilogs muss nun noch vom Europäischen Parlament und vom Ministerrat bestätigt werden. Erst dann kann die Reform in Kraft treten. Das könnte aber noch dauern. Denn Umweltverbände dürften klagen. Und selbst wenn: Erst nach einer Übergangsfrist von zwei Jahren würden mit der Genschere veränderte Produkte ohne Kennzeichnung im Supermarkt landen.
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