Iran-Krieg bei "illner":Laschet sieht aktuell keinen Nato-Bündnisfall
von Torben Schröder
Aktuell befürchtet Armin Laschet (CDU) nicht, dass Deutschland als Nato-Bündnispartner in den Iran-Krieg gezogen wird. Zum Waffengang geraten hätte die Bundesregierung wohl nicht.
Talkrunde bei "maybrit illner mit Trumps Ex-Sicherheitsberater John Bolton, CDU-Außenpolitiker Armin Laschet, Journalist Michel Abdollahi, Ökonomin Stormy-Annika Mildner, Terrorismus-Experte Hans-Jakob Schindler und ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf.
12.03.2026 | 58:18 minWird der Iran-Krieg zum Nato-Bündnisfall, stünde auch Deutschland mit in der Pflicht. CDU-Außenpolitiker Armin Laschet sieht diese Gefahr aktuell nicht, wie er in der ZDF-Sendung "maybrit illner" sagt. Momentan sei der Konflikt kein Bündnisfall, sodass auch die Beteiligung weiterer Nato-Staaten derzeit nicht anstehe - selbst wenn die USA weiter um Solidarität bitten würden.
"Etwas anderes ist, wenn fortgesetzt die Türkei angegriffen würde oder die Aktivitäten gegen Zypern weitergehen würden", sagt Laschet. Die Türkei ist Nato-Staat, Zypern EU-Mitglied.
Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Armin Laschet (CDU), sieht derzeit keine Gefahr einer Beteiligung weiterer Nato-Staaten am Iran-Krieg.
12.03.2026 | 0:43 minBolton: Trump bleibt Erklärungen schuldig
Nun kann sich die Lage in diesem Krieg schnell ändern, denn, wie in der Runde mehrmals festgestellt wurde, sind die Ziele der USA nicht wirklich zu erkennen. John Bolton, der frühere Sicherheitsberater des US-Präsidenten, sagte bei "maybrit illner":
Ein Teil des Problems ist, dass nicht ganz klar ist, was Trump da eigentlich tut.
John Bolton, früherer Sicherheitsberater von Donald Trump
Der frühere Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, im Gespräch mit Maybrit Illner über den Iran-Krieg, die Rolle der Nato und einen möglichen Deal zwischen Trump und Putin
12.03.2026 | 6:45 minWährend Trumps erster Amtszeit, als Bolton fast anderthalb Jahre Trumps Sicherheitsberater war, habe er es nicht geschafft, den US-Präsidenten von einem "Regime Change" in Iran zu überzeugen. Ob Trump das nun wolle, wisse Bolton nicht - und Trump selbst womöglich auch nicht.
Der US-Präsident habe sein Volk, den Kongress und auch die Opposition in Iran nicht auf die Operation vorbereitet und bleibe Erklärungen schuldig.
Terrorismus-Experte: USA definieren Kriegsziele immer wieder neu
Das Ziel des iranischen Regimes sei aktuell, die politischen und ökonomischen Kosten nach oben zu treiben, sagt der Nahost- und Terrorismus-Experte Hans-Jakob Schindler. Die USA würden ihre Kriegsziele immer wieder neu definieren, stellt die Wirtschaftswissenschaftlerin Stormy-Annika Mildner fest: "Regime Change, das scheint aber sicher zu sein, ist nicht das, was die amerikanische Regierung anstrebt." Die starken wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges in den USA und auch bei uns sehe man bereits. In den USA ist Wahljahr. All dies habe Auswirkungen auf die Äußerungen und Handlungen Trumps.
Zerstörungen in Iran und im Libanon, Raketenalarm in Israel: Die Angriffe im Nahen Osten gehen weiter. Derweil ist Bundesaußenminister Wadephul (CDU) zu Gesprächen in der Region.
11.03.2026 | 2:05 minDie ZDF-Journalistin Katrin Eigendorf sieht eher Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der womöglich eine einmalige Chance gesehen habe, als Treiber des Waffengangs. Es sei immer das Ziel Netanjahus gewesen, dieses Regime, das Israel existenziell bedrohe, zu beseitigen. Die Ziele der USA seien andere - und bislang nicht klar zu erkennen.
Zerstörungen in Iran und im Libanon, Raketenalarm in Israel: Die gegenseitigen Angriffe im Nahen Osten gehen weiter. Kanzler Merz äußert sich besorgt über die Kriegsführung.
10.03.2026 | 2:41 minJournalist Abdollahi: Massaker vom Januar frisch in Erinnerung
Die Proteste in Iran kämen immer schneller, die wirtschaftlichen Probleme seien immer gravierender und die Massaker vom 8. und 9. Januar frisch in Erinnerung, sagt der deutsch-iranische Journalist Michel Abdollahi. "Was mir berichtet wird, ist: Wir warten eigentlich nur darauf, dass man uns sagt: Geht wieder auf die Straßen, damit wir von diesem System befreit werden." Dies könne am 20. März, wenn das Ende des Ramadan und das persische Neujahrsfest zusammenkommen, geschehen. Die ersten Risse, etwa in Gestalt desertierender Soldaten, seien zu erkennen.
Natürlich wünschen wir, dass das Regime zusammenbricht. Natürlich wünschen wir, dass es gelingt, die Atomwaffenfähigkeit des Irans zu stoppen. Gleichzeitig hoffen wir, dass der Krieg bald zu Ende geht.
Armin Laschet, CDU
"Ich kenne eigentlich keinen Regierungschef in Europa, der sagen würde: Wir wollen nicht den Erfolg der Amerikaner", sagt Laschet. Nur der spanische Ministerpräsident sei manchmal außerhalb der Linie. Pedro Sánchez hatte sich offen gegen die US-Angriffe auf Iran positioniert und den europäischen Verbündeten Naivität vorgeworfen.
Aus europäischer Sicht sind auch die Auswirkungen auf die Ukraine und Russland von Bedeutung. Bolton hält den Deal Putins mit Trump für denkbar, dass beide Seiten die Weitergabe militärischer Geheimdienstinformationen an Iran und die Ukraine stoppen. "Das würde der Ukraine nachhaltig schaden."
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