Bayer-Tochter:Monsanto schließt Milliarden-Vergleich im Glyphosat-Streit
Befreiungsschlag in den USA: Die Bayer-Tochter Monsanto hat in den USA einen Milliarden-Vergleich zu Glyphosat-Klagen geschlossen. Die Klagen belasteten Bayer seit Jahren.
Der chemische Wirkstoff Glyphosat wird viel genutzt, ist aber umstritten. Verschiedene Organisationen kommen zu unterschiedlichen Fazits: Die EFSA sieht keine Gefährdung, die IARC hingegen schon.
23.01.2026 | 0:53 minDie Bayer-Tochter Monsanto hat im milliardenschweren Rechtsstreit um mutmaßliche Krebsrisiken seines Unkrautvernichters Glyphosat einen Milliarden-Vergleich geschlossen. Laut Ad-hoc-Mitteilung des Konzerns stehen für den Sammelvergleich maximal 7,25 Milliarden US-Dollar über bis zu 21 Jahre zur Verfügung. Die Auszahlungen seien gedeckelt und sollen jährlich abnehmen.
Das Unternehmen verspricht sich davon mehr finanzielle Planungssicherheit. Bayer hatte sich mit der rund 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto 2018 eine Klagewelle ins Haus geholt. Der Konzern hat seither rund zehn Milliarden Dollar für Vergleiche gezahlt und für die zuletzt etwa 65.000 offenen Verfahren Rückstellungen von knapp sieben Milliarden Euro gebildet.
Nach jahrelanger Talfahrt steigt die Aktie des Bayer-Konzerns seit Anfang 2025 wieder an. Doch die finanziellen Risiken wegen des Unkrautvernichters Glyphosat wiegen weiter schwer.
06.08.2025 | 1:32 minBayer-Chef sieht Weg aus der Unsicherheit
Bayer-Chef Bill Anderson bezeichnete den Milliarden-Vergleich als wichtigen Meilenstein:
Die Vergleichsvereinbarung schafft zusammen mit dem Fall beim Supreme Court einen klaren Weg aus den Unsicherheiten durch die Rechtsstreitigkeiten.
Bill Anderson, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG
Damit bezieht er sich auf die Doppelstrategie von Bayer: Parallel zur Einigung setzt der Konzern auf ein Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshofs der USA. Das Gericht prüft dabei, ob US-Bundesrecht Vorrang vor den Gesetzen der Einzelstaaten hat.
Sollte der Supreme Court im Sinne von Bayer entscheiden, würde dies vielen Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise die rechtliche Grundlage entziehen. Der nun geschlossene Vergleich dient als Sicherheitsnetz für Fälle, die nicht unter ein solches Urteil fallen würden.
Die Übernahme des Pflanzenschutzherstellers Monsanto beansprucht den Bayer Konzern weiter.
25.04.2025 | 1:32 minDax: Bayer-Aktie legt rund sechs Prozent zu
Mit dem Vergleich könne sich Bayer wieder voll auf Innovationen konzentrieren, wie Anderson weiter ausführte. Die rechtlichen Unsicherheiten hätten das Unternehmen über Jahre stark belastet. "Diese Vergleichsvereinbarung bietet jetzt einen Weg, diese zu beenden", fügte er hinzu.
Dafür müssen wir einen Preis zahlen – wir haben jedoch einen Plan für die Finanzierung, und die Belastungen sind über viele Jahre gestreckt.
Bill Anderson, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG
Die Aktien des Leverkusener Konzerns legten rund sechs Prozent zu und führten die Gewinnerliste im Dax an. Die Einigung hat unmittelbare Auswirkungen auf den Finanzkalender des Dax-Konzerns. Bayer verschiebt die Bilanz-Pressekonferenz vom 25. Februar auf den 4. März 2026, um die Vergleichsvereinbarungen in den Jahreszahlen zu berücksichtigen.
So entwickelte sich die Bayer-Aktie nach der Übernahme von Monsanto.
Bayer stockt Rückstellungen massiv auf
Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten werden deutlich aufgestockt. Sie steigen auf 11,8 Milliarden Euro von 7,8 Milliarden Euro Ende September 2025. Allein für Glyphosat erhöhen sich die Reserven dabei auf 9,6 von 6,5 Milliarden Euro.
Angesichts der anstehenden Auszahlungen von geschätzt fünf Milliarden Euro im laufenden Jahr rechnet Bayer für 2026 mit einem negativen Free Cashflow. Eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung sei jedoch nicht geplant, hieß es in der Mitteilung weiter. Die unmittelbare Finanzierung sei durch eine Kreditlinie von acht Milliarden Dollar gesichert, die später über Anleihen und eigenkapitalähnliche Instrumente abgelöst werden soll.
Bei der Hauptversammlung der Bayer-AG stimmen die Aktionäre einer möglichen Kapitalerhöhung zu. Doch "die Probleme bei Bayer liegen tiefer", sagt Stephanie Barrett an der Börse.
25.04.2025 | 1:45 minKrebsforschungsagentur: Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend"
Die Vorwürfe gegen Glyphosat hat Bayer stets zurückgewiesen und verweist auf umfangreiche Studien sowie Bewertungen von Regulierungsbehörden wie der EPA. Demgegenüber steht die Einschätzung der Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation, die den Wirkstoff 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft hatte. Darauf stützen sich die Kläger.
Um die Risiken zu senken, stoppte Bayer den Verkauf glyphosathaltiger Produkte an US-Privatkunden bereits 2023.
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