EU-Regeln verschärft :Gefahr durch Spielzeug: Mehr Sicherheit für die Kinder
von Andreas Stamm, Straßburg
Das Europaparlament hat die Regeln für die Spielzeugsicherheit verschärft. Die bestehenden Gesetzgebung musste angepasst werden – auch um auf neue Gefahren reagieren zu können.
Ab 2030 gilt: Jedes in der EU verkaufte Spielzeug muss einen digitalen Produktpass mit Sicherheitsinformationen haben. Zudem wird die Liste der verbotenen Chemikalien erweitert.
25.11.2025 | 2:36 minWeihnachten steht vor der Tür, der übliche Stress mit den Geschenken für die Liebsten hält langsam Einzug. Aber am Ende soll ein breites Grinsen in den Gesichtern der Beschenkten aufscheinen, besonders bei den Kleinsten. Doch das Weihnachtsshopping für Kinder beinhaltet Risiken.
Spielzeuge sind die Produktgruppe, die am zweithäufigsten bei Sicherheitskontrollen in Europa aus dem Verkehr gezogen werden. Und mehr als 80 Prozent der beanstandeten Produkte waren Importe, vor allem aus China.
Spielzeughersteller: Europa gut, Drittstaaten schwierig
Aus diesem Grund hat die Europäische Union die Standards für die Spielzeugsicherheit überarbeitet. Verboten wurden jetzt etwa Ewigkeitschemikalien oder hormonverändernde Substanzen. Die Liste der Produkte mit krebserregenden Inhaltsstoffen wurde überarbeitet.
PFAS ist eine Abkürzung für per- und polyfluorierte Chemikalien, es sind mehr als 10.000 verschiedene Stoffe. PFAS kommen nicht in der Natur vor, sondern wurden vom Menschen geschaffen und werden erst seit den späten 1940ern hergestellt und eingesetzt. Sie sind extrem stabil und langlebig und werden darum auch "Ewigkeitschemikalien" genannt. Sie sind wasser-, fett- und schmutzabweisend, sorgen also dafür, dass in der Pfanne nichts anbrennt und die Regenjacke wirklich dicht ist. Sie finden sich in Skiwachs, Fast Food Verpackungen, aber auch in Feuerlöschschaum und Pestiziden.
Bisher sind nur einige PFAS-Verbindungen in der EU reguliert oder verboten, zum Beispiel PFOS, PFOA oder PFHxS.
Chemisch gesehen bestehen die organischen Verbindungen aus Kohlenstoffketten verschiedener Längen, bei denen die Wasserstoffatome vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert) durch Fluoratome ersetzt sind. Am häufigsten werden perfluorierte Carbon- und Sulfonsäuren sowie deren Vorläuferverbindungen verwendet. PFAS, die zu diesen persistenten perfluorierten Stoffen abgebaut werden können, bezeichnet man manchmal als Vorläuferverbindungen. Ein Abbauprodukt vieler PFAS ist der Stoff Trifluoressigsäure (TFA).
Öffentliches Aufsehen erregten diese Ewigkeits-Chemikalien unter anderem in den USA durch den Skandal um den Chemiekonzern "DuPont" und ein Gerichtsverfahren, das in den 1990ern begann. Der Fall wurde als "Vergiftete Wahrheit" (englisch: Dark Waters) verfilmt.
Quellen: Bundesministerium für Umwelt, Verbraucherzentrale
Sie sind in Pfannen, Regenjacken oder Verpackungen und letztlich auch im Wasser: Sogenannte gesundheitsschädliche Ewigkeitschemikalien. In Belgien ist das Problem besonders groß.
15.10.2025 | 5:51 minDie größte Neuerung: der digitale Produktpass. Der enthalte wesentliche Informationen zu dem Produkt für die Verbraucher, erklärt die für den Gesetzgebungsprozess zuständige Europaabgeordnete Marion Walsmann von der CDU. Ein QR-Code wird künftig Auskunft darüber geben, wo das Produkt hergestellt wurde, von wem, mit welchen Inhaltsstoffen und die Unbedenklichkeit bescheinigen. "Die europäischen Hersteller arbeiten sehr gut", so Walsmann. Aber:
Aus Drittstaaten haben wir ein Problem, und deshalb ist es notwendig, die Marktüberwachung noch besser zu machen.
