Lage in der Straße von Hormus:Experte zur Angst vor Seeminen: "Das Risiko ist enorm"
Seeminen in der Straße von Hormus gefährden die Schifffahrt auf einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Ein Marineexperte ordnet die Risiken für Handel und Öltransporte ein.
Während Iran weiterhin die Straße von Hormus blockiert, greifen die USA iranische Minenleger-Schiffe an. Wie gefährlich die Schifffahrt dort aktuell ist, analysiert ZDFheute live.
11.03.2026 | 18:44 minNachdem Iran begonnen hat, Minen in der Meerenge zu verlegen, zerstörte das US-Militär nach eigenen Angaben 16 iranische Minenleger-Boote. Nun wächst die Sorge um die Sicherheit des Schiffverkehrs in der Golfregion. Kommt dieser zum Erliegen, hat das Auswirkungen auf den internationalen Handel und die Energieversorgung.
Der Marineexperte Dr. Moritz Brake erklärt im Interview mit ZDFheute live, was eine Verminung der Meerenge bedeutet und welche Folgen für Handel und Wirtschaft drohen.
Sehen Sie oben das Interview in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Das sagt Brake zu...
… der Gefahr durch Seeminen in der Straße von Hormus
Nach Einschätzung von Moritz Brake war die Gefahr durch Seeminen in der Straße von Hormus auch schon vor Kriegsbeginn ein großes Thema. Selbst ältere Minentechnik reiche aus, um moderne Handelsschiffe zu gefährden.
Das Problem, das aber hier besteht, ist, dass Minen sehr einfach zu legen sind, auch von einfachsten Schiffen, ohne großen technischen Aufwand.
Dr. Moritz Brake, Marineexperte und Senior Fellow am CASSIS Bonn
Gleichzeitig seien sie "letztlich sehr, sehr schwer zu räumen". Neue Entwicklungen machten die Waffen sogar noch schwerer zu entdecken und zu entschärfen. Es reiche eine einzelne Minensichtung, Bei einem Treffer auf ein Kriegs- oder Handelsschiff komme der Verkehr zum Erliegen, so Brake.
Laut Behörden ist ein Frachtschiff in der Straße von Hormus von einem unbekannten Geschoss getroffen worden. Iran hatte dort mehrfach Schiffe angegriffen, sich zu dem Vorfall aber nicht geäußert.
11.03.2026 | 0:20 min…den Folgen für die Schifffahrt
Auf Schiffsradar-Daten sei erkennbar, dass deutlich weniger Verkehr stattfinde.
Was wir hier sehen, ist, dass die Straße von Hormus gemieden wird, das Risiko ist enorm.
Dr. Moritz Brake, Marineexperte und Senior Fellow am CASSIS Bonn
Viele Schiffe lägen stattdessen vor Anker und warteten ab, ob sich die Lage beruhige. Für Kapitäne stehe zunächst die Sicherheit ihrer Besatzung im Mittelpunkt.
Auf dem Schiff hat der Kapitän die Verantwortung für seine Besatzung an allererster Stelle.
Dr. Moritz Brake, Marineexperte und Senior Fellow am CASSIS Bonn
Danach folgten Umwelt- und erst zuletzt wirtschaftliche Interessen. Auch wenn globale Märkte betroffen seien, hätten Menschenleben Vorrang.
Zerstörungen in Iran und im Libanon, Raketenalarm in Israel: Die Angriffe im Nahen Osten gehen weiter. Derweil ist Bundesaußenminister Wadephul (CDU) zu Gesprächen in der Region.
11.03.2026 | 2:05 minGleichzeitig entstehe durch steigende Ölpreise ein gefährlicher Anreiz: Manche Reedereien könnten versuchen, trotz der Risiken durchzufahren. Brake spricht von möglichem "Glücksrittertum", bei dem Kapitäne gegen hohe Bezahlung eine Passage wagen.
…militärischem Geleitschutz für Handelsschiffe
Diskutiert wird deshalb auch über militärische Eskorten für Handelsschiffe. Eine solche Eskorte hat der US-amerikanische Präsident Donald Trump via Truth-Social-Post angeboten. Zwar könne die US-Marine Schutz anbieten, sagt Brake, doch die Verantwortung für das Leben ihrer Besatzung und die Sicherheit des Schiffs liege letztlich weiterhin bei den Kapitänen und Reedereien.
Wir sind noch in einer Friedenslogik. Die US-Marine bietet Schutz an, Reeder können entscheiden, ob sie sich darauf einlassen.
Dr. Moritz Brake, Marineexperte und Senior Fellow am CASSIS Bonn
... ist Experte für maritime Sicherheit und Reserveoffizier der Deutschen Marine. Als Senior Fellow ist Brake am Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) tätig. Mit einem von ihm mitgegründeten Unternehmen nimmt er eine beratende Rolle zu Themen rund um maritime Sicherheit ein. Daneben ist Brake Mitglied des Deutschen Maritimen Instituts (DMI), sowie Auditeur des französischen Instituts Hautes Études de Défense National (IHEDN).
Erst wenn Staaten ihre eigenen Handelsschiffe verpflichten würden, unter militärischem Geleitschutz zu fahren, ändere sich die Lage grundlegend. Dann würden Staaten auch die Haftung für mögliche Schäden übernehmen.
Zudem wäre eine militärische Sicherung aufwendig: Zunächst müssten Minen geräumt werden, anschließend würden Kriegsschiffe die Frachter begleiten und Angriffe aus der Luft oder vom Wasser abwehren. Vollständige Sicherheit könne es dennoch nicht geben, so Brake.
"Wir teilen die Sicherheitsbedenken" der USA und Israel, so Bundesaußenminister Wadephul in Riad. Aber man wolle, dass die territoriale Integrität des Iran gewahrt bleibe.
10.03.2026 | 6:49 minEuropäische Marinen hätten zwar Erfahrung beim Räumen von Minen, doch ein Einsatz in der Region brauche Zeit - zumal weiterhin gekämpft werde. "Aktuell wird ja noch geschossen", sagt Brake. Minenräumen unter Beschuss sei "eine ganz andere Hausnummer".
…den globalen Folgen einer Blockade der Straße von Hormus
Eine Blockade der Meerenge hätte weitreichende Folgen für die Region und darüber hinaus. Für die Staaten am Persischen Golf sei der Seehandel lebenswichtig. Wenn Iran die Passage blockiere, sei das "ein massiver Akt des Krieges gegenüber den Anrainerstaaten", sagt Brake.
Grafikvideo zur Bedeutung der Meerenge
18.06.2025 | 1:13 minAuch Europa sei betroffen, weil Energieversorgung und Welthandel von sicheren Seewegen abhingen. Zu den Kreuzfahrtschiffen, die aktuell am Persischen Golf liegen, sagt Brake:
Es gibt überhaupt keinen vernünftigen Grund, mit einem solchen Schiff voller Menschen dieses Risikogebiet zu passieren.
Dr. Moritz Brake, Marineexperte und Senior Fellow am CASSIS Bonn
Genau wie alle anderen gestrandeten Touristen würden auch Passagiere von Kreuzfahrtschiffen nach und nach ausgeflogen.
Das Interview führte Christina von Ungern-Sternberg.