Marion Walsmann (CDU), Europaabgeordnete
Wer die strengen europäischen Voraussetzungen nicht erfülle, der werde keine Zulassung bekommen, dessen Produkte werden nicht mehr in Europas Binnenmarkt gelangen.
WISO-Reporter Sven-Hendrik Hahn klärt über Risiken und Gefahren von Billigware für Kinder auf.
10.12.2024 | 6:30 minSpielzeugsicherheit: Wichtigste Neuerungen in der EU
Jedes Spielzeug bekommt einen QR-Code mit allen Sicherheitsinfos. Erleichtert Kontrollen für Verbraucher, Händler und Zoll.
Plattformen müssen aktiv verhindern, dass gefährliche Spielzeuge verkauft werden. Gilt auch für Anbieter außerhalb der EU.
Verbot von hormonwirksamen Chemikalien. Verbot des bewussten Einsatzes von PFAS ("Ewigkeitschemikalien") und weiteren krebserregenden Stoffen.
Pakete in die EU: Schwierige Überwachung
Doch ein großes Problem bleibt: die lückenhafte Marktüberwachung. Denn das Hauptproblem sind Online-Billiganbieter wie Shein oder Temu, die den Markt mit gesundheitsgefährdenden Waren überfluten. Nur ein Promille der Pakete, die an Privathaushalte direkt geliefert werden, können vom Zoll überhaupt kontrolliert werden.
"Man kann mit solchen Regelungen Betrug nie vollständig unterbinden", erklärt Katarina Barley, Vizepräsidentin des Europaparlaments von der SPD. Europa hätte ja vor allen Dingen das Problem, dass wir so eine riesige Flut von Paketen mit relativ billigen Produkten, vor allem aus Fernost, bekämen.
Zwölf Millionen Pakete kommen jeden Tag in die Europäische Union. Und alle Maßnahmen, die es erleichtern, solche Produkte zu überprüfen, sind willkommen.
Katarina Barley, SPD
Und auch an anderen Stellen versucht die EU gerade, die Regeln für Billiganbieter aus Fernost zu verschärfen, etwa beim kostenlosen Paketversand. Da gäbe es aber noch viel zu tun, so Barley.
Umweltverbände fordern mehr
Zwar setzt die neue Verordnung da an, indem es die Online-Händler und Marktplätze verpflichtet sicherzustellen, dass keine gefährlichen Spielzeuge auf ihren Plattformen landen, besonders solche von Händlern außerhalb der EU. Und: Dass diese direkt entfernt werden, falls Mängel bekannt werden.
Doch Umweltverbände fordern mehr. Man sei zwar grundsätzlich mit dem Ergebnis der Überarbeitung zufrieden, erklärt Tatiana Santos vom Europäischen Umweltbüro in Brüssel, einem Zusammenschluss von mehr als hundert europäischen Umweltgruppen. Aber:
Effektiver wäre es, dass die Online-Handler für Verstöße haften müssen.
Tatiana Santos, Europäisches Umweltbüro
Denn an die Firmen im fernen Ausland komme man rechtlich nicht heran. Und nur durch hohe Strafzahlungen, die auch vollstreckbar seien, könne Europa so für mehr Sicherheit sorgen.
Die Stiftung Warentest hat zwölf Kombi-Kinderwagen getestet - mit ernüchternden Ergebnissen: Einige Modelle sind mit Schadstoffen belastet oder haben Sicherheitsmängel.
27.06.2025 | 5:22 minSicheres Spielzeug: Tipps von Verbraucherschützern
Der vielleicht größte Haken momentan: Um sicherzustellen, dass sich die Unternehmen und Händler an die neue Rechtslage anpassen können, wird es bis 2030 dauern, bis die neuen Regeln vollständig in Kraft sind. Das dürfte nicht wenigen zu lange dauern. Wer vorher, etwa beim Weihnachtsshopping, schon mehr Sicherheit will, für den halten Verbraucherschützer ein paar Ideen bereit:
- Auf jeden Fall Plastik vermeiden, wenn möglich.
- Auf das Prüfsiegel CE achten, dass dokumentiert, dass alle geltenden EU-Regeln eingehalten wurden.
- Auf in Europa hergestellte Produkte setzen, da diese Hersteller sehr viel seltener negativ auffallen
- Auf Online-Billiganbieter sollten man besser verzichten, denn hier sei die Gefahr am größten
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